Praxisfinanzen unter Druck

So federn Praxen Honorareinbußen durch das GKV-Spargesetz ab

Bericht
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 6 Min
Die finanziellen Folgen des GKV-Spargesetzes lassen sich abfangen.

Viele Niedergelassene erbringen mehr GKV-Leistungen als sie müssten – obwohl diese nicht voll vergütet werden. Angesichts des steigenden betriebswirtschaftlichen Drucks sei das nicht sinnvoll, meint Margaret Plückhahn, Praxisberaterin des Virchowbunds. Sie erklärt, welche Alternativen es gibt.

Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz entzieht der ambulanten Versorgung im Jahr 2027 rund 3 Milliarden Euro. Bei vielen Niedergelassenen wecken die geplanten Kürzungen Existenzängste, schildert Margaret Plückhahn, Praxis- und Niederlassungsberaterin des Virchowbunds. „Sie haben Angst, Personal entlassen zu müssen, ihre Räumlichkeiten nicht halten und Kredite nicht mehr bedienen zu können – und auch, Patientinnen und Patienten medizinisch nicht gerecht zu werden.“ Der Virchowbund gab vor Kurzem ein Webinar zum Thema, in dem über 300 Fragen aufkamen– so viele, dass die Veranstaltung einen Folgetermin bekam.

Praxis auf einnahmenorientierte Angebotspolitik umstellen

Was können Praxen aber tun, um finanzielle Einschnitte durch das Spargesetz abzumildern? Der wichtigste Hebel: „Das eigene Leistungsspek­trum einer Inventur unterziehen“, rät die Praxisberaterin. Ärztinnen und Ärzte sollten prüfen, in welchem Umfang sie Leistungen erbringen, die aufgrund von Budgetierungen nicht oder zumindest nicht vollständig vergütet werden. Das vom BMG ausgerufene Motto der „einnahmenorientierten Ausgabenpolitik“ könne man mit einer „einnahmenorientierten Angebotspolitik“ kontern.

Denn derzeit erbringen Niedergelassene wesentlich mehr Leistungen als sie bei vollem Sitz in den vorgeschriebenen 25 Sprechstunden für die gesetzliche Krankenkasse leisten müssten. Ersichtlich wird dies in einer Tabelle der KBV (s. unten). Diese zeigt,

  • wie viele Fälle jede Fachgruppe im Schnitt pro Quartal behandelt,

  • wie viele dieser Fälle künftig durch das Spargesetz vergütet werden,

  • wie viele Fälle eigentlich nur zu behandeln wären, wenn man sich auf 25 GKV-Sprechstunden beschränkt.

Mithilfe dieser Daten können Niedergelassene prüfen, ob sie ihr Angebot für gesetzlich Versicherte reduzieren müssen, wenn sie für alle Leistungen vollständig bezahlt werden möchten. Ein Beispiel: In der Allgemeinmedizin werden derzeit pro Quartal im bundesweiten Schnitt 984 Fälle behandelt. Künftig finanziert werden nur noch 892. Bei 25 Sprechstunden müssten Praxen dabei eigentlich nur 561 Fälle versorgen.

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