Polymyalgie sicher von ihren Doppelgängern abgrenzen
Um Komplikationen zu verhindern, muss die Polymyalgie früh erkannt werden. Röntgen, Labor und Ultraschall helfen dabei, die Erkrankung von ihren wichtigsten Differenzialdiagnosen abzugrenzen.
Nach der rheumatoiden Arthritis ist die Polymyalgia rheumatica (PMR) die zweithäufigste rheumatisch-entzündliche Gelenkerkrankung des älteren Menschen, schreiben Dr. Luisa Schneider und Prof. Dr. Jörg Henes vom Bereich Rheumatologie des Universitätsklinikums Tübingen. Hellhörig werden sollte man bei einem Patientenalter über 50 Jahre, neu aufgetretenen beidseitigen Schulterschmerzen und einer Erhöhung von BSG und/oder CRP. Weiterer Hinweis ist eine Morgensteifigkeit über mehr als 45 Minuten, Rheumafaktor und/oder Anti-CCP-Antikörper sind in der Regel negativ.
Bei der Sonografie der Gelenke können beidseitig auftretende entzündliche Veränderungen wie Bizepssehnentendinitis, Bursitis subdeltoidea (siehe Abbildung), Bursitis trochanterica oder Hüftgelenkserguss auffallen. Wenn klinisches und arthrosonografisches Bild unklar sind, müssen Differenzialdiagnosen ausgeschlossen werden. Die wichtigsten sind die rheumatoide Arthritis, das RS3PE-Syndrom (remitting seronegative symmetric synovitis with pitting edema) und die Chondrokalzinose.
Abgrenzung zur seronegativen rheumatoiden Arthritis ist schwierig
Die rheumatoide Arthritis kommt insbesondere bei einer ausgeprägten peripheren Polyarthritis mit Befall kleiner Gelenke infrage. Typisch sind eine symmetrische Synovialitis der Finger- und Handgelenke sowie im späteren Verlauf erosive Gelenkveränderungen im Röntgenbild. Die Abgrenzung ist vor allem bei der seronegativen rheumatoiden Arthritis erschwert, da Rheumafaktor und Anti-CCP-Antikörper fehlen können.
Das RS3PE-Syndrom tritt überwiegend bei älteren Männern auf und ist durch symmetrische Schwellungen mit eindrückbarem Ödem an Hand- und/oder Fußrücken gekennzeichnet. Laborchemisch zeigen sich erhöhte Entzündungsparameter bei fehlenden erosiven Gelenkveränderungen. Da das Syndrom mit malignen Erkrankungen assoziiert sein kann, ist ein Malignomausschluss angezeigt.
Bei der Chondrokalzinose sind Kristalle im Gelenkpunktat typisch
Die Chondrokalzinose ist eine Kristallarthropathie, die durch Ablagerungen von Kalziumpyrophosphatkristallen im Gelenkknorpel verursacht wird und insbesondere als Mono- oder Oligoarthritis großer Gelenke vorkommt. Charakteristisch sind Knorpelverkalkungen im Röntgenbild sowie der Nachweis von Kalziumpyrophosphatkristallen im Gelenkpunktat. Bei Beteiligung der Halswirbelsäule kann ein Crowned-Dens-Syndrom mit Nackenschmerzen und erhöhten Entzündungsparametern auftreten.
Schneider L, Henes J, Dtsch Med Wochenschr 2026; 151: 537-542; doi: 10.1055/a-2678-3497