ADHS Ohne Wirkstoff zum Erfolg

Autor: Sabine Mattes

Unter den Autoren waren praktizierende Homöopathen sowie Wissenschaftler der University of Toronto. (Agenturfoto) Unter den Autoren waren praktizierende Homöopathen sowie Wissenschaftler der University of Toronto. (Agenturfoto) © Armand Burger/peopleimages.com – stock.adobe.com

Eine konventionelle pharmakologische ADHS-Therapie wirkt bei drei von zehn Kindern nicht so wie erwartet. Auf der Suche nach Alternativen stellt sich manchen Eltern früher oder später die Frage nach dem Nutzen einer homöopathischen Behandlung.

Unter den Autoren waren auch Homöopathen

Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist die Antwort klar. Eine Forschergruppe aus Kanada wollte es nun aber in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie genauer wissen. Unter den Autoren waren praktizierende Homöopathen sowie Wissenschaftler der University of Toronto.

An der Erhebung nahmen 146 Kinder im Alter zwischen sechs und sechzehn Jahren mit klinisch bestätigter ADHS teil. Waren die Patienten bereits medikamentös eingestellt, musste sich die Dosis seit mindestens sechs Wochen auf stabilem Niveau befinden. Die Forscher bildeten drei Gruppen: In den beiden Interventionsarmen (Arm 1 und 2) fanden in einem Zeitraum von 28 Wochen maximal acht Konsultationen mit einem in der ADHS-Therapie erfahrenen Homöopathen statt. Dieser stand auch zwischen den Treffen für die Eltern telefonisch zur Verfügung. Zusätzlich wurde entweder eine individuell festgelegte homöopathische Medizin (Arm 1) oder ein Placebo (Arm 2) gegeben. Letzteres war in Geschmack und Textur den Globuli nachempfunden und bestand aus einem Laktose-Saccharose-Granulat.

Die Teilnehmer der Kontrollgruppe (Arm 3) fuhren mit ihrer Standardbehandlung fort, die nach Beginn der Studie auch geändert werden durfte, erhielten aber weder Globuli noch homöopathische Beratung. Der primäre Endpunkt war eine Veränderung der ADHS-Symptome nach 28 Wochen, bewertet über den ADHS-bezogenen Auszug des Conners-3-Fragebogens.

In beiden Interventionsarmen ließ sich nach Ablauf des Follow-ups eine deutliche Symptomverbesserung erkennen. Zwischen Arm 1 und Arm 2 bestanden dabei keine signifikanten Unterschiede. Eltern beider Gruppen berichteten darüber, dass die Kinder im Alltag besser mit ihrer Störung zurechtkamen. Im Kontrollarm zeigten sich keine Veränderungen.

Die homöopathische Behandlung add on konnte den Ergebnissen zufolge die ADHS-Symptome der Patienten reduzieren. Der Placebovergleich zeigt allerdings, dass der Effekt nicht auf das Homöopathikum zurückzuführen war. Wirksam waren stattdessen wohl die zusätzliche Behandlung an sich und die persönlichen Konsultationen, die in beiden Interventionsgruppen einen Erwartungseffekt hervorgerufen haben dürften, schreiben die Studienautoren.

Quelle: Brulé D et al. J Integr Comple Med 2023; DOI: 10.1089/jicm.2023.0043