DPP4-Hemmer: Mehr Dermatomyositis und Riesenzellarteriitis?
Eine große Registeranalyse wirft neue Fragen zur immunologischen Sicherheit moderner Antidiabetika auf: Unter DPP4-Hemmern traten Dermatomyositis und Riesenzellarteriitis häufiger auf als unter Vergleichstherapien.
Moderne Antidiabetika wie GLP1-Rezeptoragonisten, DPP4-Inhibitoren und SGLT2-Inhibitoren werden bei Typ-2-Diabetes häufig eingesetzt. Während ihre metabolischen, kardiovaskulären und renalen Effekte gut untersucht sind, ist über mögliche Unterschiede hinsichtlich der immunologischen Sicherheit bislang deutlich weniger bekannt. Um mehr über die Inzidenz verschiedener Autoimmunerkrankungen unter diesen drei Wirkstoffklassen zu erfahren, analysierte ein Team um Arjun Mahajan, Harvard Medical School in Boston, elektronische Daten aus 152 Gesundheitseinrichtungen.
Eingeschlossen waren Erwachsene mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes, die erstmals eine Monotherapie mit einem DPP4-Inhibitor, einem GLP1-Rezeptoragonisten oder einem SGLT2-Inhibitor erhielten. Personen mit bereits bekannter Autoimmunerkrankung oder vorheriger immunsuppressiver Behandlung wurden ausgeschlossen. Nach Propensity-Score-Matching umfasste die Analyse
118.419 Paare für DPP4-Inhibitoren versus GLP1-Rezeptoragonisten,
102.810 Paare für DPP4-Inhibitoren versus SGLT2-Inhibitoren und
105.869 Paare für GLP1-Rezeptoragonisten versus SGLT2-Inhibitoren.
Unter DPP4-Hemmern seltener Psoriasis, aber häufige bullöse Pemphigoide
Untersucht wurde das Auftreten verschiedener Autoimmunerkrankungen innerhalb von drei Jahren. Im Vergleich zu GLP1-Rezeptoragonisten waren DPP4-Inhibitoren mit einem geringeren Risiko für Psoriasis (Hazard Ratio, HR, 0,79), Psoriasisarthritis (HR 0,65) und Autoimmunthyreoiditis (HR 0,68) verbunden. Gleichzeitig war das Risiko für Dermatomyositis (HR 2,18) und bullöses Pemphigoid (HR 1,78) erhöht. Ein ähnliches Muster ergab sich im Vergleich zu SGLT2-Inhibitoren: Das Risiko für Psoriasis und autoimmune Thyreoiditis war unter DPP4-Inhibitoren geringer, während Dermatomyositis (HR 2,03), bullöses Pemphigoid (HR 2,07) und Riesenzellarteriitis (HR 1,83) häufiger beobachtet wurden.
Für rheumatoide Arthritis, systemischen Lupus erythematodes, systemische Sklerose, ANCA-assoziierte Vaskulitiden und Polymyalgia rheumatica ergaben sich in sämtlichen Vergleichen keine signifikanten Unterschiede. Das galt ebenso für GLP1-Rezeptoragonisten und SGLT2-Inhibitoren – sie unterschieden sich bzgl. des Auftretens von Autoimmunerkrankungen nicht.
Studiendesign erlaubt keinen Rückschluss auf Kausalität
Aufgrund ihres beobachtenden Designs beweist diese Studie jedoch keine Kausalität, betonen die Autorinnen und Autoren. Zudem fehlte eine unbehandelte Kontrollgruppe, sodass ausschließlich relative Unterschiede zwischen den Wirkstoffklassen beschrieben werden. Die Ergebnisse sind daher als vorläufige Sicherheitssignale zu verstehen. Sie rechtfertigen keine generelle Änderung der antidiabetischen Therapie, unterstreichen jedoch den Bedarf an unabhängigen und prospektiven Untersuchungen – insbesondere zu Dermatomyositis und Riesenzellarteriitis unter DPP4-Inhibitoren.
Mahajan A et al. ACR Open Rheum 2026; 7: e90046; doi: 10.1002/acr2.90046
Dr. Sonja Kempinski
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