Axiale Spondyloarthritis NSAR lindern mehr als nur den Schmerz

Autor: Dr. Angelika Bischoff

Der Experte plädierte dafür, in der Therapie von axSpA-Patienten mit hohem Progressionsrisiko NSAR, vorzugsweise COX-2-selektive Substanzen, großzügig einzusetzen. Der Experte plädierte dafür, in der Therapie von axSpA-Patienten mit hohem Progressionsrisiko NSAR, vorzugsweise COX-2-selektive Substanzen, großzügig einzusetzen. © rumruay – stock.adobe.com

NSAR werden als Erstlinienmedikamente in der Therapie der axialen Spondyloarthritis empfohlen. Typischerweise bessern sie die Symptome rasch. Einen gewissen Einfluss scheinen diese Substanzen auch auf die radiografische Progression zu haben.

Das schnelle und gute Ansprechen auf nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) gilt laut ASAS*-Klassifikationskriterien als wichtiges Merkmal einer axialen Spondyloarthritis (axSpA). Einer aktuellen Studie zufolge scheint beides nach einer langen Krankheitsdauer nur noch eingeschränkt zu gelten, berichtete Styliani Tsiami vom Rheumazentrum Herne. Ziel der Studie war, Geschwindigkeit und Ausmaß des NSAR-Ansprechens bei biologikanaiven Patienten mit axSpA im Vergleich zu Patienten mit anderen nicht-entzündlichen Rückenschmerzen zu analysieren. Alle rekrutierten Patienten hatten starke Rückenschmerzen (≥ 4/10 Punkte auf der numerischen Rating-Skala) und litten unter ihren Symptomen schon relativ lange, durchschnittlich seit weit über zehn Jahren.

Zwischen den 68 eingeschlossenen SpA-Patienten, den 107 Patienten mit degenerativen und den 58 mit unspezifischen Rückenschmerzen zeigten sich im kumulativen Ansprechen auf NSAR keine Unterschiede. Die dafür definierte Verbesserung der Schmerzen um ≥ 2/10 Punkte erreichten rund 30 % der Patienten.

SpA-Patienten sprachen schneller auf NSAR an

Eine gute Response, d.h. eine Verbesserung um > 50 %, beobachtete man bei 23,5 % der SpA-Patienten, 15,9 % der Patienten mit degenerativen und 17,2 % der Patienten mit unspezifischen Rückenschmerzen. Die SpA-Patienten sprachen allerdings etwas schneller an als die Patienten der beiden anderen Gruppen.

Übergeordnetes Therapieziel bei axSpA ist es, die radiografische Progression zu bremsen. Das scheinen auch NSAR zu können, wie 10-Jahres-Daten aus der GESPIC-Kohorte (German Spondyloarthritis Inception Cohort) deutlich machen. Murat Torgutalp, Charité – Universitätsmedizin Berlin, stellte eine aktuelle Auswertung von 243 Patienten mit axSpA vor, für die radiografische Daten zu zwei konsekutiven Zeitpunkten vorlagen.

Tatsächlich bremsten die NSAR die mittels Modified Stoke Ankylosing Spondylitis Spinal Score (mSASSS) gemessene radiografische Progression über zwei Jahre hinweg signifikant. Vor allem traf dies in der Subgruppe von Patienten mit bereits radiografisch dokumentierter axSpA zu. COX-2-selektive Substanzen erwiesen sich insgesamt als etwas effektiver im Vergleich zu unselektiven NSAR.

Kann man die radiografische Progression durch konsequente Ergänzung einer Anti-TNF-a-Therapie mit NSAR noch besser bremsen als mit TNF-a-Blockern allein? Dieser Frage ging die offene, randomisierte CONSUL-Studie nach, die Prof. Dr. Fabian Proft, Charité – Universitätsmedizin Berlin, vorstellte. Als NSAR wurde der selektive COX-2-Hemmer Celecoxib und als TNF-a-Blocker Golimumab eingesetzt. Die eingeschlossenen Patienten wiesen eine aktive radiografisch nachgewiesene axSpA mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine Progression auf.

Eine Kombinationstherapie bringt weitere Vorteile

Randomisiert wurden 109 Patienten, die auf eine initiale Therapie mit Golimumab gut angesprochen hatten. Von ihnen erhielten 54 die Kombination und 55 die Monotherapie mit Golimumab. Im Zeitraum von zwei Jahren zeigte die Kombitherapie in puncto radiografischer Progression zwar keine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber der Monotherapie. Es wurde aber eine numerische Reduktion des radiografischen Fortschreitens beobachtet. Bei den sekundären Endpunkten, z.B. Bildung neuer Syndesmophyten, zeigte sich ein kleiner, aber nicht signifikanter Vorteil für die Kombinationstherapie. Bei klinischen Parametern und auch Sicherheitsparametern gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Nach Ansicht von Prof. Proft kann für Hochrisikopatienten auch eine numerische Verlangsamung der Progression klinisch relevant sein. Der Experte plädierte dafür, in der Therapie von axSpA-Patienten mit hohem Progressionsrisiko NSAR, vorzugsweise COX-2-selektive Substanzen, großzügig einzusetzen.

*    Assessment of Spondyloarthritis International Society

Kongressbericht: Deutscher Rheumatologiekongress 2022