Vorsorge schmackhaft machen
Mit gratis Donuts, die aussehen wie ein Anus, sollen mehr Männer freiwillig zur Prostatakrebsvorsorge gehen. Eine gewagte, aber sicher keine schlechte Aktion, finde ich. Ein Kommentar von Anna-Lena Krause.
Ein Donut in Anus-Optik: Damit will die Urologische Stiftung Gesundheit in Kooperation mit einem Pharmaunternehmen auf das Thema Prostatakrebs-Früherkennung aufmerksam machen. In ausgewählten Bäckereifilialen in Berlin und Hamburg wurden am 15. September ‒ dem Europäischen Prostatatag ‒ kostenlose „Ponuts“ („halb Po, halb Donut“) angeboten. Über einen QR-Code auf der Verpackung erhält man weitere Informationen zu dem Thema. Dadurch sollen Männer motiviert werden, aktiv ihre Krebsvorsorge anzugehen. Denn „medizinische Aufklärung mit bunten Informationsbroschüren geht den meisten Männern am Hintern vorbei“, heißt es zumindest in der Pressemitteilung.
Der „Ponut“ soll auf das Thema Prostatakrebsvorsorge aufmerksam machen.
Tatsächlich erinnert der Schmalzgebäckkringel mit seinem rosafarbenen Zuckerguss und den radiär um das zentrale Loch angedeuteten Falten sehr an einen Darmausgang. Wahrscheinlich wird nicht jedermensch große Lust verspüren, einen klebrigen Anus zu verspeisen, aber die Idee finde ich wirklich gut! Wobei ich mich schon frage, wie sie zustande kam, und ob auch eine Spaghetti-Polochnese-Aktion diskutiert worden ist.
Der Ponut mag die Gemüter spalten, aber so erregt man Aufmerksamkeit für ein wichtiges Thema. Prostatakrebs ist das häufigste Malignom bei Männern. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 70.000 Menschen und rund15.000 sterben daran. Wird er früh erkannt, sind die Heilungsaussichten jedoch gut.
Ob die Prostatakrebsvorsorge mit dieser Aktion „zum Zuckerschlecken“ wird, bleibt allerdings offen. Schließlich löst die rektale Tastuntersuchung bei vielen Schamgefühle, Unbehagen und Angst aus. Doch womöglich wissen viele auch gar nicht, dass der PSA-Test inzwischen das von der Leitlinie bevorzugte Screening-Werkzeug ist. Und vielleicht wird es sich nach der unerwarteten Konfrontation mit dem Thema ja doch der eine oder andere überlegen und einen Termin vereinbaren.
Auch andere könnten die Idee aufgreifen und mit süßen Geschenken auf das Thema Gesundheitsvorsorge aufmerksam machen. Wieso nicht auf dem Oktoberfest Lebkuchenherzen mit Zuckerperle in der Koronararterie verteilen? Oder Minne di Sant‘Agata (das sind busenförmige sizilianische Törtchen) mit einem größeren Schokotröpfchen, das man von außen durch die Marzipanhülle ertasten kann. Vielleicht auch Zuckerwatte an langen Stielen, um für Tests auf Geschlechtskrankheiten zu werben. Die Möglichkeiten scheinen endlos.
Dr. Anna-Lena Krause
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