E-Zigaretten & Krebs

Vaping fördert wohl Lungen- und Mundhöhlenkrebs

Aus der Fachliteratur
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Auch wenn das karzinogene Potenzial von E-Zigaretten geringer sein dürfte als das von Tabakzigaretten – unbedenklich sind Vapes deshalb nicht.

Nitrosamine, Acrylamid und Schwermetalle: Ein Review findet bei Vapern erhöhte Karzinogen- und DNA-Schadensmarker. Tierdaten zeigen Lungenadenokarzinome, die Evidenz nimmt zu.

Der regelmäßige Gebrauch von E-Zigaretten ist einem Review zufolge „wahrscheinlich krebserregend“ und dürfte Lungen- und Mundhöhlenkrebs fördern, schreibt eine australische Arbeitsgruppe um Prof. Dr. ­Bernard ­Stewart von der University of New South Wales in einem Übersichtsartikel. Der Review umfasst Publikationen von 2017 bis 2025 und konzentriert sich auf den Vergleich von Vaping mit Nichtrauchen. Studien zum Dual-Use, d. h. zum parallelen Konsum von E- und Tabakzigaretten, waren ausgeschlossen. Ausgewertet wurden Biomarker- und Tierversuchsstudien, biochemische Analysen, Fallberichte und frühere Reviews.

Tierdaten: Lungenadenokarzinome nach Inhalation

Der Analyse zufolge zeigen sich bei Vapern erhöhte Spiegel bekannter Karzinogene, darunter tabakspezifische Nitrosamine, volatile organische Verbindungen wie Acrylamid und Acrylnitril sowie Schwermetalle aus den Heizelementen der Geräte. DNA-Schadensmarker belegen mehr Addukte in oralen Epithelzellen. Zudem finden sich Hinweise auf oxidativen Stress, epigenetische Veränderungen und Entzündungen in oralem und respiratorischem Gewebe. Tierstudien zeigen, dass 22,5 % der Mäuse nach inhalativer Exposition Lungenadenokarzinome entwickeln. Die Aerosole erfüllen außerdem alle zehn „Key Characteristics of Carcinogens“ der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC).

Die mechanistische, epigenetische und präklinische Evidenz ist substanziell, auch wenn epidemiologische Langzeitdaten noch fehlen, kommentiert Prof. Dr. ­Martin ­Widschwendter von der Universität Innsbruck für das Science ­Media Center in Köln. Vapes sind erst seit etwa 2010 breit verfügbar, Lungenkrebs hat jedoch eine Latenzzeit von 20 bis 40 Jahren. Zudem rauchten in bisherigen Studien bis zu 97 % der E-Zigarettennutzer parallel Tabak, was den Nachweis eines eigenständigen Effekts erschwert. Eine aktuelle Untersuchung, an der Prof. ­Widschwendter selbst beteiligt war, zeige jedoch, dass Vaper mit geringer Tabakvorexposition epigenetische Marker aufweisen, die bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko Jahrzehnte vor der Diagnose vorhersagen.

Derzeitige Evidenz am ehesten mit einer Einstufung als „möglicherweise karzinogen“ vereinbar

Prof. Dr. Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum bewertet die Datenlage zurückhaltender. Nach IARC-Logik wäre die derzeitige Evidenz am ehesten mit einer Einstufung als „möglicherweise karzinogen“ vereinbar, für mehr reiche die Datenlage derzeit nicht. Ihrer Einschätzung nach dürfte das karzinogene Potenzial von E-Zigaretten geringer liegen als das von Tabakzigaretten, da Menge und Konzentration krebserzeugender Substanzen im Aerosol deutlich niedriger seien. Dies bedeutet jedoch nicht, dass E-Zigaretten unbedenklich seien, betont die Krebsforscherin.

1. Stewart BW et al. Carcinogenesis 2025; 47: bgag015; doi: 10.1093/carcin/bgag015

2. Pressemitteilung – Science Media Center Germany

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