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Rauchentwöhnung Niemals nichts anbieten!

Autor: Friederike Klein

Ärzte sollten Raucher auch dann unterstützen, wenn die Patienten alternative Entwöhnungsmethoden nutzen möchten. Ärzte sollten Raucher auch dann unterstützen, wenn die Patienten alternative Entwöhnungsmethoden nutzen möchten. © iStock/BrianAJackson
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Die meisten Raucher hören von sich aus auf – aber viel zu spät. Zudem ist die dauerhafte Abstinenzquote ohne Unterstützung gering. Eine evidenzbasierte Entwöhnung kann die Erfolgsrate wesentlich erhöhen.

Zu den evidenzbasierten Maßnahmen einer Rauchentwöhnung zählen Kurzberatung, Verhaltenstherapie – am besten in der Gruppe – und medikamentöse Unterstützung, erklärte Dr. Thomas Hering von der Lungenarztpraxis Tegel, Berlin. Wichtig für die Auswahl des Unterstützungsangebots sind Akzeptanz, Motivation, finanzielle Möglichkeiten des Patienten und die Bedingungen an seinem Wohnort. So ist nicht für jeden ein Gruppenkurs das Richtige. Er setzt einen bestimmten Suchtgrad voraus, die Teilnehmer müssen eine gewisse Bildung mitbringen und über ein ausreichendes Einkommen verfügen, um sich den Kurs leisten zu können. Weitere Voraussetzungen: eine relativ hohe Motivation und ein Angebot in Heimatnähe. 

Bei einem weniger hohen Suchtgrad, einer ungünstigen finanziellen Situation und fehlender wohnortnaher Verfügbarkeit empfahl Dr. Hering besonders das Rauchertelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA). „Unterschätzen Sie das nicht!“, betonte er. „Es handelt sich um eine nachhaltige Betreuung.“ Infrage kommen auch Selbsthilfemanuale, die weiter zum Rauchstopp motivieren können, DigiApps und Online-Entwöhnprogramme, die teilweise von den Krankenkassen unterstützt werden.

Einige Raucher wünschen sich alternative Hilfsangebote. Dahinter steht der Wunsch nach einer magischen Aktion, die den Rauchstopp herbeiführt, meinte Dr. Hering. Zum Beispiel mittels Akupunktur, für die es alleine allerdings keine Evidenz hinsichtlich eines erfolgreichen Rauchstopps gibt. Noch kritischer sah Dr. Hering die „Detox-Spritze“. Es sei zu hinterfragen, was überhaupt in dieser Spritze sei und es gebe keine Belege für eine Wirksamkeit. Hypnose scheint seiner Erfahrung nach tatsächlich in Abhängigkeit vom Hypnotherapeuten helfen zu können. 

E-Zigarette bei hoher Dringlichkeit sinnvoll

Egal wie man zu den alternativen Methoden steht, das Wichtigste sei es, die Patienten bei der Diskussion dieser Optionen nicht durch die Kritik zu demotivieren. Gegebenenfalls sagt man besser „Wenn Du diesen Weg gehen willst, gehe ihn, ich hoffe, dass er gelingt“ – und wartet ab. 

Die E-Zigarette ist sicher kein Standardinstrument zur Rauchreduktion oder Hilfe zur Abstinenz. Wenn aber eine hohe Dringlichkeit für einen Rauchstopp besteht, kann sie doch infrage kommen, meinte Dr. Hering. Als Beispiel nannte er Patienten mit einer COPD im Stadium III oder IV, bei denen eine evidenzbasierte Maßnahme zur Rauchabstinenz überhaupt nicht realistisch scheint oder schon mehrfach erfolglos blieb. Wenn die Atemkapazität bereits stark reduziert ist, gelten die potenziellen Risiken der E-Zigarette gegen das krankheitsimmanente Risiko als unbedeutend, meinte er pragmatisch. Im Übrigen laute die wichtigste Botschaft: Nie einem Raucher nichts anbieten!

Kongressbericht: 61. Kongress der DGP (Online-Veranstaltung)

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