Wenn die KI als Avatar im virtuellen Raum Wissen vermittelt
Medizinische Informationsvermittlung neu gedacht: Eine Session in der MTX-Future-World zeigte, wie die sogenannte Spatial AI Ärztinnen und Ärzte künftig beim Lernen unterstützen könnte.
Bei der Session „Spatial AI Meets Healthcare: From Information to Interaction“, Teil des Programms der Cyberländ VR, trafen sich die Teilnehmenden in Form digitaler Avatare unter blauem Himmel auf einer virtuellen Dachterrasse. Die Umgebung gehört zur „MTX Future World“, dem VR-Showroom der MedTriX Group. In der Session ging es um die Frage, was passiert, wenn künstliche Intelligenz nicht nur Text liefert, sondern Fachwissen als Avatar im dreidimensionalen Raum vermittelt.
Ines Heitkamp, Produktmanagerin HCM Solutions by MTX, sieht für räumliche KI, auch Spatial AI genannt, in der Medizin mehrere Einsatzmöglichkeiten. Ein möglicher Anwendungsbereich ist z. B. die klinische Ausbildung von Medizinstudierenden: Räumliche KI wird hier bereits genutzt, um die Durchführung von Behandlungen und Operationen in sicheren virtuellen Umgebungen an virtuellen Avataren als Patient:innen zu trainieren. Dies ermöglicht ein risikofreies Üben, da keine realen Personen verletzt werden können, und bietet zugleich den Vorteil, dass Trainings zeit- und ortsunabhängig jederzeit neu gestartet und beliebig oft wiederholt werden können.
Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist die interaktive Wissensdatenbank. Ärztinnen und Ärzte könnten im Praxisalltag in einen virtuellen Raum wechseln und einen KI-Avatar nach aktuellen Studien, Empfehlungen oder Therapieoptionen fragen. Fachinformation würde damit leichter zugänglich und stärker an konkrete Anwendungssituationen gebunden.
Zugleich kann Spatial AI medizinische Inhalte räumlich erfahrbar machen. Organe lassen sich vergrößern, drehen und von innen betrachten. Wirkmechanismen können in einer virtuellen Körperreise nachvollzogen werden. Nach Fortbildungen könnten Teilnehmende ihr Wissen z. B. im Dialog mit einem KI-Avatar vertiefen oder in einem Quiz überprüfen.
„Who wants to be Healthenair?“
Wie das aussehen kann, zeigte der Wechsel in eine zweite virtuelle Umgebung. In einem Hörsaal begrüßte ein KI-Avatar die Gruppe als Quizmaster Dr. Heath zu „Who wants to be a Healthenair?“. Heitkamp übernahm stellvertretend für die Gruppe die Antworten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten mittels Emojis abstimmen, die über den Köpfen ihrer Avatare angezeigt wurden. Die Antwort, die die meisten Emojis erhielt, wurde von Heitkamp eingeloggt.
Gefragt wurde u. a., wie groß der Markt für Technologien wie KI, Spatial Computing und Blockchain bis 2030 werden könnte. Zur Auswahl standen 10 Milliarden, 50 Milliarden, 100 Milliarden oder eine Billion US-Dollar. Die Gruppe entschied sich für 50 Milliarden US-Dollar. Dr. Heath löste auf: Richtig wären 100 Milliarden US-Dollar gewesen.
Auch der weltweite Fachkräftemangel im Gesundheitswesen wurde aufgegriffen. Der KI-Quizmaster fragte nach der von der WHO prognostizierten Lücke bis 2030. Die Teilnehmenden diskutierten zwischen 11,1 und 15,4 Millionen fehlenden Gesundheitsfachkräften. Dieses Mal fiel die Wahl auf 11,1 Millionen, die korrekte Antwort.
Am Ende bewertete Dr. Heath die Leistung der Gruppe. Entscheidend war aber weniger das Ergebnis als der Weg dorthin: Die Teilnehmenden schätzten, widersprachen, korrigierten sich und blieben bis zum Schluss interessiert.
Spatial AI erweitert die klassischen Informationskanäle um eine weitere, räumliche und vor allem interaktive Dimension. Dies bietet vor allem im Bereich Fort- und Weiterbildung enorme Möglichkeiten, medizinischen Content auf ganz neue Art und Weise zugänglich zu machen. Durch immersive Lernumgebungen und Wissenschecks wie das Quiz-Beispiel wird komplexes medizinisches Wissen im Dialog mit der KI-Assistenz in sicherer Umgebung erarbeitet, vertieft und durch die Räumlichkeit greifbar, erlebbar und dadurch nachhaltig einprägsamer.