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Herzschrittmacher Abstandsregeln für Smartphones

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Die Flussdichte diverser iPhone-12-Modelle kann auf das 40-Fache des kritischen Wertes ansteigen. Die Flussdichte diverser iPhone-12-Modelle kann auf das 40-Fache des kritischen Wertes ansteigen. © dariachekman – stock.adobe.com
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Herzschrittmacher und implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) verfügen meist über eine Magnetfunktion. Durch direkte Hautauflage eines mindestens 10 Gauß (G) starken Magneten über dem Implantat kann man dieses in eine Art Ruhezustand schalten, wenn elektromagnetische Interferenzen zu befürchten sind – beispielsweise bei Untersuchungen im MRT. Nun erschien ein Bericht, dass ein neueres iPhone-Modell bei einem ICD genau diesen Modus ausgelöst hat.

Das Team um Seth Seidman vom Office of Science and Engineering Lab am Center for Devices and Radiological Health hat daraufhin die Flussdichte in der Umgebung verschiedener Versionen des iPhone 12 und einer Apple Watch 6 gemessen.1 Die erschreckende Erkenntnis: Die gemessene Flussdichte der Handys lag in 1 mm Entfernung teils um das 40-Fache höher als jene 10 G, ab denen Schrittmacher und ICD in den Magnetmodus schaltbar sind. Die Smart Watch toppte das Ganze noch mühelos mit einer Flussdichte von bis zu 983 G.

Mit dem Abstand zwischen Gerät und Messsonde nahm auch die Feldstärke ab. Bei einer Entfernung von 11 bis 20 mm sanken die Werte unter 10 G, die Gefahr einer versehentlichen Aktivierung des Magnetmodus war somit gebannt.

„Wir gehen davon aus, dass die Gefahr für Patienten insgesamt gering ist und uns liegen keine (weiteren) Berichte über derartige Nebenwirkungen vor“, sagt Seth Seidman, Erstautor der Studie, in einer begleitenden Pressemitteilung.2 „Dennoch sollten Ärzte mit ihren Patienten über Vorsichtsmaßnahmen sprechen. Beispielsweise gehören Smartphones nicht in die Brusttasche direkt über einem Implantat.“

Wechselwirkungen mit anderen Implantaten testen

Bei einem Mindestabstand von 15 cm zwischen Implantat und Handy, zu dem auch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA rät, sei nichts zu befürchten. Bei beunruhigenden Symptomen im Zusammenhang mit der Anschaffung eines neuen elektronischen Geräts sollten sich Patienten an ihren Arzt wenden. Messungen könnten auch dazu dienen, so schließen die Forscher, andere elektronische Geräte (z.B. Neurostimulatoren, Cochlea-Implantate, Infusionspumpen) auf potenzielle Wechselwirkungen mit Smartphones oder Wearables zu überprüfen. 

Quellen:
1. Seidman SJ et al. Heart Rhythm 2021; DOI: 10.1016/j.hrthm.2021.06.1203
2. Pressemitteilung Elsevier

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