ADHS-Medikamente Null Bock auf Pillen oder was?

Autor: Michael Brendler

Die Mehrzahl aller ADHS-Patienten, nämlich 50 bis 80 %, beenden ihre medikamentöse Therapie nach spätestens zwei Jahren. (Agenturfoto) Die Mehrzahl aller ADHS-Patienten, nämlich 50 bis 80 %, beenden ihre medikamentöse Therapie nach spätestens zwei Jahren. (Agenturfoto) © Photographee.eu – stock.adobe.com

Die Mehrzahl aller ADHS-Patienten, nämlich 50 bis 80 %, beenden ihre medikamentöse Therapie nach spätestens zwei Jahren. Nicht unbedingt, weil sie die Arzneimittel nicht mehr benötigen, berichten Dr. Isabell Brikell, Universität Bergen und Kollegen.

Die Rate der Patienten, die sich klinisch entsprechend verbessern, liege nämlich deutlich niedriger. Woran liegt es dann? Gibt es zum Beispiel Patientengruppen, die auffallend häufig die Tabletten absetzen und bei denen es sich deshalb lohnen würde, ihnen ein besonderes Augenmerk zu schenken?

Abbruchrate unter jungen Erwachsenen am höchsten

Diese Frage haben Dr. Brikell und ihre Kollegen bei der Analyse von Verschreibungsdaten von 1,2 Millionen ADHS-Kranken in neun verschiedenen Ländern versucht zu beantworten. Vor allem im jungen Erwachsenenalter neigen Betroffene verstärkt zum verfrühten Absetzen. Ein Jahr nach Behandlungsbeginn lag in dieser Altersgruppe der Anteil der Therapieabbrecher bei 61 %. Bei Erwachsenen betrug er 52 %, bei Jugendlichen 53 %. Dagegen blieben 65 % der Kinder bei ihren Medikamenten. Ein Jahr später hatten sogar 70–80 % der Adoleszenten und Erwachsenen ihre Medikamente gestrichen.

Die Studie zeigt aber auch: Viele Patienten im Adoleszenz- und Erwachsenenalter beginnen später wieder, ihre Tabletten zu nehmen. Fünf Jahre nach Therapiebeginn wurden in diesen Gruppen wieder 30–40 % der Kranken Tabletten verschrieben – möglicherweise weil ADHS-Symptome in ihrer Intensität oft fluktuieren, vermuten die Autoren.

„Die späte Adoleszenz und das frühe Erwachsenenalter scheinen ein wichtiges Zeitfenster zu sein, um mit gezielten Interventionen Therapieabbrüchen entgegenzuwirken“, schreiben die norwegischen Wissenschaftler. Weitere Studien seien notwendig, um die Gründe für das Absetzen der Medikamente aufzudecken.

Quelle: Brikell I et al. Lancet Psychiatry 2024; 11: 16-26; DOI: 10.1016/S2215-0366(23)00332-2