Rheuma erhöht die Gefahr für HPV-bedingte Malignome
Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben ein nahezu doppelt so hohes Risiko für HPV-bedingte Krebserkrankungen wie gesunde Kontrollen. Besonders gefährdet sind Personen mit systemischem Lupus erythematodes.
Bei einer verringerten Immunabwehr – sei es durch eine Grunderkrankung oder eine medikamentöse Therapie – kann der Körper HPV-Infektionen schlechter kontrollieren. Dadurch könnte die Entstehung HPV-bedingter Dysplasien und Krebs begünstigt werden. Ob Personen mit immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen (IMID) tatsächlich ein höheres Risiko für solche Krebserkrankungen haben, untersuchte ein französisches Team um Clothilde Gros, Université Sorbonne Paris Nord, anhand einer Kohortenstudie mit mehr als 438.000 Personen.
Erfasst wurden Dysplasien und Malignome von Zervix, Vulva, Vagina, Anus und Penis
Verglichen wurden dabei 122.316 IMID-Patientinnen und -Patienten mit 316.047 Kontrollen über einen Studienzeitraum von acht Jahren. Die Erkrankten litten an systemischem Lupus erythematodes (SLE), Sjögren-Syndrom, systemischer Sklerose, gemischter Bindegewebserkrankung oder rheumatoider Arthritis. Die erfassten HPV-bedingten Krebserkrankungen bzw. schwerwiegende Dysplasien betrafen Zervix, Vagina, Vulva, Anus und Penis.
Während der mittleren Nachbeobachtungszeit von 4,11 Jahren war das Risiko für HPV-bedingte Krebserkrankungen oder schwerwiegende Dysplasien bei Personen mit IMID fast doppelt so hoch wie bei den Kontrollen (altersadjustierte Hazard Ratio, HR, 1,99). Ein erhöhtes Risiko zeigte sich für alle untersuchten Tumorlokalisationen mit Ausnahme des Peniskarzinoms.
Risikofaktoren für die Krebsentstehung waren weibliches Geschlecht und jüngeres Alter
Innerhalb der IMID-Gruppe erwiesen sich mehrere Faktoren als relevant. Frauen hatten ein deutlich höheres Risiko als Männer (HR 5,88). Bei Menschen mit SLE fiel das Risiko ebenfalls etwas höher aus (HR 2,08). Weitere Risikofaktoren waren ein Alter unter 65 Jahren (HR 2,09) und eine chronische Nierenerkrankung (HR 1,44).
Für das Autorenteam ist ein wichtiger Rückschluss, dass HPV-bezogene Krebsvorsorge und Impfstrategien bei Menschen mit IMID verstärkte Aufmerksamkeit verdienen. Ein besonderes Augenmerk sollte auf SLE-Erkrankte gelegt werden.
Gros C et al. RMD Open 2026; 12: e006927. doi: 10.1136/rmdopen-2026-006927
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