Schmerzhafte diabetische Polyneuropathie

Kribbeln, Brennen, Schmerzen an den Füßen: Etwa jeder vierte Diabetespatient leidet unter Empfindungsstörungen an den Extremitäten – und das oft unentdeckt.1,2Dahinter steckt häufig eine diabetische Polyneuropathie (DPN), die sich in Missempfindungen, Schmerzen oder Taubheitsgefühlen äußert und besonders in ihrer schmerzhaften Form (pDPN) die Lebensqualität erheblich einschränkt. Für Betroffene bieten topische HCCP-Pflaster (hochkonzentrierte Capsaicin-Pflaster) vielversprechende Behandlungsergebnisse: Sie modulieren den Schmerz direkt an der Peripherie und können Schmerzen lindern, Schlaf sowie Alltagsfunktion verbessern und den Einsatz begleitender Schmerzmittel reduzieren, sodass eine kontinuierliche Anwendung die Lebensqualität nachhaltig unterstützen kann.3

Epidemiologie: hohe Dunkelziffer, große Belastung

In Deutschland leben rund 11 Millionen Menschen mit einem Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2.4  Zu den häufigsten chronischen Komplikationen gehören diabetische Neuropathien – eine heterogene Gruppe von Erkrankungen, die durch Nervenschädigungen verursacht werden und sich in unterschiedlichen klinischen Erscheinungsformen manifestieren können.5

Die häufigste Ausprägung ist die diabetische Polyneuropathie (DPN). Laut Robert Koch-Institut wurde sie bei etwa 13,5 % der Patientinnen und Patienten diagnostiziert.6 Berücksichtigt man jedoch die hohe Dunkelziffer, dürfte die tatsächliche Prävalenz deutlich höher liegen – Schätzungen zufolge sind 30 % bis 50 % der Menschen mit Diabetes betroffen.6 Dabei handelt es sich keineswegs um eine reine Spätkomplikation: Die DPN kann bereits zum Zeitpunkt der Diabetesdiagnose auftreten – teils sogar schon im Stadium des Prädiabetes.1

Besonders belastend ist die schmerzhafte Form der Erkrankung (painful DPN, pDPN), unter der in Deutschland schätzungsweise 1,12 bis 2,26 Millionen Menschen leiden.7 Sie gilt als eine der beeinträchtigendsten Folgeerkrankungen des Diabetes und stellt für die Betroffenen eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität dar.

Symptomatik der pDPN – Schmerz jenseits des Sichtbaren

Typisch für die schmerzhafte diabetische Polyneuropathie sind brennende oder stechende Schmerzen. Begleitet werden sie oft von Parästhesien wie Kribbeln oder Missempfindungen, sowie sensorischen Störungen wie Allodynie – einer Schmerzempfindlichkeit auf eigentlich nicht-schmerzhafte Reize – und Hyperalgesie, einer Überempfindlichkeit insbesondere gegenüber Temperaturveränderungen. Im weiteren Verlauf können auch Sensibilitätsverluste bis hin zu Taubheitsgefühlen auftreten.8 Die Kombination aus Schmerzüberempfindlichkeit und Empfindungsverlust macht die pDPN nicht nur diagnostisch herausfordernd, sondern auch für die Betroffenen besonders belastend.

Diagnostische Werkzeuge zur Erfassung der pDPN

Zur strukturierten Erhebung und Einschätzung neuropathischer Beschwerden stehen in der Praxis mehrere etablierte Tools zur Verfügung. Der Neuropathie-Symptom-Score (NSS)  dient der systematischen Erfassung subjektiver Symptome. Ergänzend bewertet der Neuropathie-Defizit-Score (NDS)9 objektivierbare neurologische Ausfälle und ermöglicht eine Einschätzung des Schweregrads der neuropathischen Defizite. Zur spezifischen Erfassung neuropathischer Schmerzen hat sich der DN4-Fragebogen bewährt.10

Darüber hinaus bieten einfache klinische Tests wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer Polyneuropathie. So lassen sich sensorische Störungen mithilfe einer Stimmgabel (zur Prüfung des Vibrationsempfindens) oder eines Monofilaments (zur Detektion reduzierter Berührungssensibilität) beurteilen. Werden die Vibrationen oder Druckreize von den Patienten nicht oder nur abgeschwächt wahrgenommen, kann dies ein Hinweis auf eine diabetische Polyneuropathie sein.11

Mit dem SymptomCheckPLUS können Patienten ihre Beschwerden eigenständig dokumentieren und damit wichtige Hinweise für Diagnose und Behandlung liefern. In der Praxis ergänzen Ärzte anschließend NSS, NDS und DN4. Die Materialien zum Download gibt es hier.

Schmerzsituation bei pDPN – hoher Leidensdruck, unzureichende Linderung

Auswertungen von Real-World-Daten einer deutschen Kohorten-Studie zeigen3,***: Patienten mit pDPN sind oft über Jahre hinweg einer erheblichen Belastung ausgesetzt. Im Durchschnitt bestehen die Schmerzen seit etwa fünf Jahren – häufig ohne nachhaltige Linderung. Der Schmerz betrifft vor allem die Hände (60,3 %), gefolgt von Füßen (30,5 %) und Beinen (9,2 %) – Körperregionen, die für Mobilität, Alltagsaktivitäten und Lebensqualität essenziell sind.

