VR-Brillen in der Schmerztherapie

Chronische Schmerzen mit virtueller Realität lindern

Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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|Lesezeit: 4 Min
Bei der VR-gestützten Schmerzbehandlung können neben der Ablenkung noch weitere Mechanismen genutzt werden. So lassen sich im Rahmen der Gamification spielerische Ansätze in die Therapie integrieren, um die Adhärenz der Patientinnen und Patienten zu verbessern.

Eine VR-Brille kann mehr als nur vom Schmerz ablenken. Sie schafft eine therapeutische Umgebung, in der Achtsamkeits- und Entspannungsübungen, Gesundheitsedukation und Bewegung zusammenspielen.

Virtuelle Realität (VR) ist in der Schmerzmedizin längst mehr als ein technisches Experiment, sagte Stefan Lindner vom Universitätsklinikum Würzburg. Dass sich mithilfe von VR-Brillen Schmerzen lindern lassen, sei inzwischen durch mehrere Untersuchungen belegt.

So sanken in einer Metaanalyse von 122 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 9.138 Schmerzpatientinnen und -patienten die Schmerzwerte unter einer VR-gestützten Therapie deutlich stärker als ohne den Einsatz der Brillen (standardisierte Mittelwertdifferenz, SMD, −0,65). Bei akuten Schmerzen betrug die SMD −0,62, in der Subgruppe mit chronischen Schmerzen lag sie bei −0,88. In 15 randomisierten kontrollierten Studien verbesserte der Einsatz von virtueller Realität zudem die Funktionsfähigkeit der Betroffenen (SMD 1,40), berichtete der Diplomsportwissenschaftler und Schmerzphysiotherapeut.

So funktioniert die VR-gestützte Schmerztherapie

Eine Virtual-Reality-Brille versetzt die Patientinnen und Patienten in eine computergenerierte Umgebung. Auf diese Weise bekommen sie das Gefühl, tatsächlich in dieser virtuellen Welt präsent zu sein. Diese sogenannte Immersion und Präsenz können die Aufmerksamkeit vom Schmerz weglenken.

Gleichzeitig lässt sich die virtuelle Umgebung gezielt nutzen, um weitere therapeutische Mechanismen anzusprechen. Dazu gehören:

  • Affektmodulation

  • Veränderungen der Körperwahrnehmung und des Körperbildes

  • Interaktivität

  • Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie wie Exposition

Auch spielerische Elemente können die Therapie unterstützen. Durch Gamification – also den Einsatz spielerischer Elemente – lassen sich beispielsweise Aufgaben, Ziele und unmittelbares Feedback in die virtuelle Umgebung integrieren. Das kann die Motivation und die Adhärenz der Patientinnen und Patienten fördern.

Die virtuelle Realität ist damit nicht zwangsläufig eine reine Ablenkung vom Schmerz, sondern kann die verschiedenen Mechanismen miteinander verbinden. Das Spektrum reicht von vollständig virtuellen Anwendungen bis zu Lösungen, die reale und virtuelle Elemente kombinieren. Welche Variante sinnvoll ist, hängt vom therapeutischen Ziel ab.

Bei höheren Ausgangsschmerzen erzielt VR stärkere Effekte

Die Wirkung scheint jedoch nicht für alle Menschen gleich auszufallen. In den vorgestellten Daten waren höhere Ausgangsschmerzen mit stärkeren Effekten durch die VR-gestützte Behandlung verbunden. Ein höheres Lebensalter ging mit einer geringeren Wirkung einher, was allerdings nicht den persönlichen Erfahrungen des Referenten entspricht. Insgesamt fiel die Effektivität des VR-Einsatzes ähnlich gut aus wie die einer Standardtherapie. Auffällig war die hohe Adhärenz der Teilnehmenden.

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