Radioligandentherapie schon als Zugabe zur ADT
Bereits im hormonsensitiven Stadium des metastasierten Prostatakrebs können Ärzt:innen offenbar 177Lu-PSMA-617 zur Standardtherapie hinzunehmen. In der zweiten Interimsanalyse der PSMAddition-Studie lag das Risiko für einen radiografischen Progress oder den Tod dann um 28 % niedriger.
Eine Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617 zeigte bereits beim metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinom Erfolge. Forschende um Prof. Dr. Scott T. Tagawa, Weill Cornell Medicine, New York, testeten nun, ob sich das Präparat auch zur Intensivierung der Standardtherapie im hormonsensitiven Stadium eignet.
Wer nahm an PSMAddition teil?
Die Forschenden schlossen in PSMAddition 1.144 Erkrankte mit behandlungsnaiven oder kaum vorbehandelten, hormonsensitiven, metastasierten Prostatakarzinomen ein. 68 % hatten ein hohes Tumorvolumen und die Hälfte eine De-novo-Erkrankung. Alle mussten mindestens eine PSMA-positive Fernmetastase aufweisen.
Teilnehmende der Phase-3-Studie PSMAddition erhielten eine Androgendeprivationstherapie (ADT) zusammen mit einem Inhibitor des Androgenrezeptorsignalwegs (ARPI), am häufigsten Abirateron und Apalutamid. Die Prüfgruppe bekam zusätzlich bis zu sechs Zyklen 177Lu-PSMA-617 (7,4 GBq ± 10 % alle sechs Wochen).
PSMAddition: primärer Endpunkt vorzeitig erreicht
Im Prüfarm lag das Risiko für einen radiografischen Progress oder den Tod um 28 % niedriger, womit die Studie ihren primären Endpunkt bereits in der zweiten Interimsanalyse erreichte (HR 0,72; 95%-KI 0,58–0,90; p = 0,0021). Nach knapp zwei Jahren Follow-up hatten 24 % mit der Radioligandentherapie und 30 % im Standardarm ein solches Ereignis erlitten. Das Ergebnis schien über Subgruppen hinweg konsistent, u. a. unabhängig vom Tumorvolumen und sowohl bei einer De-novo-Erkrankung als auch im Rezidivfall.
51 % des Prüfarms und 43 % der Kontrollgruppe erlitten Ereignisse vom Grad ≥ 3, die Rate ernsthafter Komplikationen betrug jeweils etwa 30 %. Das häufigste unerwünschte Ereignis war ein trockener Mund, der fast ausschließlich unter der Radioligandentherapie vorkam (46 % vs. 4 %; alle Grad 1/2). Weitere Nebenwirkungen, die unter der Prüfkombination häufiger auftraten, waren Zytopenien und gastrointestinale Beschwerden.
PFS-Vorteil, aber mehr Toxizitäten mit 177Lu-PSMA-617
Die Autor:innen fassen zusammen, dass 177Lu-PSMA-617 plus ADT/ARPI das radiografische PFS verlängert. Es gab häufiger Toxizitäten, sie sahen aber keine unerwarteten Sicherheitssignale. Demzufolge könnte die Prüfkombination eine neue Behandlungsoption beim metastasierten hormontherapienaiven/-sensitiven Prostatakarzinom bieten.
Tagawa ST et al. Lancet 2026; 408(10557): 793-807; doi: 10.1016/S0140-6736(26)01092-5
Bei Google bevorzugen
Sie möchten bei der Suche nach aktuellen Entwicklungen häufiger unsere Beiträge sehen? Dann fügen Sie uns jetzt zu Ihren bevorzugten Quellen hinzu.
Als bevorzugte Quelle auswählen