Start-up statt Stethoskop – ein Berufsweg mit dem (un)gewissen Etwas

Autor: Liesa Regner

Der Arbeitsalltag in einem Start-up ist abwechslungsreich. Der Arbeitsalltag in einem Start-up ist abwechslungsreich. © iStock/golero
Anzeige

Wie sieht der Berufsweg als Mediziner in einem Start-up wie AMBOSS aus? Dr. Meike Schmidt gibt einen Einblick in ihren Arbeitsalltag. Wie sie lernte, das Ungewisse zu schätzen.

Für Dr. Meike Schmidt war während ihres Medizinstudiums eines sicher: Sie wollte nach dem Abschluss Fachärztin für Radiologie werden. Einen alternativen Karriereweg zog sie zu dieser Zeit nicht in Betracht. Erst kurz vor Ende des Studiums, als eine Freundin von ihrer Arbeit bei AMBOSS – einer digitalen Wissensplattform für Ärzte – berichtete, wurde ihre Neugier geweckt. Heute ist sie bereits seit fünf Jahren für AMBOSS tätig.

Ihr Arbeitsalltag unterscheidet sich maßgeblich von dem einer Radiologin. Eingestiegen als medizinische Redakteurin, übernahm Meike Schmidt mehr und mehr Aufgaben im Bereich des Managements der Redaktion. Heute sorgt sie als „Head of Operations“ unter anderem für eine effiziente Zusammenarbeit der verschiedenen Teams. Darüber hinaus definiert sie mit der Geschäftsführung Firmenstrategie, Meilensteine für das nächste Jahr und die Werte des Unternehmens. Ihr Kalender sieht dafür viele Meetings mit Kollegen aus der Software-Entwicklung, Datenanalyse, Personalabteilung und Redaktion vor. Die Mischung ist bunt und jeden Tag etwas anders. „Am Anfang musste ich zwar finanzielle Abstriche machen, die Flexibilität und Entwicklungsmöglichkeit haben mich aber überzeugt und sich auch bestätigt“, betont sie. Freie Wochenenden, viel Flexibilität und die Option zur Arbeit im Homeoffice sind weitere Pluspunkte.

Doch wie kam die plötzliche Entscheidung gegen den Klinikalltag und für das Start-up? „Zu Anfang habe ich die Entscheidung jeden Tag neu getroffen. Eigentlich hatte ich Medizin studiert, um in die Patientenversorgung zu gehen, doch mit dem Arztberuf wusste ich, wie die nächsten 40 Jahre aussehen würden. Darauf wollte ich mich noch nicht einlassen“, erklärt Meike Schmidt: „Die Tätigkeit in einer Klinik birgt zwar viel Sicherheit, doch wenn man in der freien Wirtschaft tätig ist, beginnt man irgendwann, genau das Gegenteil zu mögen – eben nicht zu wissen, was die nächsten zwei Jahre bringen.“

Die vielleicht wichtigste Motivation ist für sie der Einfluss, den ihre Arbeit hat. „Damit tragen wir alle hier unseren Teil dazu bei, die medizinische Lehre und Weiterbildung zu verbessern“, ist sie überzeugt. Auch das internationale Team und die flachen Hierarchien sorgen für einen abwechslungsreichen Alltag.

Auch wenn sie Stethoskop und Kittel heute nicht mehr braucht, greift Meike Schmidt ständig darauf zurück, was sie im Studium gelernt hat. Neben Fakten und dem Wissen um die Wichtigkeit von Evidenz und kontinuierlicher Weiterbildung, sind das vor allem Social Skills wie Teamwork und Empathie sowie die Sorgfaltspflicht beim wissenschaftlichen Arbeiten. Zudem kann es in einem Start-up durchaus mal recht turbulent und hektisch werden – auch wenn es nie um Leben oder Tod geht.

Es gibt ein paar Dinge, die Meike Schmidt am klassischen Arztberuf, für den sie weiterhin größten Respekt hat, vermisst. Der Patientenkontakt und das direkte Feedback auf die eigene Tätigkeit gehören dazu. Zurück ins Arztzimmer zieht es sie momentan jedoch trotzdem nicht.

Wer Lust hat sich einmal auf anderem Weg für das Wohl von Patienten einzusetzen und bereit ist dabei auf die klinische Tätigkeit zu verzichten, dem rät sie, sich zu bewerben. Im Moment sucht AMBOSS in verschiedenen Teams nach Verstärkung. Warum nicht einen alternativen Karriereweg beschreiten und sich dennoch für eine bessere Patientenversorgung einsetzen? Das funktioniert auch ganz ohne Stethoskop.

Liesa Regner lebt in Münster und steht kurz vor dem Ende ihres Medizinstudiums an der Universität des Saarlandes. Als Berufseinsteigerin schreibt sie für die Medical Tribune über Themen, die junge Ärztinnen und Ärzte bewegen.
Anzeige