Herzinsuffizienz: NYHA-Klassifikation erfasst Veränderungen nicht genau

Autor: Dr. Andrea Wülker

Man sollte auch auf das hören, was der Patient zu seinem Befinden sagt. Man sollte auch auf das hören, was der Patient zu seinem Befinden sagt. © iStock/patrickheagney

Der Gesundheitsstatus von Patienten mit Herzinsuffizienz wird vom Arzt erfasst. Doch wie die Betroffenen ihren Zustand selbst empfinden, ist ebenfalls wichtig.

Das Klassifikationssystem der New York Heart Association (NYHA) wird seit fast hundert Jahren eingesetzt, um den Gesundheitszustand von Patienten mit Herzinsuffizienz zu quantifizieren. Die NYHA-Stadien werden nach wie vor als Einschlusskriterien in Herzinsuffizienzstudien und als Basis für Therapieempfehlungen in klinischen Leitlinien verwendet. Aber: Die Einteilung in NYHA-Stadien erfolgt durch die Brille der Ärzte und kann – je nach Fragetechnik des Klinikers – durchaus variieren.

NYHA mit Selbsteinschätzung der Patienten abgeglichen

In den letzten Jahren finden Patient-Reported Outcomes (PRO) zunehmend Interesse. Ein Instrument zur Erfassung der PRO von Herzinsuffizienzpatienten ist der Kansas City Cardiomyopathy Ques­tionnaire (KCCQ). Um herauszufinden, wie gut die Einschätzung von Ärzten mit jener der Patienten übereinstimmt, führte die Forschergruppe um Dr. Stephen­ ­Greene von der Duke University School of Medicine, Durham/USA, eine Studie mit 2872 Patienten durch, die an einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion litten. Zu Beginn der Untersuchung und nach zwölf Monaten wurden das NYHA-Stadium und der KCCQ Overall Summary Score (KCCQ-OS) der Teilnehmer ermittelt und die klinischen Outcomes in den Monaten 12 bis 24 dokumentiert.

Bei den meisten Patienten wurde ein NYHA-Stadium II (ca. 60 %) oder III (28 %) festgestellt. Nach zwölf Monaten zeigten 75 % der Patienten im KCCQ-OS eine klinisch relevante Veränderung um fünf oder mehr Punkte, während sich 35 % um ein oder mehrere NYHA-Stadien verändert hatten. Eine Verbesserung des KCCQ-OS um mindestens fünf Punkte war mit einer reduzierten Mortalität assoziiert, was für eine Besserung der NYHA-Klasse nicht zutraf.

Patient-Reported Outcomes prognostisch wertvoller

Im Vergleich zur NYHA-Klassifikation kann der KCCQ-OS relevante Veränderungen des Gesundheitszustands im Krankheitsverlauf zuverlässiger erfassen. Veränderungen des KCCQ-OS erlauben wahrscheinlich auch eine bessere prognostische Einschätzung als Veränderungen der NYHA-Klasse, so das Fazit. Patient-Reported Outcomes sollten routinemäßig erhoben und verfügbar gemacht werden, fordert Dr. Paul Heidenreich­ in seinem Editorial. Herzinsuffizienz­patienten könnten den KCCQ elektronisch ausfüllen und dem Arzt vorab zukommen lassen. Das NYHA-Stadium sollte überdacht werden, falls es nicht zur Selbsteinschätzung des Patienten passe.

Quellen:
1. Greene SJ et al. JAMA Cardiol 2021; DOI: 10.1001/jamacardio.2021.0372
2. Heidenreich PA. A.a.O.; DOI: 10.1001/jamacardio.2021.0391