63 Institutionen fordern: Kein Verkauf von Nikotinbeuteln in Deutschland
Ein breites Bündnis aus Verbänden, Organisationen und Fachgesellschaften fordert, das Verbot von Nikotinbeuteln beizubehalten. Begründet wird dies mit hohem Suchtpotenzial, erheblicher Nikotinexposition und jugendaffiner Vermarktung - mit absehbaren Folgen für die Krebsprävention.
Der Appell von 63 Institutionen, das Verbot von Nikotinbeuteln beizubehalten, steht ganz im Kontext der Krebsprävention: Eine erleichterte Verfügbarkeit nikotinhaltiger Produkte kann den Einstieg in den Nikotinkonsum fördern, Nikotinabhängigkeit verfestigen und damit Ziele der Tabakkontrolle unterlaufen, was mittelbar das Risiko einer höheren Langzeitbelastung durch tabakassoziierte Malignome birgt. Präklinische Daten deuten zudem auf nikotinvermittelte Effekte auf tumorbiologische Signalwege hin. Klinisch belastbare Langzeitdaten zu Nikotinbeuteln fehlen weiterhin noch gänzlich.
Besonders besorgniserregend ist laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit die Verbreitung der neuen Produkte unter jungen Menschen: 2025 hatten 5,5 % der 12- bis 17-Jährigen und 18,9 % der 18- bis 25-Jährigen Erfahrungen mit Nikotinbeuteln. Die Produkte werden über soziale Medien und jugendaffine Designs als Lifestyleartikel positioniert. Fruchtige Aromen sowie geruchsfreier, diskreter Gebrauch senken die Nutzungsschwelle, gerade in jungen Zielgruppen. Der Appell warnt, dass eine Liberalisierung Präventionsbemühungen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen schwächen würde.
Welche gesundheitlichen Folgen werden befürchtet?
Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) können Nikotinbeutel Blutspiegel erzeugen, die denen nach einer herkömmlichen Zigarette entsprechen; hochdosierte Produkte können darüber liegen. Unabhängig vom Alter sind kardiovaskuläre Risiken zu beachten; Schädigungen der Mundgesundheit sind beschrieben. Die langfristigen gesundheitlichen Folgen des Konsums von Nikotinbeuteln sind derzeit nicht ausreichend beurteilbar.
Derzeit gelten Nikotinbeutel noch als neuartige Lebensmittel und dürfen in Deutschland nicht in Verkehr gebracht werden. Das Bündnis fordert, dieses Verbot beizubehalten und konsequent durchzusetzen; eine Aufhebung würde Verfügbarkeit, Sichtbarkeit und Vermarktung deutlich erhöhen.
Auch mehrere andere EU-Staaten haben bereits reagiert: In Belgien und den Niederlanden ist der Verkauf von Nikotinbeuteln untersagt und Frankreich hat ein weitreichendes Verbot oraler Nikotinprodukte eingeführt.
Presseerklärung
Bei Google bevorzugen
Sie möchten bei der Suche nach aktuellen Entwicklungen häufiger unsere Beiträge sehen? Dann fügen Sie uns jetzt zu Ihren bevorzugten Quellen hinzu.
Als bevorzugte Quelle auswählen