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Leitsymptom Kopfschmerz: Schnelle Diagnose in der Hausarztpraxis

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Mithilfe von SNOOP und Klassifikation lassen sich harmlose Kopfschmerzen zügig von medizinischen Notfällen unterscheiden. Mithilfe von SNOOP und Klassifikation lassen sich harmlose Kopfschmerzen zügig von medizinischen Notfällen unterscheiden. © artinspiring – stock.adobe.com
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Migräne, Nebenhöhlenentzündung oder Hirnblutung? Mit einer gezielten Anamnese können Sie die Ursache von Kopfschmerzen rasch eingrenzen.

Ob es sich bei Kopfschmerzen nur um einen harmlosen Spannungsschmerz handelt oder etwas Ernsteres dahintersteckt, lässt sich am Akronym SNOOP bereits gut abschätzen (siehe Kasten). In der nachfolgenden genaueren Diagnostik braucht es neben der allgemeinen Anamnese eine gezielte Kopfschmerzanamnese. So lässt sich u.a. herausfinden, ob eine primäre oder eine sekundäre Form vorliegt. Nur ca. 18 % fallen in den zweiten Bereich, erklärte Privatdozentin Dr. Gudrun­ Goßrau­ vom Universitäts SchmerzCentrum am Universitätsklinikum Dresden.

SNOOP-Zeichen für den Ernstfall

  • S = systemic symptoms: Fieber, Gewichtsverlust, Schwangerschaft, Vorerkrankungen wie HIV
  • N = neurologic symptoms: Verwirrung, verminderte Aufmerksamkeit, Bewusstlosigkeit, Ausfälle
  • O = onset: plötzlicher, schlagartiger Beginn, stärkster Schmerz
  • O = older: neu einsetzender und progressiver Kopfschmerz v.a. bei Menschen über 50 Jahren
  • P = previous headache history: erstmaliger oder andersartiger Kopfschmerz

Fragen Sie nach Beginn, Periodik, Charakteristik (Drückend? Pulsierend?), Lokalisation und Intensität. Für Letzteres eignet sich eine numerische Analogskala. Begleitsymptome, auslösende/modifizierende Faktoren (Lageabhängig? Bei Aktivitäten?), familiäre Häufung und bisherige diagnostische bzw. therapeutische Maßnahmen sollten Sie ebenfalls erfassen.  Die Messung von Puls und Blutdruck liefert evtl. schon Hinweise auf eine Durchblutungsstörung (Steal-Syndrom?). Herzgeräusche können auf zerebrale Embolien hindeuten, eine Karotisstenose auf eine Amaurosis fugax. Achten Sie auch auf Zeichen der Exsikkose, den Lymphknotenstatus und äußere Anzeichen anderer Erkrankungen wie Neurofibrome oder Hämangiome. Grob können Sie neurologisch auf Affekt, Kognition, Sprache, Gang, Hirnnerven, Motorik/Sensorik, Reflexe und Koordination prüfen. Hirndruckzeichen wie Erbrechen oder Vigilanzschwankungen machen die sofortige Einweisung nötig.

Klassifikation von Kopfschmerzen

Primärer Kopfschmerz
  • Migräne
  • Spannungskopfschmerz
  • trigeminoautonomer Kopfschmerz
  • andere primäre Kopfschmerzen
Sekundärer Kopfschmerz
  • Trauma von Kopf/HWS
  • vaskuläre Erkrankung an Kopf/Hals
  • nicht-vaskuläre intrakranielle Erkrankung
  • Substanzgebrauch/-entzug
  • Infektion
  • Störung der Homöostase
  • Erkrankung von Augen, Nase, Mund, Nacken, Kopf, Nebenhöhlen etc.
  • psychiatrische Erkrankung

Bei Schwangeren auch an eine Sinusvenenthrombose denken

Auf die gefährlichen Situationen ging Privatdozentin Dr. Ruth­ Ruscheweyh­ vom Klinikum der Universität München ein. Einen absoluten Notfall stellen intrazerebrale Blutungen, ischämische Infarkte, Meningitiden, Enzephalitiden und große Raumforderungen dar. Unter die Kategorie „dringlich“ fallen:
  • Arteriitis temporalis
  • Dissektion
  • Glaukom
  • reversibles zerebrales Vasokonstriktionssyndrom
  • idiopathische intrakranielle Hyper­tonie
  • Sinusitis
  • kleinere Raumforderung
  • Sinusvenenthrombose
An Letztgenannte sollten Sie insbesondere bei Schwangeren denken. Sie kann sich z.B. durch epileptische Anfälle äußern. Dissektionen treffen eher jüngere Menschen, der Kopfschmerz ist dann meist einseitig. Die idiopathische intrakranielle Hypertonie geht oft mit Seh- und/oder Hörstörungen einher. 

Quelle: Online-Kopfschmerztage

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