JAK-Inhibitoren: Erhöhtes Krebsrisiko?

Risiken der Immuntherapie bei Rheuma

Aus der Fachliteratur
|Erschienen am: 
Seit 2022 steht im Raum, dass JAK-Inhibitoren bei Erkrankten mit rheumatoider Arthritis (RA) das Krebsrisiko erhöhen könnten. Wie aktuelle Daten dazu aussehen

Seit 2022 steht im Raum, dass JAK-Inhibitoren bei Erkrankten mit rheumatoider Arthritis (RA) das Krebsrisiko erhöhen könnten. Wie aktuelle Daten dazu aussehen, hat eine Arbeitsgruppe um Dr. Martin Schaefer vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin anhand des RABBIT-Registers untersucht. Betrachtet wurden 2.285 neu begonnene Behandlungsepisoden mit JAK-Inhibitoren (v. a. Baricitinib und Tofacitinib, zudem Filgotinib und Upadacitinib) und 4.259 mit Biologika (TNF-Blocker, Abatacept, Rituximab, Sarilumab, Tocilizumab) zwischen Januar 2017 und Dezember 2020. Die mittlere Beobachtungszeit betrug 47 bzw. 50 Monate.

Unter JAK-Inhibitoren (JAKi) entstanden in dieser Zeit 88 Malignome (11,6 %), unter Biologika 135 (8,9 %). Dies entspricht einer Hazard Ratio (HR) von 1,4 für JAK-Inhibitoren, mit TNF-Inhibitoren als alleiniger Referenzgruppe betrug die HR 1,54. Die Forschenden analysierten auch die Subgruppe der Patientinnen und Patienten mit kardiovaskulären Risiken. Dort betrug die HR 1,61 (gegen alle Biologika) bzw. 1,82 (gegen TNF-I).

Bestimmte Subgruppen sind gefährdeter als andere

Das erhöhte Malignomrisiko beobachteten die Forschenden allerdings erst ab einer Therapie von mehr als 16 Monaten. Außerdem betraf die Gefahr insbesondere bestimmte Gruppen:

Leicht erhöht war das Risiko zudem bei Rauchenden, männlichen Patienten, Kranken mit Komorbiditäten, mit einer Krankheitsdauer von über zehn Jahren und jenen ohne vorherige Therapie mit TNF-Inhibitoren oder IL-6-Hemmern.

Diese Studie spiegelt nur das relativ erhöhte Malignomrisiko unter JAKi im Vergleich zu einer Behandlung mit Biologika wider, betont das Team. Bisherige Untersuchungen waren nicht darauf ausgelegt, ob Betroffene mit hoher Krankheitsaktivität, für die es keine alternative Behandlung gibt, mit oder ohne JAKi ein verändertes Krebsrisiko haben.

JAK/STAT-Weg spielt eine Rolle beim Zellwachstum

Möglicherweise verschlechtern JAK-Inhibitoren die Tumorabwehr und die Apoptose, sodass Tumoren besser wachsen können. Schließlich spielt der JAK/STAT-Signalweg eine bedeutende Rolle bei der Regulation von Zellwachstum und Differenzierung. Um einen tumorfördernden Einfluss zu erkennen, sei jedoch noch viel Grundlagenforschung nötig, meint das Autorenteam. Auch ist noch nicht geklärt, ob es sich um einen Klasseneffekt handelt – dazu gibt es noch zu wenig Daten.

Es gilt also abzuwägen, ob eine hocheffektive Therapie wie die mit JAK-Inhibitoren aufgrund des leicht erhöhten Malignomrisikos unterbleiben sollte. Denn damit würde man sich das ebenfalls erhöhte Krebsrisiko einer unkontrollierten RA einhandeln. Die neuen Erkenntnisse zu den besonderen Risikogruppen können Behandelnden helfen, eine individuelle Therapieentscheidung zusammen mit den Betroffenen zu fällen und diese ggf. enger zu überwachen.

Schaefer M et al. Ann Rheum Dis 2025; 84: 1779-1790;