Statistik mit 12.500 Hitzetoten unterstreicht die Dringlichkeit des Handelns

Wie eine Ärztin ihre Praxis hitzefest gemacht hat

Bericht
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Hitzeschutz gehört für Dr. Verena Gall inzwischen fest zum Praxisalltag.

Wasser bereitstellen, Räume kühlen und gefährdete Patientinnen und Patienten ansprechen: Dr. Verena Gall hat den Hitzeschutz in ihrer Hausarztpraxis seit drei Jahren systematisch ausgebaut und versucht, ein größeres Bewusstsein für die gesundheitlichen Folgen von Hitze zu schaffen.

Für Dr. Verena Gall ist Hitzeschutz nicht nur eine Reaktion auf einzelne Hitzetage, sondern inzwischen ein fester Teil ihrer hausärztlichen Versorgung in Mommenheim nahe Mainz. Auf das Thema wurde sie im Sommer 2023 durch eine Fortbildungsreihe zum Hitzeschutz aufmerksam. Ein Vortrag habe sie damals stark schockiert und gleichzeitig zum Handeln motiviert. Aus diesem Impuls heraus entwickelte sie ein Bündel an Maßnahmen für den Praxisalltag.

Dazu gehört zunächst die Kühlung der Räume: An heißen Tagen läuft in der gesamten Praxis die Klimaanlage. Im Wartezimmer steht Trinkwasser bereit. Zugleich wird stärker auf Videosprechstunden gesetzt, damit Patientinnen und Patienten bei hohen Temperaturen nicht unnötig in die Praxis kommen müssen.

Die Praxis ist außerdem im kommunalen Hitzeschutzplan als kühler Aufenthaltsort gelistet. Dr. Gall und ihr Team schulen regelmäßig Mitarbeitende der von ihnen betreuten Pflegeeinrichtungen sowie ambulante Pflegedienste zum Thema Hitzeschutz. Dabei geht es um praktische Schutzmaßnahmen, aber auch darum, Warnzeichen frühzeitig zu erkennen.

Zu Sommerbeginn verteilt die Praxis Informationsmaterial. Ältere Menschen und chronisch Kranke werden gezielt angesprochen, Medikamentenpläne bei Bedarf überprüft. Bei Seniorentreffen informiert die Ärztin auch zum Thema, damit Teilnehmende ihr Wissen in ihr soziales Umfeld weitertragen können.

Folgen von Hitze zeigen sich oft erst verzögert

Dass Hitze medizinische Folgen hat, werde in der Praxis oft nicht am ersten heißen Tag sichtbar, so Dr. Gall. Doch nach etwa einer Woche bis zehn Tagen häuften sich Patientinnen und Patienten mit Beschwerden wie Schwindel, Synkopen, Delirien, Blutdruckentgleisungen oder einem allgemeinen Unwohlsein.

Wie gravierend die Folgen der Hitze sein können, erlebte Dr. Gall diesen Sommer bei einer Patientin mit Demenz. „Die Frau hat gar nicht mehr verstanden, dass sie trinken muss.“ Schließlich sei sie an den Folgen der Hitze gestorben. Sie zählt damit zu den laut Robert-Koch-Institut mehr als 12.500 Hitzetoten dieses Sommers.

Bauliche Voraussetzungen entscheiden mit

Wie gut sich Hitzeschutz in einer Praxis umsetzen lässt, hängt auch von den räumlichen Voraussetzungen ab. Dr. Gall hatte dabei einen Vorteil: Als Bauherrin konnte sie über Maßnahmen wie eine Klimaanlage selbst entscheiden. Kolleginnen und Kollegen mit gemieteten Praxen in Innenstadtlagen oder Altbauten hätten diese Möglichkeiten oft nicht.

Die größere Hürde sieht die Medizinerin allerdings im Verhalten und in der Risikowahrnehmung. Häufig müsse sie Menschen erklären, warum Fenster und Rollläden bei großer Außenhitze geschlossen bleiben sollten. „Wer bei 40 Grad Außentemperatur lüftet, holt sich keine Abkühlung in den Raum.“ Ein Ventilator, der die Raumluft bewegt, sei in dieser Situation oft die bessere Option als weit geöffnete Fenster. In den vergangenen Jahren habe das Problembewusstsein zwar bei Fachpersonal sowie Patientinnen und Patienten zugenommen, doch vollständig etabliert sei es noch nicht.

Einfach anfangen mit Hitzeschutz

Einer Praxis, die jetzt mit ihrem Hitzeschutz starten möchte, empfiehlt Dr. Gall: „Warten Sie nicht auf den perfekten Plan. Informieren Sie Ihr Team über Hitzeschutz und fangen Sie einfach an.“ Die weiteren Maßnahmen ließen sich dann Schritt für Schritt ergänzen.

Jan Helfrich

Jan Helfrich

Redaktion Medical Tribune
Nach Abschluss seines Studiums der Medienwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg zog Jan Helfrich 2022 nach Mainz. Im Anschluss an erste berufliche Erfahrungen im Bereich der tagesaktuellen Medien trat er im September 2024 sein Redaktionsvolontariat bei der Medical Tribune im Ressort Politik & Management an. Parallel zu seiner redaktionellen Arbeit im Print-Bereich ist er als Mitglied des Social-Media-Teams tätig.

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