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Geringes Herzrisiko beim Marathon

Autor: Dr. Angelika Bischoff

Ein Drittel der Läufer mit ischämischen kardialen Ereignissen hatte schon vor dem Rennen klinische Symptome. (Agenturfoto) Ein Drittel der Läufer mit ischämischen kardialen Ereignissen hatte schon vor dem Rennen klinische Symptome. (Agenturfoto) © iStock/Pekic
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Der Ausspruch „Sport ist Mord“ muss häufig für Sportmuffel jedweder Couleur herhalten. Als Ausrede, um nicht an einem Marathon teilzunehmen, funktioniert er jedoch nicht, wie eine aktuelle Studie zeigt. Kardiovaskuläre Ereignisse und Hitzschläge kommen auf Langstreckenläufen nämlich seltener vor, als oftmals befürchtet.

Einmal einen Marathon beenden – oder zumindest die halbe Distanz: Bei vielen ambitionierten Hobbysportlern steht dieses Ziel ganz oben auf der sportlichen Agenda. Solche körperlichen Belastungen werden aber immer wieder mit Herzinfarkten, Hitzschlägen und anderen lebensbedrohlichen Ereignissen in Verbindung gebracht. Zwischen 2006 und 2016 kam es zumindest bei Langstreckenrennen in und um Paris zu vergleichsweise wenigen Fällen.

Daten aus 46 Wettkämpfen mit insgesamt mehr als einer Million Teilnehmern hatte ein Forscherteam um den Kardiologen Dr. Benoît Gerardin vom Centre Chirurgical Marie Lannelongue in Le Plessis-Robinson aus dem RACE PARIS Register gezogen. Dieses umfasst Angaben sämtlicher Teilnehmer aus fünf großen jährlichen Langdistanzrennen. Rund ein Fünftel der analysierten Starter war weiblich, fast zwei Drittel älter als 35 Jahre.

Im betrachteten Zeitraum kam es insgesamt zu 36 lebensbedrohlichen Ereignissen, 25 davon gingen auf schwere kardiovaskuläre zurück. Dies entspricht einer Häufigkeit von 3,35 bzw. 2,33 pro 100 000 Teilnehmern. Die übrigen elf Fälle betrafen belastungsinduzierte Hitzschläge, 1,02 pro 100 000. Schwere kardiovaskuläre Ereignisse traten meist im letzten Viertel des Rennens auf oder zwei Stunden danach.

Mit 18 Fällen ereilte ein Herzinfarkt die Sportler am häufigsten. Bei elf Teilnehmern konnte als Ursache eine Myokardischämie ausgemacht werden. Dabei kam es bei sechs Läufern zu einer Koronarthrombose, bei zwei weiteren galt eine stabile KHK als ursächlich und je einmal fand man seltenere Anomalien wie eine Koronardissektion, eine Fehlverbindung der rechten Koronararterie oder ein Myokard-Bridging.

Oft bestanden schon vor der Veranstaltung Symptome

Besonders interessant ist laut Aussage der französischen Kardiologen, dass fast ein Drittel der Läufer mit ischämischen kardialen Ereignissen schon vor dem Rennen klinische Symptome hatte. Dies sollten Ärzte zum Anlass nehmen, die Teilnehmer solcher Sportevents vor dem Start nach entsprechenden Beschwerden zu befragen oder ihnen zumindest entsprechende Informationen zu geben.

Nicht zu unterschätzen sei zudem die Rolle der hohen Luftverschmutzung und Temperaturen jenseits der 20 °C, weshalb die Autoren auch die Organisatoren in der Pflicht sehen, die Rennen nur bei günstigen Umweltbedingungen durchzuführen und entsprechend aufzuklären.

Quelle: Gerardin B et al. Eur J Prev Cardiol 2020; DOI: 10.1177/2047487320943001

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