Gezielte Intervention

Neustart nach Nierentransplantation

Nierenarzt/Nierenärztin
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In der Realität zeigt sich, dass viele Patient:innen nach Transplantation aus diversen Gründen noch keinen Zugang zu einem gesunden Lebensstil gefunden haben.

Um die positiven Effekte einer Nierentransplantation danach voll ausschöpfen zu können, bedarf es oft der Hilfe durch gezielte Interventionen, damit das „Durchstarten“ körperlich und ganzheitlich in allen Lebensbereichen gelingt.

Warum das „Durchstarten“ nach einer Nierentransplantation Sinn macht und wie das gelingen kann, demonstrierte Dr. Marc Albersmeyer, Bad Heilbrunn, in seinem Vortrag bei der DGfN-Jahrestagung 2025. Er ist leitender Oberarzt der Abteilung Nephrologie/TX-Nachsorge der m&i-Fachklinik Heilbrunn, die seit 25 Jahren Erfahrung als Rehaklinik für nierenkranke und transplantierte Patient:innen hat und Kooperationspartner der Erlanger Reha-Programm-Projekte ist. „Bei Patient:innen nach NTX sollten die medizinischen Rahmenbedingungen sowohl in den ersten Wochen nach der Transplantation als auch im Langzeitverlauf so optimal wie möglich eingestellt sein, da dies wesentlich zum Langzeitüberleben des Transplantats beiträgt. Und auch Nierenspender:innen profitieren dabei meist von einer intensiven stationären Rehabilitation gemeinsam mit dem/der Empfänger:in“, betont Albersmeyer.

Nur dann sei gewährleistet, dass die eigentlichen Ziele der Transplantation, wie Verbesserung der Lebensqualität, mehr Teilhabe am beruflichen und familiären Leben, Reduktion von Begleiterkrankungen und Reduktion der Mortalität, dauerhaft erreicht werden. Voraussetzung dafür sei einerseits der möglichst langfristige Erhalt der Transplantatfunktion durch immunologische Vermeidung und Kontrolle von komplexen Abstoßungsprozessen. Andererseits käme aber auch der Reduktion der Risikofaktoren, die bekanntermaßen zum CKD-Progress beitragen, eine große Rolle zu. Dazu gehören: Alterungsprozesse, metabolische Faktoren wie Diabetes mellitus, Infektionen und CV Risikofaktoren. Denn die Inzidenz und Prävalenz von kardiovaskulären (cv) Erkrankungen sind auch nach Transplantation immer noch signifikant erhöht, etwa 4−6 Mal höher als in der Allgemeinbevölkerung. Dass die interagierenden kardiovaskulären Risikofaktoren wie Rauchen, arterielle Hypertonie, Übergewicht/Adipositas, Hypercholesterinämie durch gesunden Lebensstil modifiziert werden können, ist hinlänglich bewiesen.

Eine post hoc Analyse der FAVORITStudie habe bereits 2020 gezeigt, dass Bewegung nach Transplantation mit einer besseren Kontrolle des CV-Risikos assoziiert ist (1). Als einen weiteren interessanten Aspekt führte Albersmeyer den Zusammenhang von Bewegungsbereitschaft und Adhärenz bzgl. der Medikation an. So weist eine chinesische Fallkontrollstudie aus 2024 (2) darauf hin, dass körperliche Aktivität, insbesondere in der Phase nach der Transplantation, eng mit der Immunsuppressiva-Adhärenz verbunden ist und somit eine potenzielle Intervention zur Verbesserung eben dieser Adhärenz durch Empfänger einer Spenderniere darstellt.

In der Realität zeigt sich aber, dass viele Patient:innen nach Transplantation aus diversen Gründen noch keinen Zugang zu einem gesunden Lebensstil gefunden haben. So zeigten Patient:innen-Umfragen, dass sich 57 % nach TX gleich oder weniger bewegen als vor der Transplantation, obwohl ein „Durchstarten“ gerade dann wieder möglich ist, da die TX günstige Effekte auf die Herzfunktion haben kann, wie eine indische Studie 2025 zeigte (3).

