Postoperative Nervenverletzungen: Wie chronische Schmerzstörungen Ihre Patientinnen und Patienten belasten
Prickeln, Brennen und stechende Schmerzen, die eigentlich nicht da sein dürften – so beschreiben Patientinnen und Patienten häufig periphere neuropathische Schmerzen (PNP). Bis es zu einer Diagnose kommt, vergehen oftmals Jahre – Zeit, in der der Alltag für Betroffene nicht selten zur Belastung wird. Die topische Therapie mit hochkonzentrierten kutanen Capsaicin-Pflastern (HCCP) kann Schmerzen lindern, Schlaf und Alltagsfunktion fördern und die Lebensqualität verbessern.
Was sind periphere neuropathische Schmerzen?
PNP stellen eine Form chronischer Schmerzstörungen dar, die durch eine Schädigung oder Erkrankung von Nerven im peripheren Nervensystem entsteht. PNP können vielfältige Ursachen haben, dazu zählen Nervenverletzungen durch chirurgische Eingriffe, postherpetische Neuralgien nach einem Herpes-zoster-Ausbruch, Engpasssyndrome, periphere neuropathische Schmerzen im Rahmen von Mixed Pain sowie Polyneuropathien – insbesondere bei Diabetes mellitus.1
Periphere Nervenverletzungen führen zu hohem Leidensdruck
Häufig kommt es im Zuge von chirurgischen Eingriffen oder traumatischen Nervenschädigungen zu einer peripheren Nervenverletzung (PSNP), die mindestens drei Monate andauern kann.2 Chirurgische Eingriffe, bei denen es vermehrt zu PSNP kommen kann, sind Herzoperationen (30–50 %), Brustoperationen (11–57 %), Amputationen (30–50 %) und Leistenhernienoperationen (bis zu 65 %); diese Form der Nervenschmerzen werden in 2-10 % der Fälle von den Betroffenen als sehr schmerzhaft eingeordnet.3,4,5
Kommt es dabei zu einer anhaltenden Schädigung eines Nervs, können persistierende neuropathische Schmerzen entstehen, die sich durch typische Symptome wie Allodynie, thermische Hyperalgesie, Prickeln, Stechen oder Brennen äußern.6,7,8
Starke Belastung im Alltag Betroffener
Aktuelle Auswertungen der Real-World-Daten einer deutschen Kohorten Studie** zeigen die negativen Auswirkungen, die besonders PSNP auf die Betroffenen haben kann. Schmerzsymptome wie thermale Hyperalgesie (71,5 %), Allodynie (70,7 %), druckbedingter Schmerz (66,4 %), Kribbeln (64,4 %) oder brennende Schmerzen (63,2 %) führen nicht nur zu starken Beeinträchtigungen im Alltag, sondern häufig auch zu schweren Schlafstörungen. Ein Drittel der Betroffenen berichtet darüber hinaus von depressiven, ängstlichen oder stressbezogenen Beschwerden.9
Die Studienergebnisse unterstreichen die starke Beeinträchtigung der Lebensqualität: Die körperliche Komponente der VR-12-Skala lag im Schnitt bei 29,5, die psychische bei 42,5 – beide Werte deutlich unterhalb der Norm und Ausdruck der tiefgreifenden Auswirkungen dieser chronischen Schmerzstörung auf das tägliche Leben.9
Viele PSNP-Betroffene erleben zudem eine geradezu endlose Behandlungs-Odyssee: Im Durchschnitt haben Betroffene bereits 7,7 frühere systemische Schmerztherapien bei durchschnittlich 7 Ärzten hinter sich.9
Topische HCCP-Behandlung bei PNP
Für PNP-Betroffene bietet eine topische Behandlung mit HCCP-Pflastern vielversprechende Behandlungsergebnisse: Sie können Schmerzen lindern, Schlaf und Alltagsfunktion verbessern und den Einsatz begleitender Schmerzmittel reduzieren, sodass eine kontinuierliche Anwendung (Studien zufolge alle 60-90 Tage)10 die Lebensqualität nachhaltig unterstützen kann.
Topische Therapien bieten gegenüber systemischen oralen Behandlungen Vorteile wie eine geringere Therapiebelastung (im Vergleich zur täglichen Einnahme und langwierigen Dosistitrationen), ein weitestgehend vorhersehbares und lokal begrenztes Verträglichkeitsprofil und sind auch bei Begleitmedikation unkompliziert einsetzbar, da keine Wechselwirkungen zu erwarten sind.