Die Symptome sind vielschichtig: Kribbeln (66,5 %), brennende Schmerzen (61 %) und Taubheitsgefühle (55 %) dominieren das Beschwerdebild. Die durchschnittliche Schmerzintensität lag bei 57,5 mm auf der VAS3 – ein deutliches Zeichen für eine anhaltend moderate bis starke Schmerzbelastung.

Die hohe Zahl an durchgeführten Behandlungsversuchen unterstreicht die unbefriedigende Versorgungssituation: Im Mittel nehmen die Patienten Studiendaten3 zufolge aktuell 4 Medikamente gegen neuropathische Schmerzen ein, hatten jedoch bereits durchschnittlich 7,7 verschiedene systemische Therapien durchlaufen – darunter Antidepressiva (93 %), Antiepileptika (70 %) sowie schwach (79 %) und stark wirksame Opioide** (70 %). Gleichzeitig wurden durchschnittlich 7,3 verschiedene Ärzte konsultiert.

Auch die Lebensqualität ist stark beeinträchtigt: Die körperliche Komponente der VR-12-Skala lag im Schnitt bei 29,5, die psychische bei 42,5 – beide Werte deutlich unterhalb der Norm und Ausdruck der tiefgreifenden Auswirkungen dieser chronischen Schmerzstörung auf das tägliche Leben.3

Topische HCCP-Behandlung bei pDPN – vielversprechende Real-World-Daten

Die Ergebnisse einer aktuellen Real-World-Kohortenstudie3 liefern Evidenz für den klinischen Nutzen von hochkonzentrierten Capsaicin-Pflastern (HCCP) als nicht-systemische Therapieoption bei Patienten mit pDPN an Händen, Füßen oder Beinen.

Bereits nach einer einzelnen Anwendung wurden häufig spürbare Verbesserungen berichtet – nicht nur in Bezug auf die Schmerzintensität, sondern auch hinsichtlich Schlafqualität, Stimmungslage, Lebensqualität (QoL) und Alltagsfunktionalität. Zudem zeigte sich eine Reduktion des begleitenden analgetischen Medikamentenverbrauchs. Patienten, die zwei bis vier HCCP-Behandlungen erhielten, berichteten über deutlich ausgeprägtere Therapieeffekte. Grundsätzlich empfiehlt es sich, ausreichend lange zu behandeln um das Ansprechen auf die Therapie beurteilen zu können.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine wiederholte und kontinuierliche Anwendung von HCCP im Abstand von 60 bis 90 Tagen wesentlich zur Erzielung und Aufrechterhaltung optimaler Behandlungsergebnisse beitragen kann – und somit eine wichtige Rolle im Therapiemanagement der pDPN einnehmen könnte.

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.
**Hinweise zum verantwortlichen Gebrauch: www.opioid-info.com
***Limitationen der Studie hier abrufbar.

M-QZA-DE-09-25-0034 

Fachinformation
Pflichttext

Referenzen:
1 Gesundheitsbericht Diabetes 2025, Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), www.ddg.info/fileadmin/user_upload/Gesundheitsbericht_2025_final.pdf
2 Ziegler D et al, Neuropathic Pain in Diabetes. Pain Medicine 2009;10(2):393 – 400.
3 Überall MA et al. (2025) Progressive improvements in patient-reported outcomes with the high-concentration capsaicin patch: A retrospective cohort study in patients with painful diabetic peripheral neuropathy (CASPAR study). J Diabetes Complications. 2025 Sep;39(9):109085.
4 Deutsche Diabetes Hilfe: www.diabetesde.org/ueber_diabetes/was_ist_diabetes_/diabetes_in_zahlen, zuletzt eingesehen am 05.08.2025
5 Pop-Busui R, Boulton AJM, Feldman EL, Bril V, Freeman R, Malik RA, et al. Diabetic neuropathy: a position statement by the American Diabetes Association. Diabetes Care. 2017;40:136. doi.org/10.2337/DC16-2042.
6 Robert Koch-Institut (RKI) – Diabetes-Surveillance, 2020: diabsurv.rki.de/Webs/Diabsurv/DE/diabetes-in-deutschland/3-28_Diabetische_Polyneuropathie.html, zuletzt eingesehen am 05.08.2025.
7 Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2023. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.
8 Diener HC, Maier C. Die Schmerztherapie, Urban und Fischer, 3. Aufl. 2009, 146–149
9 Ziegler D et al. DDG-Praxisempfehlung. Diabetische Neuropathie. Diabetologie 2022;17(Suppl 2):S339–S353.
10 Bouhassira D et al. Comparison of pain syndromes associated with nervous or somatic lesions and development of a new neuropathic pain diagnostic questionnaire (DN4). Pain 2005;114(1–2):29–36.
11 Bonhöf, G et al. Endocr Rev, 2019, 40: 1153-192.