Anlagechancen für Ärztinnen und Ärzte

Aktien glänzen im Depot trotz globaler Krisen

Bericht
|
Stand: 
|Lesezeit: 4 Min
Michael Reischmann
Stellvertretender Chefredakteur Medical Tribune
Trotz Krisen bewegen sich wichtige Aktienindizes im Bereich ihrer Allzeithochs.

Supermächte quälen Länder, Staatshaushalte gehen aus dem Leim, Energiepreise und Lebenshaltungskosten heizen die Inflation an, die KI stürmt global voran. Die Kapitalmärkte kommen damit gut zurecht. Wichtige Aktienindizes bewegen sich im Bereich ihrer Allzeithochs. Die Anleiherenditen sind gestiegen. Drastische Umschwünge deuten sich vorerst nicht an.

Der MSCI-World-Aktienindex, der die Kursentwicklung von etwa 1.300 Unternehmen aus 23 Industrieländern abbildet, brachte vom 30.6. bis 30.9.2026 eine Gesamtrendite in Euro von 2,64 %. Beim S&P 500 waren es sogar 2,98 %. Selbst der DAX schaffte ein Plus von 0,81 %, während der Euro Stoxx 50 um 0,62 % ins Minus ging. Diese und weitere Entwicklungen nahmen die apoBank-Experten Timo Steinbusch, Leiter Portfoliomanagement, und Investmentstratege Dr. Stefan Schüder zum Anlass für eine Standortbestimmung bei der Vermögensanlage.

Kriselndes Frankreich muss deutlich höhere Zinsen zahlen

Wer in Anleihen investiert war, hatte von Juli bis September eher wenig Spaß. Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen legten zu: USA von 4,47 auf 5,29 %, Bund von 2,86 auf 3,59 %, Frankreich von 3,68 auf 4,85 %. Entsprechend sind die Kurse von Festverzinslichen gefallen. Für Neuanlagen ist das Renditeniveau nun allerdings attraktiv. Die apoBank-Experten vertrauen auf ein global gestreutes Portfolio, das neben ausgewählten Staatspapieren insbesondere „hochwertige“ Unternehmensanleihen vorsieht.

Die Medienberichte von den gewaltsamen Demonstrationen in Frankreich mit Plünderungen und einem abgebrannten Rathaus hallten in der Analyse der beiden Anlageprofis nach. Das Land kommt mit wichtigen Reformen nicht voran. Die Staatsverschuldung ist gewaltig. Bei der Präsidentschaftswahl nächstes Jahr könnte die Rechtsnationale Marine Le Pen (Rassemblement National) die Nase vorne haben. Doch sie weiß ebenfalls um die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen, erläuterte Dr. Schüder. Auch wenn keine Staatsschuldenkrise absehbar sei, raten die apoBank-Experten doch zu einer Untergewichtung Europas im Portfolio; Schwellenländer und die USA werden relativ bevorzugt.

Für die Wirtschaft lief es besser als erwartet

Trotz des hohen Ölpreises, gestiegener Anleiherenditen bzw. Zinsen und der geopolitischen Spannungen: Die Fundamentaldaten sind gut. Die Wirtschaft wächst. Das gilt insbesondere für die USA, wo die Konjunktur besser als in Europa läuft. Die Erträge der Unternehmen haben sich positiver entwickelt als erwartet. Die Lieferketten sind widerstandsfähiger geworden. Die Gewinnentwicklung wird nicht nur von Techunternehmen getragen, sondern hat durch Industrie und Finanzsektor eine breitere Basis erhalten. Die gezielte Auswahl von Erfolg versprechenden Aktientiteln sei aufgrund des höheren Zinsniveaus wieder wichtiger geworden als in Zeiten niedriger Zinsen.

