Emojis in Arzt-Patient:innen-Nachrichten: Laut einer Studie in JAMA Network Open hat sich ihr Einsatz fast verachtfacht. Trend mit Mehrwert – oder Risiko für Professionalität?
Geben Sie es zu: Sie haben bestimmt schon einmal ein Emoji in Ihre Kommunikation mit Patient:innen einfließen lassen. Denn wenn man einer kürzlich in JAMA Network Open publizierten Studie glauben darf, geschieht das inzwischen immer häufiger.
Als ich – mal wieder auf der Suche nach spannender Literatur – durch meine Newsletter scrollte, blieb ich überrascht hängen: Ein Paper zum Einsatz von Emojis in der Patient:innenkommunikation, genauer gesagt in Nachrichten über elektronische Patientenakten. Wirklich? Das wird wissenschaftlich untersucht? Ein Blick auf die Autor:innen bestätigte meine Vermutung: eine US-amerikanische Arbeit. Medizinisch ist das eher peripher, aber ein Blick über den Tellerrand schadet bekanntlich nie.
Also los … Der Datensatz ist beachtlich: rund 218 Millionen Nachrichten von 1,6 Millionen Patient:innen zwischen 2020 und 2025. Darin suchten die Forschenden nach Emojis: wann und von wem sie verwendet wurden und in welchem Alter die Absender:innen waren. Aus dieser riesigen Menge zogen sie dann randomisiert 200 Nachrichten (je 100 aus 2024 und 2025), die mindestens ein Emoji enthielten, und analysierten sie anhand von fünf Dimensionen.
Das Ergebnis: Im kompletten Datensatz fanden sich 372 verschiedene Emojis in 4.162 Nachrichten. Auf den ersten Blick scheint das gar nicht viel – nicht der Rede wert, oder? Anscheinend hat sich der Anteil von Nachrichten mit Emojis aber von 1,4 pro 100.000 zwischen 2020 und 2024 auf 10,7 pro 100.000 bis zum dritten Quartal 2025 erhöht. Fast eine Verachtfachung. Interessant ist auch, dass die meisten Emojis von Klinikmitarbeitenden verwendet wurden, vor allem in Nachrichten an Patient:innen oder Angehörige. Etwa 60 % der Emojis drückten Emotionen aus, 40 % waren informativ oder symbolisch.
Warum aber dieser plötzliche Anstieg seit 2024? Und helfen Emojis der Kommunikation wirklich? Das bleibt bisher ein Rätsel.
Vielleicht sollten wir trotzdem etwas öfter emojional werden. Wie wäre es also mit einer neuen Rubrik: „Mein Emoji des Monats“? Ob ich das wirklich ernst meine? Vielleicht nur halb. Aber falls Sie Lust bekommen haben, schicken Sie uns doch Ihr Lieblings-Emoji und ein paar erklärende Worte dazu. Vielleicht bringt es ja tatsächlich ein kleines Stück mehr Menschlichkeit in den digitalen Alltag von Praxis und Klinik.
1. Hanauer DA et al. JAMA Netw Open 2026; 9 (1): e2553770; doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.53770