Erste Erfolge bei refraktärer primärer Erkrankung

Patient:innen mit ITP sprechen anhaltend auf CAR-T-Zellen an

EHA 2026
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Bei der ITP kommt es zu einer Autoimmunreaktion gegen Thrombozyten und Megakaryozyten.

Phase-1-Daten aus China legen nahe: Eine erstmals bei primärer, therapieresistenter Immunthrombozytopenie eingesetzte BCMA‑gerichtete CAR‑T‑Zell-Therapie kann pathogene Immunreaktionen gezielt ausschalten und lang anhaltende Remissionen induzieren.

Die Immunthrombozytopenie (ITP) ist eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der Autoantikörper gegen Thrombozyten und Megakaryozyten eine ausgeprägte Thrombozytopenie verursachen. Anti‑GPIb/IX‑Antikörper gelten als wesentliche Treiber der Erkrankung und sind mit niedrigen Thrombozytenzahlen assoziiert, berichtete Dr. Jinhui Shu, Huazhong University in Wuhan.

Außerdem gehen sie mit einem schlechteren Ansprechen auf Kortikosteroide, Immunglobuline (IVIG), Rituximab und TPO‑Rezeptoragonisten sowie einem erhöhten Risiko refraktärer oder rezidivierender Verläufe einher. Der therapeutische Bedarf, die pathogene Immunreaktion gezielt zu unterbrechen und das Immunsystem nachhaltig umzuprogrammieren, sei entsprechend hoch.

Wer nahm an der Phase-1-Studie teil?

In die offene, monozentrische Phase-1-Studie waren Patient:innen eingeschlossen, deren primäre ITP seit mindestens sechs Monaten bestand. Sie wiesen plättchenspezifische Autoantikörper auf, hatten Thrombozytenwerte < 30 × 10⁹/l und auf etablierte Erst- und Zweitlinientherapien wie Kortikosteroide, IVIG, Rituximab und TPO-Rezeptoragonisten nicht angesprochen. Interventionen zur Thrombozytensteigerung waren nicht erlaubt, lediglich durften supportive Maßnahmen zur Behandlung CAR-T-assoziierter Nebenwirkungen erfolgen.

Alle waren gegenüber Standardtherapien refraktär

Zwischen August 2024 und Dezember 2025 erhielten sechs Erkrankte BCMA‑CAR‑T‑Zellen. Vier Personen gingen in die Analyse ein; das mediane Alter lag zwischen 42 und 70 Jahren, die ITP‑Dauer zwischen zwei und zwölf Jahren.

Alle waren refraktär gegenüber Kortikosteroiden, IVIG, TPO‑RA und Rituximab. Die Thrombozytenzahlen zu Studienbeginn betrugen 2–27 × 10⁹/l.

Es kam zu raschen Remissionen

Die CAR‑T‑Zellen expandierten bis Tag 14 und blieben über mindestens drei Monate nachweisbar, berichtete der Experte. CD19⁺‑B‑Zellen verschwanden ab Tag 14 und erholten sich nach Monat 3. Drei Patient:innen erreichten binnen 14 Tagen eine komplette Remission (CR) und blieben 6–14 Monate therapiefrei; eine weitere Person erzielte eine verzögerte CR bis Tag 28, erlitt jedoch in Monat 9 ein Rezidiv.

Der sBCMA‑Serumspiegel fiel nach Infusion rasch ab, während Anti‑Plättchen‑Antikörper bei den anhaltenden Responder:innen dauerhaft supprimiert blieben. Das Sicherheitsprofil war günstig: Zytokinfreisetzungssyndrome fielen leichtgradig aus; ICANS, immunbedingte Hämatotoxizität ≥ Grad 3 und Infektionen traten nicht auf.

Immun‑Reprogrammierung statt bloßer Erholung

Das Immunprofiling zeigte laut Dr. Shu eine „koordinierte Reprogrammierung des Immunsystems“ an: eine humorale Umprogrammierung, ein endogenes T‑Zell‑Remodelling sowie eine Abschwächung des myeloisch­-T‑zellulären Crosstalks. Diese ineinandergreifenden Veränderungen, die dem Experten zufolge weit mehr waren als eine einfache Immunerholung, gingen mit einer raschen Normalisierung der Thrombozytenzahlen und stabilen Remissionen einher.

Zusammenfassend konnte in dieser Proof-of-Concept-Studie erstmals die klinische Wirksamkeit einer BCMA‑CAR‑T‑Zell-Therapie bei Patient:innen mit refraktärer primärer ITP und Anti‑Plättchen‑Autoantikörpern nachgewiesen werden. Die Behandlung ermöglichte eine schnelle Thrombozytenerholung, eine tiefgreifende Immun‑Reprogrammierung und anhaltende therapiefreie Remissionen. Dr. Shu zufolge laufen bereits größere Studien mit längerer Nachbeobachtung, um diese vielversprechenden Ergebnisse zu bestätigen.

Shu J et al. EHA 2026; LB5003

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