Freund oder Feind? Im Taunus wird wieder gemordet

Rezensionen Interview Autor: Dr. Anja Braunwarth

Im neuesten Buch von Nele Neuhaus geht es um langjährige Freundschaften, große Geheimnisse, verlorene Lieben und Verrat. Im neuesten Buch von Nele Neuhaus geht es um langjährige Freundschaften, große Geheimnisse, verlorene Lieben und Verrat. © Felix Brüggemann; Ullstein Verlag
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Mit Büchern aus dem Eigendruck ist Nele Neuhaus einst gestartet, inzwischen gehört sie zu den erfolgreichsten Autoren in Deutschland. Von der riesigen Fangemeinde sehnsüchtig erwartet, veröffentlichte sie nun einen neuen Fall ihrer Krimireihe.

Drei Jahre nach dem letzten Taunuskrimi von Nele Neuhaus ist mit „In ewiger Freundschaft“ der 10. Band um das Team aus Pia Sander und Oliver von Bodenstein erschienen. Der Inhalt: Heike Wersch ist verschwunden, in ihrer Küche deuten Blutspuren auf ein Verbrechen hin. Erst kurz zuvor war die langjährige Programmleiterin des renommierten Winterscheid-Verlages entlassen worden. Wenig später wird ihre Leiche gefunden und nicht lange danach ist der nächste Angestellte von Winterscheid tot. Die Ermittlungen führen Pia Sander und Oliver von Bodenstein weit zurück in die Vergangenheit des Opfers, in der etliche Mitarbeiter aus der Verlags- und Buchbranche eine wichtige Rolle spielen. Es geht um langjährige Freundschaften, große Geheimnisse, verlorene Lieben und Verrat.

Wie gewohnt hat Nele Neuhaus einen spannenden Plot geschaffen, der geschickt mit Gegenwart und Rückblicken spielt. Dabei vermittelt sie tiefe Einblicke in das Verlagswesen und lässt den Leser an Macht- und Ränkespielen teilhaben, an denen zum Beispiel ein exzentrischer, früher umjubelter Schriftsteller, der seit Jahren nichts mehr zu Papier gebracht hat, mitwirkt. Die Branche bietet ein spannendes Umfeld für den Krimi, der auch in bekannter Neuhaus‘scher Manier einige überraschende Wendungen bereithält. In den Parallelsträngen ist wieder viel aus dem Privatleben von Pia und Oliver zu lesen, für treue Fans der Taunuskrimis immer ein Muss und Genuss. Fazit: Das Warten auf den neuen Fall der beliebten Kommissare hat sich gelohnt, das Buch weiß zu fesseln und zu unterhalten, eine gelungene Mischung!

Im Gespräch mit der Autorin

Wie kamen Sie auf einen Krimi im Verlagswesen, gab es eine reale Vorlage?

Nele Neuhaus: Nein, es gibt keine reale Vorlage für den Winterscheid-Verlag und die Charaktere, aber es ist amüsant, dass viele Leser nach Vorbildern im wahren Leben suchen. Ich bewege mich ja nun seit fünfzehn Jahren in der Welt der Bücher, Autoren und Verlage und konnte meine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen beim Schreiben einbringen. Außerdem haben meine Lektorin und meine Agentin detailliertes Hintergrundwissen beigesteuert, so dass ich das Verlagsgeschehen authentisch und glaubwürdig schildern konnte.

Hatten Sie Schwierigkeiten, Ihrem Verlag diese Idee zu „verkaufen“?

Nele Neuhaus: In der Tat war meine frühere Verlegerin erst skeptisch, als ich vor ein paar Jahren mit meiner Idee um die Ecke kam. Dabei hatte sie allerdings keine Sorge, dass ich einen Schlüsselroman schreiben könnte, ihr erschien das Thema „Verlag“ als Setting einfach nicht spannend genug. Ich konnte meine Lektorin aber vom Gegenteil überzeugen, schließlich geht es in meinen Krimis in erster Linie immer um die Charaktere und den Plot, der Hintergrund ist letztlich zweitrangig. Ich bekomme aber unglaublich viel positives Feedback von meinen Lesern, die es ausgesprochen faszinierend finden, mal einen Blick hinter die Kulissen eines Verlages zu werfen.

