Reizdarm und Colitis Im falschen Biofilm

Autor: Kathrin Strobel

Die Darmbakterien schalten in den Überlebensmodus und bilden eine gelbgründe Auflagerung auf der Schleimhaut. Die Darmbakterien schalten in den Überlebensmodus und bilden eine gelbgründe Auflagerung auf der Schleimhaut. © Nathan Devery com – stock.adobe.com; iStock/alenaohneva

Im Darm von Reizdarmpatienten finden sich häufig gelbgrüne Auflagerungen – ein Biofilm, der auf übermäßiges Bakterienwachstum zurückgeht.

Mehr und mehr stellt sich heraus, dass die Zusammensetzung des Mikrobioms in der Pathophysiologie des Reizdarmsyndroms eine Rolle spielt. Maximilian­ Baumgartner­ von der Medizinischen Universität Wien und Kollegen haben das weiter untersucht. Bei 1426 Patienten mit Reizdarmsyndrom oder Colitis ulcerosa machten sie sich zunächst auf die Suche nach endoskopisch sichtbaren Veränderungen der Darmschleimhaut. Von 117 der Teilnehmer analysierten sie zudem Biopsate sowie Stuhlproben im Hinblick auf die enthaltenen Bakterienarten.

Bei 57 % der Patienten mit Reizdarm und 34 % derer mit Colitis fanden sie dichte gelbgrüne Auflagerungen auf der Schleimhaut von Ileum und rechtem Kolon. Unter gesunden Kontrollen konnte man einen solchen Biofilm nur in 6 % der Fälle nachweisen. Die detaillierteren Analysen ergaben, dass darin vor allem E. coli und Ruminococcus gnavus im Übermaß vorlagen. Zudem entdeckten die Kollegen vermehrt Gallensäuren in den Proben.

Dichter Bakterienfilm stört die Darmfunktion

Dass eine Subgruppe von Patienten mit Reizdarm oder Colitis Biofilme auf der Schleimhaut aufweist, gibt weitere Aufschlüsse über die Pathophysiologie der Erkrankungen. Medikamente wie PPI oder Antibiotika können das bakterielle Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen, erklären sie in der Pressemitteilung zur Studie. Dann aktivieren manche Bakterien eine Art Überlebensprogramm: Sie vermehren sich übermäßig, sodass sich ein dichter Film bildet, der sie vor den toxischen Einflüssen der Medikamente schützt. Dieser legt sich über die Mukosa und beeinträchtigt so die Darmfunktion.

Quellen:
1. Baumgartner M et al. Gastroenterology 2021; DOI: 10.1053/j.gastro.2021.06.024
2. Pressemitteilung – Medizinische Universität Wien