Kardiologie & Prävention Kardiale Reha: Frauen profitieren stärker

Autor: Dr. Angelika Bischoff

 Herzkranke Frauen profitieren von einer kardialen Rehabilitation wohl stärker als Männer – nehmen aber seltener teil. Herzkranke Frauen profitieren von einer kardialen Rehabilitation wohl stärker als Männer – nehmen aber seltener teil. © Robert Kneschke– stock.adobe.com

Frauen gewinnen durch eine kardiale Rehabilitation oft mehr gesundheitlichen Nutzen als Männer – nehmen aber seltener teil. Die American Heart Association beschreibt in einem Statement, wie sich die Situation durch gezielte Anpassungen bessern lässt. 

Herzkranke Frauen profitieren von einer kardialen Rehabilitation wohl stärker als Männer – nehmen aber seltener teil. Eine amerikanische Fachgesellschaft beleuchtet das Problem genauer und präsentiert eine Reihe von Ideen, wie man es lösen könnte. 
Traditionelle Rehabilitationsprogramme bestehen aus Ernährungsberatung, Gewichts- und Risikofaktormanagement, Ausdauer- und Krafttraining, Beratung zur körperlichen Aktivität im Alltag und psychosozialer Unterstützung. Zusätzlich zu multiprofessionellen Vor-Ort-Programmen gibt es immer mehr virtuelle Konzepte der kardialen Rehabilitation. 

Die Interventionen zahlen sich in jedem Fall aus. Menschen, die nach einem kardiovaskulären Ereignis an einer Reha teilnehmen, müssen im folgenden Jahr seltener wieder ins Krankenhaus eingewiesen werden. Langfristig sinken bei ihnen kardiovaskuläre Mortalität und Herzinfarktrate im Vergleich zu Menschen, die keine Reha durchlaufen. 

Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die zeigen, dass Frauen sogar mehr von den Maßnahmen profitieren als Männer. Ihr Mortalitätsrisiko sinkt generell stärker und nach spontaner Koronararteriendissektion erleben Frauen eine deutlichere Steigerung von Belastungskapazität und psychischem Wohlbefinden. 

Teilnahmerate liegt bei Frauen um 36 % niedriger

Trotz dieser eindeutigen Vorteile werden Frauen seltener entsprechenden Programmen zugewiesen als Männer, schreibt ein Team der American Heart Association um Dr. Thais Coutinho von der Mayo Clinic in Rochester. Dies zeigt zum Beispiel eine große Metaanalyse, in die Personen mit Indikation für eine kardiale Rehabilitation eingeschlossen wurden. Die tatsächliche Teilnahmerate an einer solchen Maßnahme lag bei Frauen um 36 % niedriger als bei Männern. 

Als Gründe dafür wurden in vorherigen Studien einige Faktoren identifiziert, die das weibliche Geschlecht vermehrt betreffen: 

  • Fehlen einer Krankenversicherung
  • nicht verfügbare Transportmittel
  • geringerer Bildungsgrad
  • soziale Isolation 

Auch familiäre Betreuungspflichten hindern Frauen häufiger als Männer daran, eine Rehabilitation wahrzunehmen. Und wenn sie es tun, bleiben sie seltener bis zum Ende dabei. 

Überweisungen sollten automatisiert werden

Um die Situation zu verbessern, sollte als erstes eines der wichtigsten Hindernisse beseitigt werden: die fehlende Überweisung. Das Problem ließe sich nach Aussage des Expertenteams durch systematische Automatisierung der Zuweisungen lösen. 

Die Programme sollten zudem mehr auf Erfordernisse von Frauen zugeschnitten werden. Das fängt beim Training an. Frauen, die zur Reha kommen, sind in der Regel älter als Männer und weisen mehr Komorbiditäten sowie eine geringere kardiorespiratorische Fitness und Muskelkraft auf. Trainingsprogramme müssen darauf angepasst werden. Außerdem leiden Frauen häufiger unter Depressionen und haben eine geringere gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie mehr psychosozialen Stress. Psychologische Therapien können hier hilfreich sein und insbesondere das Stressniveau mindern. Wünschenswert wäre deshalb, dass sie im Rehaprogramm einen breiteren Raum einnehmen. Der soziale Support sollte ebenfalls von Anfang an integriert sein, denn für Frauen ist soziale Unterstützung durch das Umfeld besonders wichtig. 

Virtuelle Programme als gute Alternative

Auch mit virtuellen Rehaprogrammen oder flexibleren Vor-Ort-Programmen lassen sich manche Hindernisse aus dem Weg räumen, die Frauen von der Rehateilnahme abhalten. Studien haben gezeigt, dass virtuelle Programme die funktionelle Kapazität vergleichbar bessern können wie Rehaeinheiten in Präsenz. Außerdem können behandelnde Ärztinnen und Ärzte Betroffene erfolgreich zur Reha motivieren, wenn sie den Nutzen dieser Maßnahme erklären und eine starke Empfehlung dafür aussprechen. Das sollten sie bei Frauen besonders intensiv tun. 
Um die kardiorespiratorische Fitness zu verbessern, ist auch bei Frauen der VO2peak der wichtigste Zielparameter. Hochintensives Intervalltraining schein t hier wirksamer zu sein als kontinuierliches moderates. Es gibt aber Hinweise darauf, dass Frauen eine breitere Auswahl von Trainingsoptionen wünschen. Keine klare Evidenz findet sich dafür, dass ein gesondertes Training für Frauen bessere Ergebnisse bringt als das traditionelle Training in gemischten Gruppen.

Coutinho T et al. Circulation 2025; doi: 10.1161/CIR.0000000000001379