Meldung

CO2-Fußabdruck der Dialysezentren systematisch erfasst

Nierenarzt/Nierenärztin
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 2 Min

In Deutschland sind etwa 100.000 Menschen auf eine Dialyse angewiesen, rund 156 Sitzungen im Jahr, meist ambulant im Dialysezentrum.

Dabei entstehen enorme Umweltbelastungen. „Die Verbesserung der Klimabilanz der Hämodialyse ist uns ein wichtiges Anliegen“, sagt Professorin Dr. Sylvia Stracke, Bereichsleitung Nephrologie und Hypertensiologie an der Universitätsmedizin Greifswald und Pressesprecherin der DGfN.

Erstmals wurde der CO₂-Fußabdruck deutscher Dialysezentren systematisch erfasst (Pressemitteilung der DGfN, 24.03.2026). Grundlage war ein eigens entwickelter CO₂-Rechner, mit dem fünf Pilotzentren mit insgesamt ca.  500  Patient:innen zwischen 2015 und 2023 ausgewertet wurden. Ergebnis: 3,72 ± 0,44 erzeugte Tonnen CO₂ pro Person und Jahr. „Diese resultieren vor allem aus Materialproduktion, Abfall, Energie und Wasserverbrauch sowie Transportwegen“, erläutert Sylvia Stracke.

Einzelne Effizienzmaßnahmen – etwa Photovoltaikanlagen, angepasste Dialyseregimes oder „Planetary Health“-Ernährung während des Aufenthalts im Dialysezentrum – reduzierten die Emissionen um rund 9 Prozent. Ein theoretisches „Best-Case-Szenario“ mit mehr Peritonealdialyse und individuell angepasster Hämodialyse ergab bis zu 38 Prozent Emissionsminderung, aber keine Klimaneutralität.

Besonders klimafreundlich ist die Peritonealdialyse: Sie verursacht nur 1,4 bis 2,2 Tonnen CO₂ jährlich – also deutlich weniger als das Zentrumsverfahren. „Ein Ausbau dieser Therapie würde nicht nur Patient:innen entlasten, sondern auch das Klima“, so die Nephrologin.

Am wirksamsten ist das Vermeiden von Dialysepflichtigkeit. Jedes vermiedene Dialysejahr spart rund 3,7 Tonnen CO₂. Wird der Beginn um acht Jahre hinausgezögert, entspricht das rund 30  Tonnen CO₂ pro Betroffener/ -em. Auch eine um zehn Prozent höhere Transplantationsrate würde deutschlandweit jährlich rund 800 Tonnen CO₂ einsparen.

„Effizienzsteigerungen in der Dialyse sind notwendig – doch sie haben ihre Grenzen“, betont Dr. Nicole Helmbold, Generalsekretärin der DGfN. „Wer Ressourcen sparen möchte, muss Prävention, Früherkennung, Transplantation und Heimdialyse strukturell stärken.“

Joachim Beige, Susi Knöller, Martin Pachmann et al., A website calculator to benchmark the carbon footprint of haemodialysis, Nephrology Dialysis Transplantation, 2026; gfaf263, https://doi.org/10.1093/ndt/gfaf263