Diabetes: Hausärzte lenken, Schwerpunktpraxen schalten

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Allerhöchste Zeit zu starten? Allerhöchste Zeit zu starten? © iStock/MicroStockHub
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Zum Zukunfstag Diabetologie stellen sich Diabetesspezialisten den Herausforderungen der Versorgung und fordern einen politischen Rahmen.

Diabetes zählt mit rund zehn Millionen Betroffenen zu den Volkskrankheiten mit gravierenden Komplikationen und geht mit Folgeerkrankungen einher. 20 000 von 100 000 Sterbefällen sind darauf zurückzuführen. Unter 19,4 Mio. stationären Fällen, sind rund 207 000 mit Haupt- und rund 2,1 Mio. mit Nebendiagnose Diabetes. Dennoch verfügen nur 17 % der Krankenhäuser über eine adäquat zertifizierte diabetologische Expertise für Diabetologie/Endokrinologie. Um den ärztlichen Nachwuchs ist es zudem schlecht bestellt. Nur wenige Universitätskliniken halten Lehrstühle für Diabetologie und die Betten dazu vor.

Jedes Jahr treffen sich Vertreter von Fachverbänden, Politik und Krankenkassen sowie Ärzte beim Zukunftstag Diabetologie, um über die Versorgung von Patienten mit Diabetes mellitus zu fachsimpeln, um über Prävention und Zukunftsstrategien zu diskutieren und Defizite deutlich zu machen. Die in der Veranstaltung genannten Zahlen bestätigten erneut, wie wichtig ein gemeinsames Handeln ist.

Noch nicht optimal läuft auch die Versorgung der Patienten zwischen den Ebenen Hausarzt, Diabetologische Schwerpunktpraxis, Klinik – auch wenn Disease Management Programme dies zumindest fördern und fordern. Helfen kann nach Ansicht von Dr. Nikolaus Scheper die Versorgungslandschaft Diabetes (VLD) mit den Diabetes Schwerpunktpraxen im Zentrum. Diese würden „Schalten“ zwischen Hausarzt und Klinik.

„Diabetes-Strategie ist weder tot noch auf Eis gelegt“

Ingrid Dänschel, niedergelassen in Sachsen und Vorstandsmitglied im Deutschen Hausärzteverband, sieht die Aufgabe der Hausärzte im „Filtern und Lenken“ sowie in einer angemessenen Stufendiagnostik und Therapie – im Zusammenwirken mit VERAH, Diabetesberaterin und Dia­betesassistentin. Auch die Nutzung moderner Technik und die Stärkung der sprechenden Medizin hält sie für erforderlich. Sie bedauerte, dass Krankenkassen oft nicht bereit sind, innovative Versorgungsverträge zu unterstützen.

„Wir brauchen für Diabetes mehr Bewusstsein und auch einen politischen Rahmen“, sagte sie und bekräftigte damit indirekt Forderungen nach einer längst überfälligen Diabetes-Strategie. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt verwies hierzu auf unterschiedliche Auffassungen zwischen Gesundheitspolitikern und den für Ernährung und Landwirtschaft zuständigen Abgeordneten. Die Diabetes-Strategie sei aber weder tot noch auf Eis gelegt, auch wenn die SPD das kolportiere. Monstadt geht davon aus, dass es bis zu Sommerpause noch gelingen kann, eine solche zu vereinbaren.

Zukunftstag Diabetologie 2025

Ingrid Dänschel, Allgemeinmedizinerin, Deutscher 
Hausärzteverband Ingrid Dänschel, Allgemeinmedizinerin, Deutscher Hausärzteverband © Hans Wiedl
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