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Diabetes und Sport Spezialambulanz unterstützt bei der Therapieanpassung

Autor: Antje Thiel

Eine Stunde vergeht schnell, wenn man
Patient*innen gründlich beraten will. Eine Stunde vergeht schnell, wenn man Patient*innen gründlich beraten will. © Michael Nivelet – stock.adobe.com
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Für Menschen mit Typ-1-Diabetes ist die Angst vor Hypoglykämien das Haupthindernis, das sie sportlich ausbremst. Mit einer ausführlichen, interdisziplinären Beratung kann ihnen geholfen werden, ihre Insulinbehandlung bedarfsgerecht anzupassen und effektiv zu trainieren.

An der Universitätsklinik Graz hat man zu genau diesem Zweck eine Schwerpunktambulanz für Diabetes, Physische Aktivität und Sport ins Leben gerufen, deren Konzept Professor Dr. Othmar Moser aus Bayreuth vorstellte. „Die Gefahr von Hypoglykämien, zum Teil auch mehrere Stunden nach Ende der sportlichen Aktivität, ist nicht zu unterschätzen“, erklärte der Experte. Dies gelte insbesondere, wenn nach dem Sport temporär hohe Glukosewerte auftreten und Sportler*innen darauf allzu rasch mit einem Korrekturbolus reagieren.

Der Weg in die Spezialambulanz führt grundsätzlich über die betreuende Diabetespraxis. Die behandelnden Diabetolog*innen entscheiden, ob eine Überweisung in die Spezialambulanz sinnvoll erscheint. „Beim ersten Termin werden zunächst sämtliche Diabetesdaten erhoben“, erklärte Prof. Moser. Daneben werden auch das persönliche Aktivitätslevel und die aktuell praktizierte Therapieanpassung beim Sport dokumentiert. Bei Bedarf werden zur Feststellung der Trainingsbereiche auch Ausbelastungstests mit Spirometrie und Laktatmessung durchgeführt.

Detaillierte Analyse und Therapieempfehlungen

„Wir stellen initial immer die Frage, welche drei Hauptprobleme den Patient*innen in den Sinn kommen, wenn sie an Diabetes und Sport denken“, erläuterte Prof. Moser das Vorgehen. Damit komme man dem Kern der Schwierigkeiten meist recht gut auf die Schliche. „Pro Patient*in wird etwa eine Stunde für einen Termin eingeplant. Das mag einem viel erscheinen, doch tatsächlich braucht es so viel Zeit, um wirklich ins Detail gehen zu können.“

Am Ende eines solchen Termins erhalten alle Patient*innen ein ausführliches Empfehlungsschreiben. Darin wird zunächst anhand von HbA1c und Zeit im Zielbereich die aktuelle Stoffwechsellage beschrieben, anschließend folgen allgemeine Hinweise zur Therapieanpassung beim Sport sowie individuell adaptierte, konkrete Empfehlungen – etwa mit welchem Glukosewert eine sportliche Aktivität gestartet und in welchen Intervallen Kohlenhydrate zugeführt werden sollten. Das Besondere: „Bei uns dürfen – in Rücksprache mit den Diabetolog*innen – auch Sportwissenschaftler*innen Therapieanpassungen vornehmen“, sagte Prof. Moser. Das Empfehlungsschreiben wird – nicht zuletzt aus haftungsrechtlichen Gründen – auch von beiden Fachrichtungen unterzeichnet, bevor es an die Patient*innen verschickt wird. Dass das Konzept bei den Betroffenen gut ankommt, belegen die langen Wartezeiten auf einen Beratungstermin.

Quelle: DDG Kongress 2022