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Typ 2 Diabetes: Individuelle Therapieentscheidungen erfordern individuelle Dokumentation

Lesezeit: 5 Min
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Die Therapie des Typ 2 Diabetes erfolgt heute zunehmend individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Patient:innen zugeschnitten. Der Blick allein auf den Blutzucker reicht dabei längst nicht mehr aus. Die Therapiewahl orientiert sich vielmehr an individuellen Faktoren, wie z. B. kardiovaskulären und renalen Risikofaktoren oder Begleiterkrankungen sowie Alter, Lebensqualität und den persönlichen Behandlungszielen der Patient:innen.1

Gleichzeitig bedeutet das: Therapieentscheidungen bei Typ 2 Diabetes werden zunehmend komplexer. Umso wichtiger ist im Praxisalltag, diese Entscheidungen transparent und nachvollziehbar zu gestalten – für Patient:innen ebenso wie für alle an der Versorgung Beteiligten.

Diese vier Impulse zeigen, worauf es bei der Dokumentation von Therapieentscheidungen bei Typ 2 Diabetes besonders ankommt:

1.    Ausgangssituation strukturiert erfassen
Eine nachvollziehbare Therapieentscheidung beginnt mit einem strukturierten Blick auf die individuelle Ausgangssituation. Dabei sollten die wichtigsten Informationen nicht isoliert nebeneinanderstehen, sondern als Gesamtbild betrachtet werden: Welche Therapie wurde bisher eingesetzt, in welcher Dosierung und mit welchem Effekt? Welche Werte zeigen, dass sich der Patient oder die Patientin nicht im individuellen glykämischen Zielbereich befindet? Und welche Begleiterkrankungen oder Risikofaktoren beeinflussen die Therapieentscheidung?
So entsteht eine Grundlage, auf der Neueinstellungen, Therapieanpassungen oder Dosiserhöhungen im weiteren Verlauf klar nachvollzogen werden können.

Herzschutz bei Typ 2 Diabetes

Bei Typ 2 Diabetes geht es um mehr als gute Blutzuckerwerte: Rund 60 % der Menschen mit Typ 2 Diabetes haben ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.2 Für viele Patient:innen ist also auch das Herz mitbetroffen – besonders, wenn Faktoren wie Bluthochdruck, Adipositas, Rauchen, Bewegungsmangel oder eine familiäre Vorbelastung hinzukommen.1 Umso wichtiger ist es, Herzrisiken früh zu erkennen, in der Therapieentscheidung mitzudenken und nachvollziehbar zu dokumentieren.

Die wichtigsten in der Nationalen VersorgungsLeitlinie Typ 2 Diabetes1 genannten Risikofaktoren zeigt die folgende Übersicht:

Sind Ihre Patient:innen gefährdet?

Die folgenden Risikofaktoren weisen bei Menschen mit Typ 2 Diabetes auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hin (Auswahl):1

  • (biologisches) Alter

  • Geschlecht (männlich > weiblich)

  • Diabetesdauer

  • Lebensstil/Ernährung/Bewegungsmangel

  • familiäre Dispositon

  • Hypertonie

  • Adipositas

  • Dyslipidämie

  • Niereninsuffizienz

  • Albuminurie

  • Raucherstatus

  • starke Stoffwechselinstabilität und schwere Hypoglykämie

  • linksventrikuläre Hypertrophie

  • subklinische Arteriosklerose/subklinische kardiovaskuläre Erkrankung

2.    Therapieziele konkret dokumentieren
Therapieziele sollten nicht nur besprochen, sondern auch konkret dokumentiert werden. Dazu gehört der individuelle HbA1c-Zielbereich ebenso wie die Einordnung von Nüchtern- und postprandialen Blutzuckerwerten. Oftmals können darüber hinaus weitere Ziele relevant sein – etwa die Reduktion kardiovaskulärer Risiken, die Vermeidung von Hypoglykämien, Gewichtsaspekte oder die Alltagstauglichkeit der Therapie.

Hilfreich ist eine kurze, individuelle Begründung, zum Beispiel: „Individueller HbA1c-Zielbereich < 7 %, unter Berücksichtigung von Alter, Komorbiditäten und Diabetesdauer.“ So wird deutlich, dass die Therapie nicht pauschal, sondern anhand der individuellen Versorgungssituation gesteuert wird.

