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Jeder fünfte COPD-Patient verschluckt sich beim Essen

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

Im Vergleich zu COPD-Kranken ohne Schluckproblematik hatten die Teilnehmer insgesamt mehr Exazerbationen, schwere Schübe traten häufiger auf. (Agenturfoto) Im Vergleich zu COPD-Kranken ohne Schluckproblematik hatten die Teilnehmer insgesamt mehr Exazerbationen, schwere Schübe traten häufiger auf. (Agenturfoto) © iStock/nimsi69
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Prandiale Schluckstörungen sind bei Patienten mit COPD durchaus ein relevantes Problem. Eine prospektive Beobachtungsstudie zeigt einen Zusammenhang zwischen den Schluckstörungen und schweren Exazerbationen.

Wie eine prospektive Beobachtungsstudie zeigt, leiden nicht wenige mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) zusätzlich unter prandialen Schluckstörungen, die mit einer Aspiration einhergehen. Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden, wie stark sich eine Aspiration auf die Häufigkeit und Schwere der Exazerbationen auswirkt.

Dazu hatten sich 151 Patienten mit stabiler COPD zunächst einer Videofluoroskopie unterzogen. Im Rahmen dieser ließ sich eine mögliche Aspiration während des Trinkens von 100 ml Flüssigkeit feststellen.

Mangelnde Rachensensitivität als potenzielle Ursache

In den folgenden zwölf Monaten wurden die Patienten hinsichtlich des Auftretens einer moderaten bzw. schweren COPD-Exazerbation nachbeobachtet. Als Kriterium für Letztere galt, dass Antibiotika und/oder Steroide zur Behandlung nicht mehr ausreichten, sondern der Patient in die Notaufnahme bzw. stationär aufgenommen werden musste.

Bei 19,1 % der Patienten lag eine prandiale Aspiration vor, schreiben Lydia Cvejic, Monash Lung & Sleep, Monash Health, Melbourne, und Kollegen. Im Vergleich zu den COPD-Kranken ohne Schluckproblematik hatten diese Teilnehmer insgesamt mehr Exazerbationen (2 vs. 3,03). Auch schwere Schübe traten häufiger auf (0,39 vs. 0,87). Zudem war in der Gruppe mit Aspiration von den Exazerbationen jeder zweite Patient betroffen, in der Gruppe ohne prandiale Schluckprobleme war es nur knapp jeder fünfte. Bei einer stillen Aspiration fiel der Unterschied etwas geringer aus. Dementsprechend ergaben sich im Falle einer Aspiration kürzere exazerbationsfreie Zeiten innerhalb des 12-monatigen Beobachtungszeitraums.

Warum die Patienten während der Mahlzeiten aspirieren, konnten die Wissenschaftler nicht klären. Möglicherweise ist die laryngopharyngeale Sensitivität herabgesetzt. Auch ließen sich außer einem höheren Alter noch keine zuverlässigen Prädiktoren für die Aspirationen finden. Auf jeden Fall unterstreiche die Studie den Stellenwert von speziellen Schluck-Atem-Trainings in Schulungs- und Rehaprogrammen.

Quelle: Cvejic L et al. ERJ Open Res 2021; DOI: 10.1183/23120541.00735-2020

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