Quälgeister im Doppelpack

Fibromyalgie feuert Wechseljahrsbeschwerden an

Aus der Fachliteratur
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Frauen mit Fibromyalgie kommen im Vergleich zu denjenigen mit rheumatoider Arthritis früher in die Wechseljahre.

Wechseljahre und Fibromyalgie sind offenbar eng miteinander verknüpft: Hormonveränderungen verstärken Schmerzen und Fatigue, und bei ausgeprägten Fibromyalgiesymptomen sind auch die klimakterischen Beschwerden stärker.

Fibromyalgie und Klimakterium überschneiden sich zum Teil in ihrer Symptomatik. Forschende stellen sich daher die Frage, ob und wie sich beide gegenseitig beeinflussen. So geht das Fibro­myalgiesyndrom (FMS) typischerweise mit chronischen diffusen muskuloskelettalen Schmerzen und Steifigkeit einher. Dazu kommen Fatigue, schlechter Schlaf und affektive Störungen. Die pathophysiologischen Hauptmechanismen sind wahrscheinlich zentrale Sensitivierung und maladaptive Schmerzamplifikation, schreibt eine Autorengruppe um Dr. ­Arriana ­Gkouvi vom Universitätskrankenhaus in Larissa, Griechenland. Aus neuropathischen, inflammatorischen und anderen Schmerzmodellen wisse man, dass sich via Östrogen und Östrogenrezeptoren Schmerzen modulieren lassen. 

Hormonschwankungen verstärken Schmerzen

Es liege also nahe, einen Einfluss des Sexualhormonstoffwechsels auch auf die Fibromyalgie – und umgekehrt – anzunehmen. Für diese These spricht z. B. die Beobachtung, dass die täglichen Schwankungen des Progesteron- und Testosteronspiegels mit verstärkten FMS-Schmerzen assoziiert sind. Außerdem entwickeln Frauen mit der rheumatologischen Erkrankung oft stärkere Menstruationsbeschwerden als gesunde, insbesondere Schmerzen. Im Vergleich zu Patientinnen mit rheumatoider Arthritis kommen diejenigen mit Fibro­myalgie signifikant häufiger schon vor dem 46. Lebensjahr in die Wechseljahre (38,3 % vs. 13,4 %) und sie werden deutlich öfter hyster­ektomiert (16,5 % vs. 6 %). Darüberhinaus leiden FMS-Patientinnen mit frühem Beginn des Klimakteriums unter stärkeren Schmerzen und einer größeren Überempfindlichkeit als Betroffene mit später einsetzenden Wechseljahren. 

Um den Zusammenhang von Fibro­myalgie und Klimakterium näher zu beleuchten, haben die Kolleginnen und Kollegen Patientinnen mit gesicherter Fibromyalgiediagnose gebeten, zwei Fragebogen auszufüllen. Der FIQR* zielte auf die Fibromyalgie, der GCS** auf Wechseljahrssymptome, zu denen neben Hitzewallungen, Nachtschweiß und Schlafstörungen u. a. Muskel- und Gelenkschmerzen, Herzstolpern, vaginale- und Hauttrockenheit, Kopfschmerzen/Migräne sowie affektive Störungen gehören. 

Bei jeder Zweiten ging die Fibromyalgie dem Klimakterium voraus

169 Frauen im Durchschnittsalter von rund 49 Jahren nahmen an der Befragung teil. 42 % waren prä- und 58 % peri- oder postmenopausal, was im Hinblick auf ihr Körpergewicht, nicht aber den FIQR-Score eine si­gnifikante Rolle spielte. Frauen in und nach den Wechseljahren brachten im Durchschnitt etwa 7 kg mehr auf die Waage und hatten mit 28,5 vs. 26,3 kg/m2 einen höheren BMI, berichten die Studienautorinnen und -autoren. Bei 51 % der Teilnehmerinnen ging die Fibromyalgie dem Klimakterium voraus, bei 22 % manifestierte sich die Erkrankung in dieser Zeit und bei 27 % in der Postmenopause.

Wie die Analyse der erhobenen Daten zeigte, war der FIQR-Score ein signifikanter Prädiktor für klimakterische Beschwerden: Je höher die Werte, desto ausgeprägter die Wechseljahrssymptome. Auch ein hoher BMI ließ den GCS-Score erheblich ansteigen. Zudem war er mit einer stärkeren Belastung durch die Fibromyalgie assoziiert. In diesem Punkt könnte man therapeutisch ansetzen und den Frauen gemäß den EULAR-Empfehlungen aerobes Training 2- bis 3-mal pro Woche empfehlen, meint das Autorenteam.

Gkouvi A et al. Maturitas 2026; doi: 10.1016/j.maturitas.2026.1088992,    

Pamuk ON et al. Clin Rheumatol 2009; 28: 561-564; doi: 10.1007/s10067-009-1087-1

Birgit Maronde

Birgit Maronde

Freie Autorin
Nach ihrem Medizinstudium an der Universität Mainz hat sie zunächst in der Inneren Medizin gearbeitet, um sich dann dem Medizinjournalismus zuzuwenden. Viele Jahre gehörte sie zum Team der Medical-Tribune-Redaktion, von 2016 bis 2024 in der Funktion als Chefredakteurin. Im Unruhestand ist sie als freie Autorin tätig.

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