Thrombektomie auch nach der 6. Stunde Patientenauswahl anhand bestimmter Bildgebungsbefunde

Autor: Dr. Andrea Wülker

Bei wem die Entfernung eines Blutgerinnsels auch noch nach sechs Stunden erfolgsversprechend ist, hängt von bestimmten Faktoren ab. Bei wem die Entfernung eines Blutgerinnsels auch noch nach sechs Stunden erfolgsversprechend ist, hängt von bestimmten Faktoren ab. © tussik – stock.adobe.com

Die endovaskuläre Thrombektomie ist ein Meilenstein in der Versorgung von Schlaganfallpatienten. Neuere Studien ergaben, dass das Verfahren bei entsprechender Patientenselektion auch jenseits von sechs Stunden nach Symptombeginn Erfolg verspricht. Nur: Wie selektiert man?

Bei selektierten Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall bietet sich eine endovaskuläre Thrombektomie (EVT) an. Zunächst wurde das Verfahren nur im Zeitfenster von sechs Stunden nach Symptombeginn empfohlen. Mittlerweile zeigten jedoch verschiedene Studien wie DAWN oder DEFUSE, dass die mechanische Thrombektomie unter bestimmten Bedingungen auch später, in einem Zeitrahmen von 16 bzw. 24 Stunden, erfolgreich durchgeführt werden kann.

Welche Bildgebungsbefunde korrelieren mit einen gutem Outcome?

Eine entscheidende Rolle bei der Selektion von Patienten, die von einer späteren EVT profitieren könnten, spielt die Bildgebung. Das Team um den Neurologen Dr. Gregory Albers von der Stanford University analysierte daher gepoolte Daten aus sechs relevanten klinischen Studien mit insgesamt 505 Patienten. Ziel war, herauszufinden, welche Bildgebungsbefunde mit einen gutem Outcome bei erweitertem Zeitfenster korrelieren. Als primären Endpunkt hatte man den Grad der Behinderung (gemäß modifizierter Rankin Scale) nach 90 Tagen definiert. Unterschieden wurden folgende Subgruppen:

  • Schwere klinische Ausfälle bei kleinem Infarktvolumen (Diskrepanzprofil aus DAWN)
  • Diskrepanz zwischen Infarktkern und ischämischem, minderperfundiertem Hirngewebe (Diskrepanzprofil aus DEFUSE)
  • unklares Bildgebungsprofil, da keine adäquate CT- oder MRT-Perfusionsuntersuchung erfolgte

Die Autoren konnten bestätigen, dass die endovaskuläre Thrombektomie mit einer reduzierten Behinderung bei denjenigen Patienten assoziiert war, die eine Diskrepanz zwischen klinischen Ausfällen und Größe des Frühinfarkts bzw. Diskrepanz zwischen Ausmaß der Perfusionsläsion und Größe des Frühinfarkts aufwiesen. In der kleineren Gruppe von Patienten mit einem unklaren Bildgebungsprofil wurde der positive Effekt durch die endovaskuläre Thrombektomie nicht beobachtet.

Die Ergebnisse dieser Studie stützen die EVT als Behandlungsoption für Schlaganfallpatienten mit einem der genannten Mismatch-Profile im Zeitfenster 6–24 Stunden nach Symptombeginn, fassen Dr. Albers und Kollegen zusammen. In weiteren Studien sollte geklärt werden, ob und in welchem Umfang Patienten mit anderen Bildgebungsprofilen von der endovaskulären Thrombektomie profitieren.

Quelle: Albers GW et al. JAMA Neurol 2021; DOI: 10.1001/jamaneurol.2021.2319