3.    ICD-10-Kodierung präzise nutzen
Auch die Kodierung ist Teil einer nachvollziehbaren Dokumentation. Für die Grunderkrankung Typ 2 Diabetes wird der ICD-10-Code E11.- verwendet; vorhandene Komplikationen sollten so genau wie möglich abgebildet werden – zum Beispiel Nieren-, Augen-, neurologische oder periphere vaskuläre Komplikationen. Bei diabetischen Folgeerkrankungen können zusätzlich passende Sekundärcodes erforderlich sein.3 Beispielhaft einige ICD-10 Codes E11.- für die Grunderkrankung Typ 2 Diabetes und mögliche Sekundärcodes diabetischer Komplikationen4:

Wichtig ist dabei: Einzelne Kodierungen sollten nicht isoliert als Begründung für eine Therapieentscheidung herangezogen werden. Entscheidend ist die dokumentierte medizinische Gesamtsituation – etwa ein unzureichend kontrollierter Typ 2 Diabetes, nicht erreichte individuelle glykämische Zielwerte oder relevante Begleiterkrankungen und Risikofaktoren.

4.    Therapieentscheidungen und Verlauf nachvollziehbar machen
Ob Neueinstellung, Dosiserhöhung oder Weiterführung einer Therapie: Die medizinische Begründung sollte im Verlauf erkennbar bleiben. Bei einer Neueinstellung oder Dosiserhöhung ist insbesondere zu dokumentieren, wenn der Typ 2 Diabetes unzureichend kontrolliert ist – etwa durch HbA1c-Werte außerhalb des individuellen Zielbereichs, erhöhte Nüchternplasmaglucose, postprandiale Blutzuckerspitzen oder auffällige Blutzuckertagesprofile. Das alleinige Vorliegen einer Adipositas als Komorbidität begründet dabei keine Verordnung oder Dosiserhöhung eines für die Indikation Typ 2 Diabetes zugelassenen Präparats.

Bei erreichter Zielsetzung bleibt die Verlaufskontrolle relevant: Typ 2 Diabetes erfordert als chronische Erkrankung eine langfristige Therapiekontrolle und Therapieplanung. Eine strukturierte Dokumentation erleichtert dabei nicht nur die eigene Entscheidungsfindung, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen Hausarztpraxis, diabetologischer Schwerpunktpraxis und weiteren Fachdisziplinen.

Praktischer Dokumentations-Check:

✓    bisherige Therapie, Dosierung und Verträglichkeit

✓    HbA1c, Nüchtern-Blutzucker, postprandiale Blutzucker (ppBZ) und Blutzuckerverläufe

✓    Komorbiditäten, kardiovaskuläre und renale Risikofaktoren

✓    individueller Zielbereich und patient:innenbezogene Therapieziele

✓    ICD-10-Kodierung inklusive relevanter Komplikationen

✓    Begründung von Therapieanpassungen und Verlaufskontrollen

Fazit

Eine strukturierte Dokumentation ist im Diabetesmanagement weit mehr als eine formale Pflicht. Sie verbindet klinische Befunde, individuelle Therapieziele, Komorbiditäten und Kodierung zu einer nachvollziehbaren Entscheidungsgrundlage. Gerade bei komplexen Verläufen hilft sie, Therapieentscheidungen transparent zu machen, Verlaufskontrollen einzuordnen und die Versorgung langfristig konsistent zu gestalten – zum Nutzen von Patient:innen und Praxisteams.

b.ICD-10 Codes mit 4. Stelle 6 oder 7 in Entlasspapieren aus dem Krankenhaus sollten nicht ohne Weiteres übernommen werden, da diese Codes in den Deutschen Codierrichtlinien für stationäre Behandlung umdefiniert wurden. Es empfiehlt sich hierzu das Studium des Fließtextes zu den ermittelten/behandelten Diagnosen.
c.Zur Darstellung des Schweregrads der Hypoglykämie oder einer Hypoglykämiewahrnehmungsstörung ggf. zusätzlich ein Code aus dem Schlüsselbereich U69.7-!.
Grundleiden, hier Diabetes mellitus Typ 2. Beim Typ 2 Diabetes (E11.-) wird so z.B. eine spezifische Folgeerkrankung wie eine Nierenerkrankung (E11.2†, N08.3) präzise kodiert.
*Die spezifische Organmanifestation oder Folgeerkrankung (z.B. N08.3* - Glomeruläre Krankheiten bei Diabetes mellitus). Die zugrunde liegende Erkrankung (Diabetes mellitus E11.- ) muss primär verschlüsselt werden.

Referenzen


1 Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Typ 2 Diabetes – Langfassung. Version 3.0. 2023. Online verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-001l_S3_Typ-2-Diabetes_2026-02.pdf (Letzter Abruf am Juli 2026).

2 IDF Diabetes Atlas 11th Edition ‑ 2025, S. 90.

3 BfArM – ICD-10-GM Version 2024. https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2024/index.htm (Letzter Abruf am Juli 2026).

4 BfArM – ICD-10-GM Version 2024, Diabetes mellitus (E10-E14). https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2024/block-e10-e14.htm (Letzter Abruf am Juli 2026).

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