Organspende nach Herzstillstand: Studie sieht zusätzliches Potenzial
Eine Studie der Universität Kiel und Eurotransplant zeigt, welches Potenzial die kontrollierte Organspende nach endgültigem Herz-Kreislaufstillstand in Deutschland für Transplantationszahlen und Wartelisten haben könnte.
Eine aktuelle Studie der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) in Zusammenarbeit mit der Eurotransplant International Foundation (Leiden, Niederlande) hat untersucht, welches Potenzial eine Indikationserweiterung auf die kontrollierte Organspende nach endgültigem HerzKreislaufstillstand (HKS) für Deutschland hätte. Grundlage waren retrospektive Daten aus neun europäischen Ländern sowie simulationsgestützte Modelle zur Entwicklung von Transplantationszahlen und Wartelisten.
Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die Einführung der HKS-Spende die Zahl verfügbarer Spenderorgane in Deutschland deutlich erhöhen könnte. Der Effekt hängt jedoch stark von organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen ab. Besonders ausgeprägt war dieser Effekt in Modellen, die sich an Ländern wie Spanien oder der Schweiz orientieren. Zwei Beispiele aus den Modellrechnungen für das Jahr 2023: Unter Annahmen wie in der Schweiz wären demnach etwa 35 Prozent mehr Leber- und 60 Prozent mehr Nierentransplantationen möglich gewesen. In einem Szenario wie in Tschechien ergäbe sich ein Plus von rund 10 Prozent bei Lebertransplantationen und rund 30 Prozent bei Nierentransplantationen.
Die Analysen zeigen auch, dass die Wir kung stark von den jeweiligen Rahmen bedingungen abhängt. In einigen Szena rien, etwa nach österreichischem Vorbild, ergaben sich kaum Verbesserungen. Dies deutet darauf hin, dass die bloße Einfüh rung der HKS-Spende nicht ausreicht. Darüber hinaus spielen strukturelle Fak toren eine entscheidende Rolle. Interna tionale Beispiele zeigen, dass steigende Organspendezahlen meist mit umfas senden Maßnahmen einhergehen, et wa verbesserter Spendererkennung in Kliniken, standardisierten Abläufen, ge zielter Schulung von Fachpersonal sowie Öffentlichkeitsarbeit zur Steigerung der Akzeptanz.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die kontrollierte Organspende nach endgültigem Herz-Kreislaufstillstand ein relevantes zusätzliches Potenzial bietet. Ihr sollte ein größerer Stellenwert in der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung eingeräumt werden“, erklärt Dr. Friedrich von Samson-Himmelstjerna, CAU/Kiel.
Originalpublikation: DOI: 10.3238/arztebl.m2026.0004m
Pressemitteilung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 17.4.26