Mehr frühe, weniger späte Brustkrebsdiagnosen
Früherkennungsprogramme für Brustkrebs führt tatsächlich zu einem Stadienshift - das belegen nun Daten von mehr als drei Millionen Europäerinnen. Gleichzeitig sank die Mortalität.
Das Mammografie-Screening in Europa führt dazu, dass Brustkrebs häufiger in einem frühen, besser behandelbaren Stadium entdeckt wird und die Sterberate sinkt. Das ist das zentrale Ergebnis einer großen Analyse unter Leitung des Deutschen Krebsforschungszentrums.
Inzidenzrückgang vor allem in Zielaltersgruppe des Screenings
Ein internationales Forschungsteam wertete dafür Krebsregisterdaten von mehr als 3,4 Millionen Frauen aus 21 europäischen Ländern aus. Nach Einführung der Screening-Programme stieg insbesondere die Zahl der entdeckten In-situ-Karzinome und Tumoren im Stadium I deutlich an, während Diagnosen im metastasierten Stadium IV in vielen Ländern zurückgingen. Dieser Effekt war bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, der Hauptzielgruppe des Screenings, besonders ausgeprägt. Seit Ende der 1990er sinken außerdem vielerorts die brustkrebsspezifischen Sterberaten.
Die Daten deuten allerdings laut dem Studienleiter Prof. Dr. Hermann Brenner vom DKFZ in Heidelberg auch auf Überdiagnosen hin, da der Anstieg der sehr frühen Tumoren den Rückgang der fortgeschrittenen Fälle übertraf. Er zeigte auf: „Die Entwicklung personalisierter, risikobasierter Screening-Angebote sowie ein besseres Verständnis der Brustkrebsbiologie haben aber das Potenzial, in Zukunft Überdiagnosen und Überbehandlungen erheblich zu reduzieren.“ Die Forschenden betonen zudem, dass neben der Früherkennung auch erhebliche Fortschritte in der Krebstherapie zu den sinkenden Sterberaten beigetragen haben.
Cardoso R et al. Lancet Reg Health Eur 2025; doi: 10.1016/j.lanepe.2025.101574