Mobiles MRT-Gerät für die Diagnostik MRT-Bildgebung am Patientenbett?

Autor: Friederike Klein

Ein fahrbares MRT-Gerät im Krankenhausflur – früher undenkbar, jetzt Realität Ein fahrbares MRT-Gerät im Krankenhausflur – früher undenkbar, jetzt Realität © ArtisticAura - stock.adobe.com

Ein fahrbares MRT-Gerät im Krankenhausflur – früher undenkbar, jetzt Realität: Ein mobiler Ultra-Niedrigfeld-Scanner liefert direkt am Patientenbett Hirnbilder. Vor allem die Möglichkeit wiederholter Testungen ist für Forschende reizvoll.

Seit wenigen Jahren gibt es ein fahrbares Ultra-Niedrigfeld-MRT-Gerät, das direkt am Patientenbett eingesetzt werden kann. Das System der US-Firma Hyperfine ist 1,50 m hoch, wird über ein Tablet gesteuert und passt durch Standardtüren. Laut PD Dr. Tobias Bauer vom Translational Imaging Lab des Universitätsklinikums Bonn hat der mobile Scanner den Stromverbrauch einer Kaffeemaschine. Aufgrund des Ultra-Niedrigfelds (0,064 Tesla) ist kein separater Raum für die Untersuchung nötig, metallische Gegenstände sollten nur innerhalb einer Zone von 2 m Durchmesser um das Gerät herum vermieden werden. „Wenn Sie in diesen Bereich einen Schlüssel hineinhalten, passiert aber nicht viel“, erklärte Dr. Bauer.

Der Mini-Tomograf soll die klinische Diagnostik vereinfachen. In einer Proof-of-Concept-Studie wurde das Gerät in Bonn parallel zu einem konventionellen 3-Tesla-Scanner eingesetzt. Neuroradiologen beurteilten unabhängig voneinander die Bildgebung bei 23 Teilnehmenden mit Epilepsie mit insgesamt 24 epileptogenen Läsionen.

Erwartungsgemäß war die Auflösung der mobilen MRT weniger gut als die der konventionellen Bildgebung. Immerhin 17 (71 %) der Läsionen wurden auch in der Niedrigfeld-MRT als Auffälligkeit beurteilt, aber nur bei 11 (46 %) reichte die Bildqualität für eine vollständige Diagnose.

Gut erkennbar waren Tumoren und posttraumatische Läsionen, weniger gut diagnostizierbar waren kortikale Dysplasien und fokale Pathologien. Bei einer ähnlichen Studie zur prächirurgischen Diagnostik ließ sich die Hälfte der epileptogenen Läsionen im Niedrigfeld erkennen, ergänzte Dr. Bauer. Spannend findet er als Wissenschaftler, dass die mobile MRT-Einheit ermöglicht, Veränderungen kurz nach einem Anfallsereignis und häufiger hintereinander zu untersuchen.

Nach Anfällen ist eine Vielzahl schneller MRT möglich

Bei zehn bisher untersuchten Patientinnen und Patienten mit Epilepsie konnten 38 postiktale MRT ausgewertet werden. Sie zeigen eine Diffusionsrestriktion in der Umgebung des Ursprungsorts nach dem Anfall. Die im weiteren Verlauf erhöhte postiktale Diffusion war assoziiert mit der Schwere des Ereignisses. Dr. Bauer hofft, dass diese Bildgebung im Umkehrschluss auch Hinweise auf einen bislang unbekannten Anfallsursprung geben kann und eine Alternative zur SPECT-Bildgebung sein könnte.

Bei der Auflösung des Geräts wurde seit der Markteinführung nachgebessert, mittlerweile unterstützen KI-Algorithmen die Bildverarbeitung. Es müsse geprüft werden, ob das die Detektion von epileptogenen Läsionen verbessert oder ob durch die KI-Bearbeitung der Bilder auch Läsionen verloren gehen können, betonte Dr. Bauer. 

Quelle: 98. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie