Männer dominieren weiterhin

Gendergap in Rheumatologie-Journals

European Congress of Rheumatology 2026
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 2 Min
In den Editorial Boards der meisten rheumatologischen Journals ist der Anteil von Männern und Frauen alles andere als ausgeglichen.

Frauen sind in den Editorial Boards rheumatologischer Journals unterrepräsentiert. Besonders in wohlhabenden Ländern dominieren die Männer. Sie erzielen zudem mehr Publikationen und Zitierungen.

Wie verteilen sich die Positionen in den Editorial Boards der rheumatologischen Fachzeitschriften? Um dies herauszufinden, hat ein Team um Rodolfo Martinez-Canales von der Universidad Autónoma de Nuevo León 84 rheumatologische Journals mit insgesamt 1.064 Herausgebenden analysiert. Nach Bereinigung von Mehrfachfunktionen entfielen 63,7 % der leitenden Positionen auf Männer und lediglich 36,3 % auf Frauen. Auffällig war die unterschiedliche Verteilung nach Einkommensniveau der Länder: Während Frauen in Ländern mit niedrigem mittlerem Einkommen mit 52,8 % sogar die Mehrheit in den Editorial Boards stellten, waren in Ländern mit mittlerem bis hohem Einkommen jeweils mehr als 60 % der Positionen mit Männern besetzt.

Auch bei den bibliometrischen Kennzahlen zeigten sich deutliche Unterschiede. Männliche Editoren wiesen im Median mehr wissenschaftliche Publikationen (187 vs. 106), mehr Zitierungen (4.865 vs. 2.139) sowie einen höheren H-Index (36 vs. 23) auf; alle Unterschiede waren hochsignifikant.

Auch das Einkommensniveau des Herkunftslandes hat Einfluss auf Zitierungen

Darüber hinaus fand das Team einen signifikanten, wenn auch nur schwachen Zusammenhang zwischen dem Einkommensniveau des Herkunftslandes und der wissenschaftlichen Sichtbarkeit. Editorinnen und Editoren aus Ländern mit höherem Einkommen publizierten mehr und wurden häufiger zitiert. Zudem hatten sie höhere H-Indizes als ihre Kolleginnen und Kollegen aus Ländern mit geringeren Ressourcen.

Offenbar bestehen in der Rheumatologie strukturelle Ungleichheiten, resümiert das Team. Die starke Präsenz von Frauen in Ländern mit niedrigem mittlerem Einkommen zeige, dass eine ausgewogenere Geschlechterverteilung grundsätzlich erreichbar sei. Fachgesellschaften und Verlage sollten daher transparente Berufungsverfahren, Mentoringprogramme sowie eine stärkere Berücksichtigung von Geschlechter- und geografischer Diversität bei der Besetzung von Redaktionsleitungen fördern. Nur so könne die wissenschaftliche Qualität und Vielfalt der rheumatologischen Forschung langfristig gestärkt werden.

Dr. Sonja Kempinski

Dr. Sonja Kempinski ist als freie Autorin für die Medical Tribune und den Fachtitel Medical Tribune Rheumatologie/Schmerz sowie für verschiedene Gesundheitswebsites tätig. Ihre Spezialgebiete sind dabei die Rheumatologie und die Orthopädie, als ehemalige Chefredakteurin einer Zeitschrift für Allgemeinmediziner liegen ihr aber auch hausärztliche Themen am Herzen.

Bei Google bevorzugen

Sie möchten bei der Suche nach aktuellen Entwicklungen häufiger unsere Beiträge sehen? Dann fügen Sie uns jetzt zu Ihren bevorzugten Quellen hinzu.

Als bevorzugte Quelle auswählen
Wie funktioniert das? Häufige Fragen: Hier erfahren Sie mehr

Das könnte Sie auch interessieren