Das „Basisszenario“ sieht so aus: Für Zinserhöhungen durch die Notenbanken sehen die Banker wenig Spielraum. Die Kapitalmärkte hätten sich bereits auf höhere Zinsen für einen längeren Zeitraum eingestellt. Das Umfeld für Aktien sei weiterhin positiv, auch wenn es zu Schwankungen kommen kann – nicht zuletzt wegen der Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten (Midterms) und der erratischen Politik des US-Präsidenten. Nach Einschätzung der Bankexperten überwiegen in den nächsten Monaten die Chancen die Risiken.

Von wegen Spekulationsblase – mit KI wird Geld verdient

Eine „KI-Blase“ mit überbewerteten Titeln sieht Steinbusch nicht. Mittlerweile verdienten Unternehmen mit ihren Produkten Geld; und sie investierten kräftig. „Die Nachfrage ist real.“ Vom Boom der künstlichen Intelligenz profitierten z. B. auch Chiphersteller, Rechenzentren, Stromanbieter und die Finanzbranche.

Der Preis für Gold bewegt sich derzeit seitwärts. Dennoch bleibe das Edelmetall als Anlagealternative attraktiv. Der Preis sei aufgrund der Nachfrage der Notenbanken „nach unten gut abgesichert“.

Steinbusch betonte, dass bei der Vermögensanlage die Zielausrichtung wichtiger sei als die Entwicklung in einzelnen Märkten. Die drei Fragen für den regelmäßigen Check-up mit der Beraterin oder dem Berater lauteten deshalb: Gibt es Veränderungen bei den eigenen Zielen? Wenn ja, können die einen Strategiewechsel begründen. Stimmt die Risikoverteilung bei den Ertragsquellen? Und: Passt das Risiko noch zum Ziel?

apoBank-Onlineveranstaltung „Was die ­Kapitalmärkte jetzt bewegt“ vom 21.10.2026

Einkommensrechner ­verrät: Gehören Sie schon zu den Reichen?

Die meisten Menschen hierzulande ordnen sich selbst der Einkommensmitte zu. Denn viele vergleichen sich vor allem mit Personen, die ihnen sozioökonomisch ähnlich sind. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bietet online ein Tool an, mit dem man prüfen kann, wo man statistisch steht. Es werden Haushaltseinkommen aus abhängiger und selbstständiger Beschäftigung, Renten und Vermögenseinkommen nach Steuern, Abgaben und Transferleistungen im Jahr 2024 betrachtet. So viel sei schon verraten: Wer als Alleinlebender mehr als 6.050 Euro netto im Monat hatte, gehörte zu den einkommensreichsten 4 %. Personen mit Hochschulabschluss verfügten im Median über 3.140 Euro im Monat. Besonders viele Wohlhabende gibt es z. B. unter Paaren ohne Kinder im Haushalt, in denen beide arbeiten: Knapp 12 % von ihnen hatten ein gemeinsames Nettoeinkommen von mindestens 9.070 Euro im Monat – die Schwelle zu den relativ Einkommensreichen. Wie die Einkommen verteilt sind, sehen Sie hier.

Michael Reischmann

Michael Reischmann

Stellvertretender Chefredakteur Medical Tribune
Michael Reischmann arbeitet seit dem Jahr 2000 für Medical Tribune in Wiesbaden. Er leitet das Ressort Politik & Management und ist stellvertretender Chefredakteur. Studium der Volkswirtschaftslehre (Diplom) und Erwachsenenbildung (M.A.). Brennt Ihnen ein gesundheitspolitisches Thema oder eine betriebswirtschaftliches Problem zur Praxisführung auf den Nägeln, das journalistisch aufgegriffen werden sollte? Melden Sie sich bitte.

Bei Google bevorzugen

Sie möchten bei der Suche nach aktuellen Entwicklungen häufiger unsere Beiträge sehen? Dann fügen Sie uns jetzt zu Ihren bevorzugten Quellen hinzu.

Als bevorzugte Quelle auswählen
Wie funktioniert das? Häufige Fragen: Hier erfahren Sie mehr