Wie sich Bewegungstherapie auf Krebs und Symptome auswirken kann

Vor Tumoren davonlaufen

37. Deutscher Krebskongress
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Sport — wie aerobes Training — hat verschiedene positive Effekte für Krebspatient:innen.

Steigen Schmerzen unter Sport bei Menschen mit Tumoren? Erschöpft Bewegungstherapie zu sehr? Oder beeinflusst sie sogar das Überleben? Über das und mehr klärte eine Expertin auf.

Es gibt viele Studiendaten zur Wirkung von Training auf verschiedene Parameter bei Patient:innen während und nach einer Krebstherapie. In ihrem Vortrag hob Prof. Steindorf vom DKFZ, Heidelberg, einige hervor — etwa das EU-Projekt „PREFERABLE“. Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs verbesserten durch Bewegungstherapie ihre Lebensqualität. Im Fragebogen gaben viele der 357 Patient:innen an, grundsätzlich sich vor Schmerzen und Fatigue durch die Übungen zu sorgen. „Doch das Gegenteil war der Fall“, betonte Prof. Steindorf. Die Fatigue reduzierte sich signifikant, die Schmerzen sanken ebenfalls und das Sexualleben besserte sich.

Eine hohe Evidenz für positive Effekte besteht laut verschiedener Studien für:

Immerhin noch moderate Evidenz besteht für:

Doch nicht nur Beschwerden lassen sich durch regelmäßige Bewegung bessern. In der kanadischen Phase-3-Studie CHALLENGE mit fast 900 Darmkrebspatient:innen stieg das krankheitsfreie und das Gesamtüberleben durch drei Jahre Bewegungsprogramm im Vergleich zu Personen, die ausschließlich Informationsmaterial erhalten hatten.1 Nach einem medianen Follow-up von knapp 8 Jahren reduzierte sich das Risiko für Rezidive, neue Primärtumore oder Tod um 28 %. Das DFS nach fünf Jahren betrug 80,3 % vs. 73,9 %.

„Da hat es wirklich eine Sensation gegeben“, freute sich Prof. Steindorf. Statt der bisherigen Beobachtungsstudien sei dies die erste randomisierte klinische Studie, die einen solchen Effekt nachweisen konnte. Das OS nach acht Jahren erreichte 90,3 % im Bewegungsarm verglichen mit 83,2 % in der Kontrolle. „Der Unterschied von 6,4 Prozentpunkten ist natürlich wirklich enorm.“

Schrumpfen Tumoren durch Training?

Beobachtungs- und präklinische Studien lassen vermuten, dass Tumoren durch Sport schrumpfen. Als Beispiel nannte die Referentin Daten einer dänischen Studie an Mäusen. „Die Gruppe, die gerannt ist, hatte eine 50%ige Tumorreduktion“, erklärte Prof. Steindorf. Doch wie sieht es beim Menschen aus?

In der klinischen Studie BENEFIT, deren Hauptautorin Prof. Steindorf ist, wurde der primäre Endpunkt „Tumorschrumpfung“ durch aerobes bzw. Resistenz-Training zwar in der Gesamtkohorte von 180 Brustkrebs-Patient:innen mit neoadjuvanter Chemotherapie verfehlt.2 Bei HR+-Subtypen reduzierte sich jedoch die Tumorgröße (OR 2,37) und die pCR stieg (3,21). Zudem waren seltener axilläre Lymphknotendissektionen (OR = 3,76) und Abbrüche der Chemotherapie notwendig (OR Nein vs. Ja  2,34). „Unsere Schlussfolgerung ist, dass es von Vorteil sein kann, während neoadjuvanter Chemotherapie zu trainieren.“

Welche Mechanismen hinter den positiven Effekten von Training stecken, ist noch nicht genau geklärt. „Wir vermuten, dass die Wirksamkeit der Therapie verbessert wird“, erklärte Prof. Steindorf. Die Expertin sprach sich für eine individualisierte Integration von Sport aus. Sie bedauerte jedoch, dass bislang noch zu wenig Kolleg:innen und Patient:innen über die positive Wirkung von Training Bescheid wüssten und Maßnahmen zu selten in die Praxis integriert würden.

DKK 2024

Videointerview zu Sport- und Bewegungstherapie

Randomisierte Studien belegen den positiven Effekt von Sport und Bewegung. Nun heißt es, die Supportivmaßnahme in die Versorgung zu bringen. Und es geht voran: Die Fertigstellung der dazugehörigen Leitlinie ist für Ende März 2026 geplant.

1.    Courneya KS et al. N Engl J Med 2025; 393: 13-25; doi: 10.1056/NEJMoa2502760

2.    Schmidt ME et al. J Sport Health Science 2025; 14:101064; doi: 10.1016/j.jshs.2025.101064

 

Steindorf K. 37. Deutscher Krebskongress; Vortrag „Körperliche Bewegung zur Linderung von therapiebedingten Nebenwirkungen bei Krebspatient*innen“