Erleben Sie auch heute noch in der Buchbranche einen Jahrmarkt der Eitelkeiten mit exzentrischen Charakteren?

Nele Neuhaus: Solche Exzentriker wie mein Hellmuth Englisch sind allmählich am Aussterben. Heutzutage zeigt sich die Eitelkeit von Autoren auf andere Art und Weise. Ich staune immer wieder darüber, wie exzessiv und professionell sich manche Kollegen - erstaunlicherweise in erster Linie Männer –in den sozialen Medien inszenieren. Natürlich kommt man nicht an Social Media vorbei, es ist ja auch eine wunderbare Möglichkeit, um mit seinen Lesern in Kontakt zu treten. Aber bei einigen Kollegen frage ich mich manchmal, wann sie eigentlich noch schreiben.

Hat sich Ihr Verhältnis zu Ihren Hauptfiguren Pia Sander und Oliver von Bodenstein im Verlauf der Jahre verändert?

Nele Neuhaus: Pia und Oliver sind im Laufe der Jahre zu guten Bekannten, ja, beinahe zu Freunden geworden. Ich freue mich immer auf ein Wiedersehen mit ihnen. Pia und Oliver werde ich wiedertreffen, sobald ich mein neuestes Jugendbuch fertig geschrieben habe und darauf freue ich mich schon sehr. Es wird auf jeden Fall noch eine Weile weitergehen im Taunus.

Sie lassen eine polarisierende und nicht immer sympathische Figur wie Cosima von Bodenstein todkrank werden, wie haben die Leser darauf reagiert?

Nele Neuhaus: Erstaunlicherweise habe ich viel Feedback bekommen. Eine gute Freundin, die das Manuskript Probe lesen durfte, rief mich sogar an und fragte, ob Cosima überleben würde. Es ist großartig zu erfahren, dass meine Leser mit meinen Figuren mitfiebern und –leiden, auch mit einem so schwierigen Charakter wie Cosima von Bodenstein. Das ist für mich immer wieder Ansporn, mir auch für das Privatleben meiner Hauptfiguren neue Wendungen auszudenken.

Wie hat Ihnen die Verfilmung von „Muttertag“ für das ZDF gefallen?

Nele Neuhaus: Ich bin ja immer skeptisch, was die Verfilmungen meiner Romane betrifft. Aber die filmische Umsetzung von „Muttertag“ gefällt mir. Es ist ein sehr intensiver und kurzweiliger Zweiteiler entstanden mit tollen Bildern. Das Besondere für mich war, dass ich einen Tag am Filmset verbringen durfte und einen kleinen Cameo-Auftritt habe. Außerdem durfte ich den Entstehungsprozess eng begleiten. Natürlich wünscht man sich als Urheberin der Romanvorlage noch mehr Nähe zum Buch, aber bei über 500 Seiten Handlung muss man Abstriche machen, das weiß ich mittlerweile und kann das akzeptieren.

Hat Corona Ihren Schreibprozess beeinflusst, fiel es Ihnen eher leichter oder eher schwerer zu arbeiten?

Nele Neuhaus: Die Lockdowns haben mir die Möglichkeit gegeben, ungestört zu schreiben. Es gab keine Veranstaltungen, keine Reisen und auch so gut wie keine sozialen Kontakte außerhalb der Familie. Für mich war das, was für andere Menschen furchtbar war, ein Geschenk des Himmels! Während Corona habe ich „Zeiten des Sturms“, den dritten Teil meiner Sheridan Grant-Trilogie und „In ewiger Freundschaft“, meinen zehnten Taunuskrimi, schreiben können. Zwei Romane mit jeweils mehr als 500 Seiten innerhalb von zwei Jahren – so etwas würde ich unter normalen Umständen nicht schaffen.

Nele Neuhaus: In ewiger Freundschaft, Ullstein Hardcover, ISBN: 9783550081040, Euro 24,99

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