Erwartungen beeinflussen Therapieerfolg bei Depression stärker als gedacht
Erwartungen beeinflussen Therapieerfolg bei Depression stärker als gedacht
Erwartungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Depressionen.
Eine neue Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt: Menschen mit Depression, die kurzfristig besonders stark auf Placebo-Behandlungen reagieren, profitieren auch langfristig stärker von Behandlungserwartungen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Erwartungen zentrale Prozesse der Emotionsverarbeitung beeinflussen können. Das ist besonders relevant für Depressionen, bei denen negative Wahrnehmungsverzerrungen eine große Rolle spielen“, sagt Studienleiterin Prof. Dr. Stefanie Brassen, Institut für Systemische Neurowissenschaften.
In der Studie erhielten Patient:innen mit Depression ein Nasenspray, das ihnen als stimmungsaufhellendes Medikament beschrieben wurde – es handelte sich jedoch um ein Placebo. Doch allein die Erwartung einer positiven Wirkung hatte messbare Effekte. Die Teilnehmenden berichteten von besserer Stimmung und verarbeiteten emotionale Reize positiver. Im Anschluss wurden die Patient:innen über mehrere Wochen während ihrer regulären antidepressiven Behandlung begleitet. Je stärker die positiven Erwartungen gegenüber der Behandlung waren, desto stärker verbesserten sich die Symptome im Verlauf der Therapie.
Besonders bemerkenswert war, dass die individuelle Reaktion auf das Placebo im Experiment voraussagte, wie stark Erwartungen den Behandlungserfolg auch langfristig beeinflussten. „Wir konnten zeigen, dass die Sensitivität für Erwartungen eine stabile Eigenschaft ist, die sich über verschiedene Situationen hinweg bemerkbar macht. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Erwartungen nicht nur ein ‚Nebeneffekt‘ von Behandlungen sind, sondern ein zentraler Wirkmechanismus”, sagt Prof. Brassen. Langfristig könnten solche Erkenntnisse dazu beitragen, Therapien besser auf einzelne Patient:innen abzustimmen, positive Erwartungen gezielt zu fördern und so die Wirksamkeit bestehender Behandlungen zu verbessern. Die Studie hat erstmals experimentelle Placebo-Effekte mit realen klinischen Verläufen innerhalb derselben Patient:innengruppe verbunden und zeigt, wie eng psychologische Prozesse und medizinische Behandlungsergebnisse miteinander verknüpft sind.
Quelle: PM UKE Hamburg, 18.5.2026
Originalpublikation: EJ Shim et al., Acute placebo responsiveness predicts longitudinal expectation ef tidepressant treatment. Translational Psychiatry. 2026 DOI: https://doi.org/10.1038/s41398-026-04070-x
Erwartungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Depressionen.
Eine neue Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt: Menschen mit Depression, die kurzfristig besonders stark auf Placebo-Behandlungen reagieren, profitieren auch langfristig stärker von Behandlungserwartungen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Erwartungen zentrale Prozesse der Emotionsverarbeitung beeinflussen können. Das ist besonders relevant für Depressionen, bei denen negative Wahrnehmungsverzerrungen eine große Rolle spielen“, sagt Studienleiterin Prof. Dr. Stefanie Brassen, Institut für Systemische Neurowissenschaften.
In der Studie erhielten Patient:innen mit Depression ein Nasenspray, das ihnen als stimmungsaufhellendes Medikament beschrieben wurde – es handelte sich jedoch um ein Placebo. Doch allein die Erwartung einer positiven Wirkung hatte messbare Effekte. Die Teilnehmenden berichteten von besserer Stimmung und verarbeiteten emotionale Reize positiver. Im Anschluss wurden die Patient:innen über mehrere Wochen während ihrer regulären antidepressiven Behandlung begleitet. Je stärker die positiven Erwartungen gegenüber der Behandlung waren, desto stärker verbesserten sich die Symptome im Verlauf der Therapie.
Besonders bemerkenswert war, dass die individuelle Reaktion auf das Placebo im Experiment voraussagte, wie stark Erwartungen den Behandlungserfolg auch langfristig beeinflussten. „Wir konnten zeigen, dass die Sensitivität für Erwartungen eine stabile Eigenschaft ist, die sich über verschiedene Situationen hinweg bemerkbar macht. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Erwartungen nicht nur ein ‚Nebeneffekt‘ von Behandlungen sind, sondern ein zentraler Wirkmechanismus”, sagt Prof. Brassen. Langfristig könnten solche Erkenntnisse dazu beitragen, Therapien besser auf einzelne Patient:innen abzustimmen, positive Erwartungen gezielt zu fördern und so die Wirksamkeit bestehender Behandlungen zu verbessern. Die Studie hat erstmals experimentelle Placebo-Effekte mit realen klinischen Verläufen innerhalb derselben Patient:innengruppe verbunden und zeigt, wie eng psychologische Prozesse und medizinische Behandlungsergebnisse miteinander verknüpft sind.
Quelle: PM UKE Hamburg, 18.5.2026
Originalpublikation: EJ Shim et al., Acute placebo responsiveness predicts longitudinal expectation ef tidepressant treatment. Translational Psychiatry. 2026 DOI: https://doi.org/10.1038/s41398-026-04070-x
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