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Reizdarm: Akupunktur besser als Medikamente?

Autor: Dr. Judith Lorenz

Im Verlauf erfuhren die Patienten der Akupunkturgruppe eine deutlichere Beschwerdelinderung. Im Verlauf erfuhren die Patienten der Akupunkturgruppe eine deutlichere Beschwerdelinderung. © iStock/Wavebreakmedia
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Den ohnehin dürftigen Therapieerfolg gängiger Reizdarmmedikamente kaufen sich Betroffene häufig zulasten unangenehmer Nebenwirkungen ein. Auf Akupunktur trifft dies nicht zu.

Zweifellos eines der größten Probleme in der Therapie des Reizdarmsyndroms ist, dass die Betroffenen meist nur unzureichend bzw. nicht dauerhaft auf die verfügbaren Medikamente ansprechen. Von den unangenehmen Nebenwirkungen ganz zu schweigen. Daher suchen Wissenschaftler nach alternativen Behandlungsoptionen. Akupunktur stellt eine solche Therapiemöglichkeit dar, berichten chinesische Forscher um Dr. Lixia Pei vom Jiangsu Province Hospital of Chinese Medicine in Nanjing.

In sechs Wochen sollten die 344 Patienten an insgesamt 18 Akupunktursitzungen teilnehmen. Alle litten seit mindestens einem halben Jahr unter Reiszdarmbeschwerden. Als Vergleich zu einem möglichen Behandlungserfolg dienten 175 Kontrollpersonen, die – je nach dominierender Symptomatik – das Abführmittel Macrogol (Obstipation) oder das Spasmolytikum Pinaveriumbromid (Diarrhö) einnahmen.

Im Verlauf erfuhren die Patienten der Akupunkturgruppe im Vergleich zu den Kontrollen eine deutlichere Beschwerdelinderung, welche die Forscher mithilfe des „Irritable Bowel Syndrome-Symptom Severity Score“ (IBS-SSS) objektivierten. Auch die Lebensqualität besserte sich unter der Nadelbehandlung signifikant stärker. Diese Vorteile hielten sogar noch 18 Wochen nach Studienbeginn an. Schwere Nebenwirkungen beobachteten die Forscher in der Interventionsgruppe nicht. Es kam lediglich zu subkutanen Hämatomen und leichten Schmerzen, die sich von allein zurückbildeten.

Akupunktur lindert die Beschwerden des Reizdarmsyndroms wirksamer und vor allem länger als eine Pharmakotherapie, schlussfolgern die Wissenschaftler. Weitere Studien müssen nun diese Ergebnisse bestätigen. Zu prüfen sei dabei insbesondere die Wirksamkeit der Behandlung bei verschiedenen Erkrankungsformen. Zudem müsse untersucht werden, inwieweit der Placeboeffekt eine Rolle gespielt hat.

Quelle: Pei L et al. Mayo Clin Proc 2020; DOI: 10.1016/j.mayocp.2020.01.042


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