Phagentherapie bei HWI: Zwischen Vision und Wirklichkeit
Bakteriophagen sollen dort wirken, wo Antibiotika versagen. Doch die Evidenz der Phagentherapie bei Harnwegsinfekten bleibt dünn – und viele Fragen sind noch offen.
Angesichts antimikrobieller Resistenzen wächst das Interesse am Einsatz von Bakteriophagen – auch bei Harnwegsinfekten. Bis die Phagentherapie eine realistische Behandlungsoption ist, wird aber noch einige Zeit vergehen, meinte die Urologin PD Dr. Jennifer Kranz von der RWTH Aachen. Man sei gegenwärtig immer noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase.
Dies spiegelt sich auch in einem Review wider, das sich im letzten Jahr mit Bakteriophagen als alternativer Therapieoption bei Zystitis, Prostatitis, Pyelonephritis und Harnwegsinfekten bei Nierentransplantierten beschäftigte. Auswertbar erschienen den Autorinnen und Autoren zwölf Arbeiten mit insgesamt 89 Patientinnen und Patienten. Bei neun Publikationen handelte es sich um Fallberichte, bei zweien um Fallserien. Es gab nur eine einzige randomisierte kontrollierte Studie, berichtete die Kollegin.
Allergische Reaktionen traten nur bei unter 1 % der Behandelten auf
Aufgrund der großen Heterogenität der Arbeiten beschränkte sich das Autorenteam auf eine narrative Datensynthese. Sie ergab, dass die Phagentherapie bei einer Wirksamkeit von 0–100 % (!) gut vertragen wurde. In 5–10 % der Fälle zeigte sich eine lokale Symptomatik, in 1–5 % passageres Fieber oder Entzündungsreaktionen. Allergische Reaktionen waren mit weniger als 1 % sehr selten.
Zur Phagentherapie sind wesentliche Fragen offen, betonte Dr. Kranz. Unklar seien noch der optimale Applikationsweg und die Dosierung, die Wirksamkeit von Phagenkombinationen sowie die Herstellung, Lagerung und Resistenzentwicklung. En vogue scheine die Therapie in Georgien zu sein, zumindest kämen von dort die meisten Publikationen. Nach Aussage von Dr. Kranz kennt sie in Deutschland niemanden, der auf Bakteriophagen bei Harnwegsinfekten setzt.