Abschied vom E-Health-Kartenterminal?

Gematik pilotiert Einlesen der eGK über Standardkartenleser

Bericht
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Ab September 2027 soll die Identifizierung auch am Smartphone von Versicherten möglich sein, wenn sie eine Gesundheits-ID besitzen.

Die Gematik pilotiert das Einlesen der Gesundheitskarte per Standardkartenleser oder Dienst-Smartphone. Ab 2027 sollen sich Versicherte mit Gesundheits-ID auch selbst mobil identifizieren können.

Inhaltsverzeichnis

Kein Kartenstecken mehr: Die Identifizierung von Versicherten im Gesundheitswesen soll leichter werden. Die Gematik erprobt deswegen eine neue Variante des sogenannten „Proof of Patient Presence“ (PoPP). Eine Zi-Erhebung zeigte Anfang des Jahres, dass 82 % aller Praxen regelmäßig Problemen beim Auslesen der elektronischen Gesundheitskarte haben.

Was ist PoPP?

PoPP (Proof of Patient Presence) ist ein Plattformdienst innerhalb der Telematikinfrastruktur 2.0. Seine Aufgabe ist es, einen kryptografisch gesicherten Token zu erzeugen, der Gesundheitseinrichtungen einen ortsunabhängigen Zugriff auf Versichertendaten ermöglicht – etwa auf TI-Anwendungen wie die ePA oder das E-Rezept. Der Zugriff wird dabei nicht pauschal gewährt, sondern setzt voraus, dass gerade tatsächlich eine Behandlung oder Beratung stattfindet. Um dies sicherzustellen, wird der Token erst nach einer beidseitigen Authentifizierung – von der Gesundheitseinrichtung und der zu behandelnden Person – ausgestellt.

Pilotprojekt in Franken startet

In einem ersten Schritt sollen Praxen statt E-Health-Terminals auch Standardkartenlesegeräte und Dienst-Smartphones zum Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte nutzen dürfen. In einem weiteren Schritt ab September 2027 soll die Identifizierung auch für Versicherte selbst an ihrem Smartphone möglich sein, sofern sie sich von ihrer Krankenkasse eine Gesundheits-ID haben ausstellen lassen.

Stufe 1 – das Einlesen der eGK mittels Standardkartenleser oder Dienst-Smartphone – wird laut Gematik gerade in einer kleinen Modellregion in Franken pilotiert. Ein Datum für den weiteren Roll-out gibt die Behörde auf Anfrage noch nicht bekannt.

Welche Vorteile bringen Standardkartenleser?

Standardkartenleser sind günstiger als E-Health-Terminals und einfacher austauschbar. Sie werden meist mit USB-Kabel am Primärsystem angeschlossen. Für die Auswahl von Geräten verweist die Gematik auf eine Liste von Geräten, die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik für die eID-Funktion des Personalausweises empfiehlt. Die Preise liegen zwischen 40 und 170 Euro. Die Voraussetzung, um die Karte mittels der NFC-Funktion eines Dienst-Smartphones einzulesen, ist, dass das Gerät als Teil des Primärsystems genutzt wird.

Welche Sicherheitsanforderungen gelten für die Einlesegeräte?

Für Kartenleser und Dienst-Smartphones gelten die gleichen Sicherheitsanforderungen wie für andere IT-Komponenten, etwa Webcams, Drucker oder Arbeitsplatzrechner. „Die Verantwortung für den sicheren Betrieb dieser Komponenten liegt bei der jeweiligen Einrichtung“, schreibt die Gematik.

Zugriff auf TI-Anwendungen beim Hausbesuch

Die neue Möglichkeit soll insbesondere mobile Versorgungsszenarien wie Hausbesuche erleichtern: Die Ärztin oder der Arzt kann die Gesundheitskarte der Patientin oder des Patienten am Dienst-Smartphone einlesen und anschließend über die App des Praxisverwaltungssystems und den TI-Zugang Versichertendaten und ePA einsehen. 

E-Health-Kartenterminal vorerst weiterhin erforderlich

Ganz los werden Praxen ihre E-Health-Kartenterminals allerdings nicht. Die Geräte werden weiterhin für die Signatur über den Heilberufsausweis und zum Stecken des Praxisausweises, der SMC-B, benötigt. Letztere soll künftig durch die kartenlose Variante HSM-B abgelöst werden. 

Gesundheits-ID ebnet den Weg für Stufe 2

Ab September 2027 soll Stufe 2 beginnen. Dann ist Identifizierung auch am Smartphone von Versicherten möglich. Dies ermöglicht die Identifizierung in Videosprechstunden oder etwa für Online-Dienste von Apotheken.

Gematik

Foto von Isabel Aulehla

Isabel Aulehla

Redakteurin Medical Tribune
Isabel Aulehla arbeitet seit 2019 im Ressort für Politik & Praxis der Medical Tribune, erst als Volontärin, dann als Redakteurin. Zuvor studierte sie Publizistik und Soziologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sie befasst sich besonders gerne mit Themen rund um Behandlungsfehler und KI. Außerdem ist sie Host des Podcasts O-Ton Innere Medizin.

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