Wenn jeder Handgriff zur Qual wird

Was schützt vor dem chemotherapieinduzierten Hand-Fuß-Syndrom?

Aus der Fachliteratur
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Die Schutzwirkung von Diclofenac ist laut den Studienautor:innen durch belastbare wissenschaftliche Evidenz belegt. Der Silymarin-Effekt bedürfe einer Bestätigung durch größere randomisierte Studien.

Rötung, Schmerz und Schwellung: Das Hand-Fuß-Syndrom ist eine häufig auftretende Hautnebenwirkung vieler Chemotherapien. Eine neue Metaanalyse zeigt, welche Wirkstoffe am besten vorbeugen – und welche das Risiko sogar erhöhen.

Schmerzempfindliche, gerötete und geschwollene Handflächen und Fußsohlen verbunden mit Dysästhesien und Taubheitsgefühl: Viele Zytostatika lösen das sogenannte Hand-Fuß-Syndrom aus. Zahlreiche topische und systemische Prophylaxestrategien wurden bereits in Studien getestet. Einer aktuellen Netzwerk-Metaanalyse zufolge beugen offenbar Diclofenac und Silymarin, ein aus der Mariendistel gewonnener Wirkstoff, der toxischen Hautnebenwirkung am besten vor.

Welche Therapien bergen Risiken?

Typische Verursacher des Hand-Fuß-Syndroms sind die Chemotherapeutika 5-Fluorouracil, Capecitabin, liposomales Doxorubicin, Cytarabin und Docetaxel, berichtet Dr. ­Hemavathi ­Baskarane vom All India Institute of Medical Sciences in Neu-Delhi. Die Komplikation ist zwar nicht lebensbedrohlich, beeinträchtigt aber die Lebensqualität der Betroffenen erheblich.

In schweren Fällen treten eine palmare und plantare Schuppung und Blasenbildung sowie Ulzerationen auf. Dosisreduktionen, Therapieunterbrechungen oder sogar ein Behandlungsabbruch können zwar die Symptomatik lindern, bergen allerdings ein Risiko für eine Prognoseverschlechterung.

Gemeinsam mit seinem Team wertete Dr. Baskarane die Daten von 17 randomisierten kontrollierten Studien aus, an welchen 2.192 zytostatisch behandelte Krebskranke teilgenommen hatten. Insgesamt waren 13 verschiedene Prophylaxemaßnahmen gegen Placebo oder eine aktive Vergleichsbehandlung getestet worden. Hierzu zählen unter anderem

Welche Wirkstoffe schützen am besten?

Den besten Schutz vor einem mindestens zweitgradigen, klinisch relevanten Hand-Fuß-Syndrom, also einem schmerzhaften, Alltagstätigkeiten beeinträchtigenden Erythem und Ödem, bot

Diclofenac und Celecoxib, nicht jedoch Silymarin und Pyridoxin, schützten darüber hinaus vor einem Hand-Fuß-Syndrom jeglicher Schwere. Eine speziell für diese Indikation entwickelte Salbe verdreifachte hingegen sogar das Risiko für die Chemotherapiekomplikation. Abschließend führten die Forschenden eine Ranking-Analyse durch. Hier schnitt Silymarin am besten ab, gefolgt von Diclofenac und einer Badelösung.

Die Schutzwirkung von Diclofenac ist durch eine belastbare wissenschaftliche Evidenz unterfüttert, berichten die Autor:innen. Auch der Silymarin-Effekt sei vielversprechend, bedürfe allerdings der Bestätigung durch eine größere randomisierte Studie.

Baskarane H et al. JAMA Dermatol 2026; 162 (4): 386-394; doi: 10.1001/jamadermatol.2026.0042