Die Resultate der deutschen Real-World-Kohortenstudie9 belegen den klinischen Nutzen von HCCP-Pflastern als lokale Behandlungsoption bei Patienten mit PNP. Schon nach nur einer Anwendung wurden häufig spürbare Verbesserungen beobachtet – nicht nur bezüglich der Schmerzstärke, sondern ebenfalls in Hinblick auf Schlafqualität, Stimmung, Lebensqualität sowie die Bewältigung alltäglicher Aktivitäten. Außerdem verringerte sich der Bedarf an begleitender Schmerzmedikation. Personen, die zwei bis vier HCCP-Anwendungen erhielten, berichteten von noch deutlich stärkeren Therapieeffekten.
Die Ergebnisse der Studie sprechen dafür, dass eine regelmäßige und wiederholte Anwendung von HCCP entscheidend dazu beitragen kann, optimale Behandlungsergebnisse zu erreichen und langfristig zu sichern – und damit einen zentralen Stellenwert im Management von PSNP haben könnte.
Fazit für die Praxis
Trotz der vorhandenen Evidenz für die Vorteile topische Behandlungen und deren Aufnahme in klinische Leitlinien und Praxisempfehlungen (z. B. von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie DGN oder der Deutschen Gesellschaft für Diabetologie DDG) zeigte eine Auswertung von Real-World-Daten, dass viele Patienten in der Praxis topische Therapien erst spät im Behandlungsverlauf erhalten. Die Patienten erhielten HCCP im Durchschnitt nach dem Durchlaufen von 7,7 vorherigen Behandlungsversuchen gegen neuropathische Schmerzen.9
Gerade bei Patientinnen und Patienten mit stark beeinträchtigter Lebensqualität können topische Therapien bereits im früheren Behandlungsverlauf eine vielversprechende Therapieoption darstellen.
* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.
**Limitationen der Studie hier abrufbar.
M-QZA-DE-09-25-0033
Referenzen:
1 Schlereth T. et al., Diagnose und nicht interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen, S2k-Leitlinie, 2019, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: dgn.org/leitlinie/diagnose-und-nichtinterventionelle-therapie-neuropathischer-schmerzen (abgerufen am 30.09.2025).
2 Schug SA, Lavand’homme P, Barke A, et al. The IASP classification of chronic pain for ICD-11: chronic postsurgical or posttraumatic pain. Pain. 2019;160(1):45–52.
3 Haroutiunian S, Nikolajsen L, Finnerup NB, Jensen TS. The neuropathic component in persistent postsurgical pain: a systematic literature review. Pain.2013;154(1):95–102.
4 Cregg R, Anwar S, Farquhar-Smith P. Persistent postsurgical pain. Curr Opin Support Palliat Care. 2013;7(2):144–52.
5 Schug SA, Bruce J. Risk stratification for the development of chronic postsurgical pain. Pain Rep. 2017;2(6): e627.
6 Attal N, Lanteri-Minet M, Laurent B, Fermanian J, Bouhassira D. The specific disease burden of neuropathic pain: results of a French nationwide survey. Pain. 2011;152(12):2836-2843.
7 Peng Z, Li H, Zhang C, Qian X, Feng Z, Zhu S. A retrospective study of chronic post-surgical pain following thoracic surgery: prevalence, risk factors, incidence of neuropathic component, and impact on qualify of life. PLoS ONE. 2014;9(2): e90014.
8 Steyaert A, Lavand’homme P. Acute and chronic neuropathic pain after surgery: still a lot to learn. Eur J Anaesthesiol. 2017;34(10):650–1.
9 Überall MA et al. (2025) Progressive Response of Repeated Treatment with High-Concentration (179 mg) Capsaicin Patch in Peripheral Neuropathic Pain After Surgical or Traumatic Nerve Injury: Findings from the 12-Month German CASPAR Registry Study. Pain Ther. 2025 Aug;14(4):1399-1416.
10 Fachinformation QUTENZA® 179mg kutanes Pflaster, Stand Oktober 2023, abrufbar unter www.fachinfo.de/fi/pdf/012366