Thrombozytopenie verschlechtert die APS-Prognose
Eine Thrombozytopenie beim Antiphospholipidsyndrom ist weit mehr als eine Begleitmanifestation. Sie kennzeichnet Betroffene mit besonders hohem Komplikationsrisiko und erfordert eine engmaschige Überwachung.
Thrombozytopenien haben beim Antiphospholipidsyndrom (APS) eine prognostische Bedeutung. So ist ihr Vorhandensein mit einem schwereren Krankheitsverlauf assoziiert. Und bei Thrombozytenwerten < 50 G/l war in einer französischen Studie das Mortalitätsrisiko signifikant erhöht. APS-Patientinnen und -Patienten sollten deshalb engmaschig überwacht werden, fordert das Team um Carine Schmidt von der Universität Sorbonne in Paris. Dabei kann offenbar bei sorgfältigem Abwägen von Nutzen und Risiko die Antikoagulation häufig aufrechterhalten werden – trotz erhöhter Blutungsgefahr.
In der retrospektiven Single-Center-Studie ging es darum, mehr über die Zusammenhänge zwischen APS, Thrombozytopenie, Therapie und Prognose zu erfahren. Dazu wertete die Wissenschaftlergruppe die Daten von 432 APS-Betroffenen aus. 142 von ihnen entwickelten während der Nachbeobachtungszeit eine Thrombozytopenie. Bei 57 war diese mit Thrombozytenwerten < 50 G/l schwer, bei 85 mit 50–130 G/l moderat.
Bei Thrombozytopenie traten Koronarthrombosen häufiger auf
Patientinnen und Patienten mit Thrombozytopenie hatten häufiger tiefe Beinvenenthrombosen als APS-Kranke mit normalen Thrombozytenwerten (49 % vs. 37 %). Sie bekamen öfter Koronarthrombosen (15 % vs. 6,6 %) und litten deutlich häufiger an einem katastrophalen APS (CAPS; 27 % vs. 2,1 %). Auch Präeklampsie, Hautnekrosen, Herzklappenbeteiligungen, MINOCA* und renale oder pulmonale Manifestationen kamen bei ihnen öfter vor. Die häufigsten Ursachen einer schweren Thrombozytopenie waren eine Immunthrombozytopenie und das CAPS.
Therapeutisch orientierte sich das Management überwiegend an den etablierten Behandlungsstrategien der primären Immunthrombozytopenie, beispielsweise mit Kortikosteroiden, intravenösen Immunglobulinen und weiteren immunsuppressiven Maßnahmen. Bemerkenswert ist, dass die Antikoagulation trotz schwerer Thrombozytopenie und selbst bei Blutungskomplikationen in den meisten Fällen fortgeführt wurde, da das thrombotische Risiko als höher eingeschätzt wurde als die Blutungsgefahr. Von 39 antikoagulierten Personen mit schwerer Thrombozytopenie mussten bei sechs aufgrund von Blutungen Anpassungen der Antikoagulation vorgenommen werden, während bei den meisten anderen (82,1 %) die therapeutische Antikoagulation unverändert fortgeführt werden konnte.
Gesamtüberleben mit Thrombozytopenie signifikant schlechter
Insgesamt hatten die APS-Patientinnen und -Patienten mit Thrombozytopenie nicht nur mehr Komplikationen, so das Fazit des Autorenteams. Bei schwerer Thrombozytopenie war zudem das Gesamtüberleben signifikant schlechter als bei den Studienteilnehmenden ohne oder mit nur moderater Thrombozytopenie.
* myocardial infarction with non‑obstructive coronary arteries
Schmidt C et al. RMD Open 2026;12: e006504; doi: 10.1136/rmdopen-2025-006504