Welche Faktoren beeinflussen das Herz-Risiko bei rheumatoider Arthritis?
Bei der rheumatoiden Arthritis beeinflussen Krankheitsaktivität, ACPA-Status und Geschlecht das Risiko für MACE unterschiedlich: Besonders Männer und ACPA-positive Frauen tragen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.
Eine anhaltende Krankheitsaktivität und kumulative Entzündungen sind bei Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) mit der Progression von Atherosklerose und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert. Darüber hinaus wird das Vorhandensein von anticitrullinierten Protein-Antikörpern (ACPA) mit einem schwereren Krankheitsverlauf und einem höheren kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht, zudem scheint auch das Geschlecht eine Rolle beim Outcome zu spielen.
Um diese komplexen Zusammenhänge genauer zu verstehen und die Ergebnisse vorangegangener Studien zu überprüfen, hat ein Team um Prof. Dr. George Karpouzas vom Harbor-UCLA Medical Center in Torrance die Daten von 4.008 erwachsenen RA-Erkrankten ausgewertet. Voraussetzung für den Einschluss in die Studie war, dass die Teilnehmenden keine kardiovaskulären Vorerkrankungen hatten. Die Endpunkte umfassten schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE: kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall) und ischämische kardiovaskuläre Ereignisse (iCVE: MACE, Angina pectoris, Revaskularisation, transitorische ischämische Attacke, periphere arterielle Verschlusskrankheit).
ACPA waren nur mit Infarkt und Apoplex assoziiert
Im Rahmen der Nachbeobachtungszeit traten insgesamt 193 MACE und 299 iCVE auf. Ein höheres Risiko für beide Ereignistypen war insbesondere mit einer höheren Krankheitsaktivität zu Studienbeginn sowie mit dem männlichen Geschlecht verbunden. Der Nachweis von ACPA war nur mit einem erhöhten Risiko für MACE assoziiert und zeigte keinen Zusammenhang mit dem Auftreten von iCVE. In der ACPA-negativen Gruppe bestand eine Assoziation zwischen der Krankheitsaktivität und dem Risiko für MACE lediglich bei Männern (Hazard Ratio, HR, 1,57). Bei den ACPA-Positiven konnte zwar kein Zusammenhang zwischen der (geschlechtsspezifischen) Krankheitsaktivität und dem kardiovaskulären Risiko festgestellt werden, aber Männer aus dieser Gruppe trugen unabhängig von der Krankheitsaktivität aufgrund ihres Geschlechts ein höheres Risiko für MACE (HR 1,61).
Bei Frauen hingegen war nicht die Krankheitsaktivität entscheidend, sondern das Vorhandensein von ACPA selbst: ACPA-positive Frauen wiesen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko auf (HR 1,57), während die Krankheitsaktivität oder deren Wechselwirkung mit ACPA keinen zusätzlichen Einfluss hatten.
Nicht auf traditionelle Risikofaktoren verlassen
Die Autorinnen und Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass die kardiovaskuläre Risikobewertung bei Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis nicht allein auf traditionellen kardiovaskulären Risikofaktoren beruhen sollte. Vielmehr sollten weitere Merkmale berücksichtigt werden. Dazu zählen insbesondere das Geschlecht, der ACPA-Status sowie die Krankheitsaktivität zum Zeitpunkt der klinischen Beurteilung. Um das kardiovaskuläre Risiko möglichst genau abzuschätzen, sollten diese Faktoren gemeinsam in die therapeutische Entscheidungsfindung und in die Festlegung der individuellen Behandlungsziele einbezogen werden.
Karpouzas GA et al. RMD Open 2026; 12: e006420; doi: 10.1136/rmdopen-2025-006420