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Genderbedingte Unterschiede in Prävention und Behandlung von Herzerkrankungen

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

Insgesamt hatten Frauen geringere Werte in zwei Risikoscores als Männer und nutzten häufiger primärpräventive Strategien. (Agenturfoto) Insgesamt hatten Frauen geringere Werte in zwei Risikoscores als Männer und nutzten häufiger primärpräventive Strategien. (Agenturfoto) © fizkes – stock.adobe.com
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Schwaches Herz beim schwachen Geschlecht? Den Eindruck könnte man aus vielen Untersuchungen gewinnen. Doch ganz so simpel ist es nicht, differenziertere Einblicke liefert eine aktuelle Kohortenstudie.

Zahlreiche Studien erwecken den Anschein, dass kardiovaskuläre Erkrankungen bei Frauen weniger intensiv als bei Männern behandelt werden und das Behandlungsergebnis nach kardialen Zwischenfällen schlechter ausfällt. Populationsbasierte Studien sind darunter jedoch ebenso rar wie solche mit einem Vergleich von Ländern mit unterschiedlichen Einkommenshöhen.

Diese Wissenslücke will die bevölkerungsbasierte PURE*-Studie mit Daten aus 27 Ländern füllen. Insgesamt 202 072 Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 70 Jahren wurden rekrutiert, regelmäßig befragt und klinisch untersucht. Ausgewertet wurde nach einer medianen Beobachtungszeit von 9,5 Jahren.

Insgesamt hatten Frauen geringere Werte in zwei Risikoscores als Männer und nutzten häufiger primärpräventive Strategien. Dazu gehörten Nichtrauchen, körperliche Aktivität, ausgewogene Ernährung sowie die Einnahme von schützenden Medikamenten. Die Inzidenz von kardiovaskulären Erkrankungen lag bei ihnen im Vergleich zu Männern mit 4,1 vs. 6,4/1000 Personenjahre niedriger, ebenso die Gesamtmortalität (4,5 vs. 7,4/1000 Personenjahre).

Gegensätze in der Primär- und Sekundärprävention

Anders sah es bei der Sekundärprävention aus. Hier führten die Männer bei Behandlung, Untersuchung und Revaskularisation. Trotzdem hatten Frauen weniger kardiovaskuläre Rezidive (20,0 vs. 27,7/1000 Personenjahre) und eine niedrigere 30-Tage-Mortalität nach einem erneuten Ereignis (22 vs. 28 %). Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern fielen in Hocheinkommensländern geringer aus als in Ländern mit niedri­gem bzw. mittleren Einkommen.

* Prospective Urban Rural Epidemiological

Quelle: Walli-Attaei M et al. Lancet 2020; 396: 97-109; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)30543-2

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