Albersmeyer verwies in diesem Zusammenhang auf die 2024 erschiene multizentrische, randomisierte ACT-Studie, bei der insgesamt 221 Patient:innen in den ersten Jahren nach Nierentransplantation für durchschnittlich fünf Monate intensiv bewegungstherapeutisch behandelt wurden. Einschränkend müsse festgehalten werden, dass die Mehrheit dieser untersuchten Patient:innen im Durchschnitt tendenziell eher jünger waren (52 Jahre) und ein relativ hohes Fitness-Niveau aufwiesen (BMI 27 kg/m², durchschnittliche tägliche Schrittzahl ca. 5.300). Die Patient:innen trainierten im Rahmen der Studie intensiv unter physiotherapeutischer Begleitung Kraft, Ausdauer sowie in einem Abschlusstraining (inklusive Schwimmen). Zwar konnte der primäre Endpunkt einer verbesserten Lebensqualität nicht erreicht werden, jedoch zeigten sich sekundäre Endpunkte wie Muskelkraft, anaerobe Ausdauer, Kraftausdauer und Aktivitätsniveau deutlich gebessert. Vor allem aber sei hervorzuheben, dass ein intensives bewegungstherapeutisches Training relativ kurz nach Nierentransplantation für das untersuchte Patientenkollektiv sicher und machbar sei (4).

Gleichwohl sei zu berücksichtigen, erklärte Albersmeyer, dass das Patient:innenkollektiv in der TX-Medizin sehr heterogen sei (Alter, Frailty, Fitness-Zustand, Komorbiditäten, postoperative Komplikationen) und für Empfehlungen hinsichtlich der postoperativen Belastungsfähigkeit eine individuelle Betrachtung auch weiterhin erforderlich sei.

Auch im sozialen Bereich biete die Transplantation für Patientinnen und Patienten die Chance, wieder „durchzustarten“; sprich am Arbeitsleben teilzuhaben. Hinsichtlich der Erwerbsfähigkeit nach Nierentransplantation, so musste Albersmeyer feststellen, fehlen deutschlandweite belastbare Zahlen. Entscheidend sei jedoch eine fundierte sozialmedizinische Beratung, um es Patient:innen zu ermöglichen, individuell angepasst im Erwerbsleben bleiben zu können.

Fazit

Ungeachtet der Studienergebnisse unter kontrollierten Bedingungen bleibt für das Erreichen der o. g. Ziele bei den transplantierten Patient:innen deren Selbstaktivierung entscheidend. Das heißt, Patient:innen brauchen die Fähigkeit, die Gelegenheit und die Motivation, um entsprechende Empfehlungen in ihren Alltag zu integrieren. Das zu vermitteln sei in den bestehenden Strukturen schwierig, da eine in diesem Sinne ganzheitliche multimodale Nachsorge für die hochspezialisierten Ambulanzen eine immense Herausforderung sei und ambulante Versorgungspfade fehlen, konstatierte Albersmeyer. Deshalb, so resümierte er, sei die stationäre Rehabilitation ein wichtiger Baustein, der die Nachsorge nach Transplantation wirksam ergänzen könne, weil das eigentliche Ziel der TX genau auf die Definition von Rehabilitation passe, wie sie auch im Sozialgesetzbuch stehe: Die Wiedererlangung oder Erhalt der körperlichen, beruflichen und sozialen Fähigkeiten.

Quelle: Vortrag Dr. Marc Albersmeyer in der Sitzung „Sport ist Medizin“ im Rahmen der 17. Jahrestagung der DGfN 2025

LITERATUR

1. Kang A W Nephrol Dial Transplant. 2020 May 21;35(8):1436-1443. DOI: 10.1093/ndt/gfaa038.

2. Zhang P et al. BMJ Open 2024;14:e080695. DOI: 10.1136/bmjopen-2023-080695.

3. Manish J et al. Clin-Transplant 2025; 39(4):e70150. DOI:10.1111/ctr.70150. PMID: 40245173.

4. Knobbe T J, Lancet Healthy Longevity 2024;5(9) DOI: 10.1016/j.lanhl.2024.07.005

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